BIBER CREEK: GESCHICHTEN, COUNTRY UND DER MUT, MIT 51 NOCH EINMAL ANZUFANGEN
Udo Cermak über Wien, die Schweiz, Garth Brooks, persönliche Songs, zwölf Rodeo-Geschichten und die Rolle von KI in seinem Country-Projekt
Text: WILD Redaktion ·

Udo Cermak spielt kein Instrument und hat trotzdem nach Jahrzehnten einen alten Wunsch Wirklichkeit werden lassen. Als Biber Creek erzählt der 51-Jährige Geschichten über Liebe, Fehler, Cowboys, Rodeo und das eigene Leben, mit moderner Country-Musik und KI als Werkzeug. Im WILD MIC CHECK spricht er ungewöhnlich offen darüber, was von ihm selbst kommt, wo für ihn die Grenzen der Technik liegen und warum Erfolg für ihn nicht mit großen Zahlen beginnt. Biber_Creek_WILD_MIC_CHECK_Antw…
Udo Cermak braucht keine Geschichte von der großen Karriere, um erklären zu können, warum es Biber Creek gibt. Der 51-Jährige lebt heute in Biberstein im Schweizer Kanton Aargau, stammt ursprünglich aus Wien und arbeitet außerhalb der Musik im Bereich Logistik. Vor ungefähr sechs Jahren zog er aus Liebe in die Schweiz. Musik macht er nicht, weil daraus zwingend ein Beruf werden soll, sondern weil er heute etwas verwirklichen kann, das lange nur als Wunsch und Idee existierte.
Biber Creek ist sein Country-Projekt und gleichzeitig ein Ort für Geschichten. Liebe, Leben, Fehler, Erinnerungen, Cowboys und Rodeo gehören zu den Themen, die Cermak darin verarbeitet. Nicht jeder Song ist autobiografisch, betont er, aber hinter jedem steht eine Idee, die ihn persönlich interessiert. Manche Geschichten stammen aus seinem eigenen Leben, andere findet er in Artikeln, Posts, Bildern oder Berichten.
Die Haltung dahinter fasst ein Satz zusammen, der für Cermak weit über die Musik hinausgeht: „Ich liebe das Leben, und das Leben liebt mich.“ Biber Creek ist für ihn ein Hobby, aber ausdrücklich kein beliebiges Nebenbei-Projekt. Er macht diese Musik, weil er sie selbst gerne hört und weil moderne Werkzeuge ihm erstmals ermöglichen, Geschichten in Songs zu verwandeln, die früher wahrscheinlich auf Papier geblieben wären.
🟨 EIN SONG AUF PAPIER UND DREISSIG JAHRE DAZWISCHEN
Ganz neu ist der Wunsch, selbst Songs zu schreiben, nicht. Vor ungefähr 30 Jahren schrieb Cermak für seine damalige Frau seinen ersten eigenen Song, mit einem Kugelschreiber auf Papier, ohne Instrument, ohne Aufnahme und ohne die Möglichkeit, daraus tatsächlich Musik zu machen. Der Text ging irgendwann verloren, die Erfahrung blieb. Zum ersten Mal hatte er damals gemerkt, dass sich Gedanken und Gefühle in eigene Songzeilen bringen lassen.
Musik gehörte schon vorher zu seinem Leben. Seine Mutter nahm ihn mit zu ungefähr 30 Konzerten von Udo Jürgens, mit dessen Musik Cermak aufwuchs. Eine zweite prägende Begegnung folgte im Alter von etwa 14 Jahren, als er Garth Brooks im deutschen Fernsehen sah. Für ihn stand danach fest, dass Country-Musik seine musikalische Heimat werden würde.
Trotzdem folgte keine klassische Musikerlaufbahn. Cermak spielt kein Instrument, hatte keinen musikalischen Mentor und keine Band, mit der er seine Ideen hätte umsetzen können. Den Weg musste er sich selbst erarbeiten, und lange fehlten ihm schlicht die Mittel, eigene Musik aufzunehmen. Erst als KI-gestützte Musikproduktion für ihn zugänglich wurde, änderte sich die Situation grundlegend.
🟨 ALS AUS DEM WUNSCH BIBER CREEK WURDE
Richtig angefangen hat Cermak nach eigener Aussage erst vor ungefähr eineinhalb Jahren. Plötzlich konnte er einer Geschichte einen eigenen Klang geben, obwohl er selbst kein Instrument spielt. Aus einer Idee im Kopf konnte Schritt für Schritt ein fertiger Song entstehen. Genau diese Möglichkeit war für ihn der entscheidende Moment, aus dem Wunsch tatsächlich ein eigenes Projekt zu machen.
Dabei gab es nie den Punkt, an dem Cermak beschloss, nun eine große Karriere verfolgen zu müssen. Biber Creek blieb bewusst ein Hobby. Als jedoch aus einer einzelnen Idee ein komplettes Rodeo-Album mit zwölf Songs entstand, merkte er, dass aus diesem Hobby sehr wohl ein ernsthaftes und zusammenhängendes Projekt werden konnte. Die Entscheidung für Biber Creek und später für dieses Album wurde damit zu einem wichtigen Wendepunkt.
Sein musikalisches Ziel war dabei vergleichsweise klar: moderne deutschsprachige Country-Musik, die ihm selbst gefällt. Nicht die Vorstellung davon, was gerade besonders gut funktionieren könnte, sollte die Richtung bestimmen. Country wurde zunehmend zum festen Kern von Biber Creek.
🟨 COUNTRY MUSS MAN HÖREN KÖNNEN
Wenn Cermak seinen Sound beschreibt, spricht er zuerst über Geschichten und Atmosphäre. Seine Songs dürfen ruhig, dunkel, romantisch oder kräftiger sein, entscheidend ist für ihn, dass die Musik eine Geschichte trägt. Ein guter Klang allein reicht ihm nicht. Country muss in einem Biber-Creek-Song klar erkennbar bleiben.
Dazu gehören Instrumente, zu denen er immer wieder zurückkehrt: Gitarre, Pedal-Steel, Fiddle und Banjo, gelegentlich auch Mundharmonika oder ein größer angelegter Nashville-Orchesterklang. Bei der Stimme bevorzugt er einen warmen, tiefen und rauen Klang, der eine Geschichte glaubwürdig transportieren kann. Gleichzeitig möchte er Country nicht als enges Korsett verstehen.
Dunklere Stücke dürfen ebenso dazugehören wie romantische Songs, orchestrierte Balladen oder irisch beeinflusste Geschichten. Eine Regel bleibt jedoch bestehen: Der Kern des Songs muss für Cermak stimmen. Wenn eine Produktion technisch gelungen ist, aber die Geschichte nicht trägt oder das Ergebnis für ihn nicht nach Country klingt, veröffentlicht er es lieber nicht.
🟨 AM ANFANG STEHT FAST IMMER EINE GESCHICHTE
Der kreative Prozess beginnt bei Biber Creek selten mit einem Beat oder einer fertigen Melodie. Meistens steht am Anfang eine Geschichte. Sie kann aus einem Facebook-Post kommen, aus einem Zeitungsartikel, einem Foto, einer Beobachtung unterwegs oder aus einer Erinnerung an die eigene Kindheit. Manchmal genügt ein einzelner Titel oder ein Gedanke, der nicht mehr aus dem Kopf verschwindet.
Viele Ideen entstehen spontan. Cermak kann im Auto unterwegs sein oder etwas auf seinem Handy lesen und plötzlich merken, dass daraus etwas werden könnte. Dann hält er den Gedanken als Notiz oder Sprachnachricht fest. Erzwingen möchte er Inspiration dagegen nicht, unfertige Gedanken dürfen liegen bleiben, bis später etwas daraus entsteht.
Bevor ein Song seine endgültige Form erreicht, entstehen häufig zwei, drei oder vier Textentwürfe. Danach folgen meist mehrere musikalische Versionen, die Cermak anhört, miteinander vergleicht und weiter verändert. Fertig ist ein Stück für ihn dann, wenn der Text das ausdrückt, was er sagen wollte, und die Musik genau die Stimmung trägt, die zur Geschichte gehört. Irgendwann gehört für ihn auch das Loslassen zum Prozess.
🟨 LIEBE, FEHLER UND DAS EIGENE LEBEN
Nicht alles bei Biber Creek ist erfunden oder recherchiert. Cermaks frühere Ehe, seine Kinder, seine jetzige Frau, seine Kindheit und der Umzug von Wien in die Schweiz haben Spuren in seinen Songs hinterlassen. Liebe, Beziehungen, Fehler, Selbstkritik, Neuanfänge und der Versuch, den eigenen Weg zu finden, kehren deshalb immer wieder zurück. Daneben stehen Cowboys, Rodeo, Freiheit und das Leben unterwegs.
Gerade persönliche Songs ermöglichen ihm, Dinge auszusprechen, die in einem direkten Gespräch möglicherweise schwerer zu formulieren wären. Titel wie „Ich bin kein guter Mann“ oder „Ich bin nicht der Teufel“ zeigen Seiten, die nicht zwangsläufig jeder kennen muss. Genau deshalb gab es bei solchen Veröffentlichungen auch die Frage, wie viel von sich selbst man tatsächlich zeigen möchte. Verstecken wollte Cermak diese Songs trotzdem nicht.
„Ich bin kein guter Mann“ hört er heute nicht mehr ausschließlich als Lied, sondern auch als Rückblick auf das eigene Leben. Bei „Claudia“ kommen Erinnerungen an seine erste große Liebe hinzu. Beide wussten damals, dass Gefühle zwischen ihnen bestanden, gesprochen wurde darüber jedoch jahrelang nicht. Auch Erinnerungen an seine Kindheit, darunter das Traktorfahren mit zehn Jahren, finden ihren Weg in seine Geschichten.
🟨 MUSIK ALS MÖGLICHKEIT, GEDANKEN ZU ORDNEN
Das Schreiben hilft Cermak dabei, Gedanken zu sortieren. Wenn eine Erfahrung in eine Geschichte und schließlich in einen Song überführt wird, verändert sich für ihn auch der Blick darauf. Als Therapie möchte er Musik ausdrücklich nicht bezeichnen. Sie gibt ihm jedoch eine Möglichkeit, Erlebtes auszudrücken und für sich einzuordnen.
Dabei muss ein Song nicht zwangsläufig autobiografisch sein, um für ihn Bedeutung zu bekommen. Gerade das Rodeo-Projekt zeigt eine andere Seite seiner Arbeitsweise. Hier recherchiert er wahre Geschichten und versucht, sie musikalisch zu erzählen. Persönliche Erinnerung und recherchierte Geschichte stehen bei Biber Creek deshalb nebeneinander.
Diese Offenheit zeigt sich auch darin, dass er nicht behauptet, jede Veröffentlichung müsse eine große Botschaft besitzen. Ein Lied darf einfach schön sein oder eine Stimmung auslösen. Kritische Songs können zum Nachdenken anregen, Liebeslieder dürfen dagegen schlicht ein Gefühl transportieren, in dem sich jemand wiederfindet.
🟨 „BETWEEN THE HORNS“ UND ZWÖLF RODEO-GESCHICHTEN
Seine erste offizielle Veröffentlichung war „Dieses Motel ohne Namen“. Rückblickend sieht Cermak darin vor allem den Anfang, den Schritt von privaten Ideen und Texten hin zu Musik, die auch andere Menschen hören können. Besonders wichtig wurde später jedoch ein Projekt, das ursprünglich aus einem einzigen Bild entstand.
Cermak sah das Foto eines Rodeo-Reiters und hatte plötzlich die Idee, daraus ein Album zu entwickeln. Aus diesem Impuls entstanden schließlich zwölf Songs. Das Album „Eight Seconds, Dust and Light“ steht für ihn deshalb für die Phase, in der Biber Creek größer wurde als eine Sammlung einzelner Titel.
Besonders „Between the Horns“ bedeutet ihm viel. Die Geschichte von Rob Smets hatte ihn stark beeindruckt, und der Song verbindet für ihn vieles, was Biber Creek ausmacht: Country-Musik, eine starke Geschichte und einen echten Menschen dahinter. Wenn er jemandem, der Biber Creek überhaupt nicht kennt, nur einen einzigen Song vorspielen dürfte, würde seine Wahl deshalb auf „Between the Horns“ fallen.
🟨 UDO JÜRGENS, GARTH BROOKS UND MUSIK OHNE SCHEUKLAPPEN
So eindeutig Country die musikalische Heimat von Biber Creek ist, so wenig beschränkt sich Cermaks privater Musikgeschmack darauf. Udo Jürgens prägte ihn bereits als Kind, Garth Brooks wurde später zum entscheidenden Auslöser seiner Country-Begeisterung. Gleichzeitig hört er Musik aus sehr unterschiedlichen Ländern und Klangwelten.
Zu seinen Beispielen gehören The HU aus der Mongolei und Otava Yo aus Sankt Petersburg. Gerade solche Künstler zeigen ihm, dass Musik auch dann funktionieren kann, wenn sie aus einer völlig anderen Kultur oder musikalischen Tradition stammt. Wer ausschließlich seine Country-Songs kennt, würde diese Seite seines Musikgeschmacks möglicherweise nicht erwarten.
Inspiration findet er ohnehin nicht nur in Musik. Menschen, Fotos, Artikel, Orte und Erinnerungen können genauso zum Ausgangspunkt werden. Wien, seine Kindheit und sein heutiges Leben in der Schweiz fließen ebenso ein wie recherchierte Geschichten oder ein einzelnes Bild, das plötzlich eine ganze Albumidee auslösen kann.
🟨 KI ALS WERKZEUG, NICHT ALS VERSTECKSPIEL
Bei einem Punkt versucht Cermak gar nicht erst, etwas zu verschleiern: KI ist ein wichtiger Bestandteil seines kreativen Prozesses. ChatGPT nutzt er als Gesprächspartner, wenn er Ideen ausarbeitet oder Texte weiterentwickelt. Für die musikalische Umsetzung verwendet er vor allem Suno, außerdem hat er mit Udio und weiteren digitalen Werkzeugen gearbeitet.
Bevor diese Werkzeuge ins Spiel kommen, existiert normalerweise bereits eine Richtung. Cermak hat eine Geschichte, einen Titel oder zumindest einen Gedanken und weiß, welche Stimmung der Song transportieren soll. Er entscheidet, ob daraus beispielsweise eine Ballade, ein dunkler Country-Song oder ein moderneres Stück werden soll. Auch Vorstellungen von Instrumentierung und musikalischer Richtung kommen von ihm.
Nach einer Generierung beginnt für ihn deshalb nicht einfach das Veröffentlichen. Er liest Texte, hört verschiedene Versionen, verändert Formulierungen, lässt neue Entwürfe entstehen und verwirft Ergebnisse. Ein technisch sauber produzierter Song kann trotzdem ausscheiden, wenn er zu sehr nach Pop oder Rock klingt, der Text beliebig wirkt oder die musikalische Stimmung nicht zur Geschichte passt.
🟨 DIE FRAGE NACH DEM EIGENEN SONG
Cermak macht es sich bei der Frage nach Urheberschaft und KI nicht unnötig einfach. Wann aus einem generierten Ergebnis ein eigener Song wird, bezeichnet er selbst als schwierige Frage und behauptet nicht, dass sie vollständig geklärt sei. Für ihn persönlich liegt die entscheidende Verbindung darin, dass Geschichte, Idee, Richtung und Auswahl von ihm kommen und er sich im fertigen Ergebnis wiederfindet.
„Die KI ist das Werkzeug, aber die Verantwortung für das, was ich veröffentliche, liegt bei mir“, sagt er. Genau deshalb gehört für ihn zur Authentizität auch die Offenheit über seine Arbeitsweise. Er möchte nicht den Eindruck vermitteln, mit einer Gitarre in einem Studio zu sitzen, wenn das nicht der Realität entspricht.
Kritik an KI-Musik kann er in Teilen nachvollziehen. Fragen nach Rechten, Transparenz, Trainingsdaten und der enormen Menge neuer Musik hält er für berechtigt. Auch die Gefahr, dass sehr viel Material ohne große Auswahl veröffentlicht wird, sieht er. Die pauschale Behauptung, in KI-Musik könne grundsätzlich keine Kreativität stecken, hält er dagegen für unfair, weil für ihn weiterhin Ideen, Auswahl und Entscheidungen notwendig sind.
🟨 ERFOLG MUSS NICHT IN ZAHLEN PASSEN
Große Streamingzahlen oder Platzierungen kann und will Cermak bislang nicht vorweisen. Es gab Herzen und Blumen als Reaktionen auf seine Musik, und genau solche kleinen Zeichen freuen ihn. Er macht daraus bewusst keine größere Erfolgsgeschichte, als sie tatsächlich ist. Ein Mensch hat kurz angehalten, zugehört und reagiert, auch das besitzt für ihn einen Wert.
Erfolg bedeutet für ihn deshalb nicht zuerst Geld oder Berühmtheit. Wenn jemand einen Song hört und davon berührt wird oder ihn einfach gerne hört, reicht das als positives Erlebnis. Streamingzahlen findet er interessant, aber sie bleiben zweitrangig. Biber Creek existiert in erster Linie, weil Cermak selbst Freude an dieser Musik hat.
Gerade diese Haltung nimmt auch Druck aus dem Projekt. Er hat bisher nicht ernsthaft darüber nachgedacht aufzuhören, weil nicht jede Veröffentlichung erfolgreich sein muss. Wenn ein Song wenig Aufmerksamkeit bekommt, ist das im ersten Moment zwar schade, aber sein Wert hängt für Cermak nicht ausschließlich von Klickzahlen ab.
🟨 DIE ARBEIT BEGINNT NACH DEM SONG NOCH EINMAL
Die eigentliche Musik empfindet Cermak dank der heutigen Werkzeuge nicht als größte Schwierigkeit. Komplizierter wird für ihn alles, was nach einem fertigen Song kommt. Veröffentlichung, Werbung und Social Media waren Bereiche, von denen er zu Beginn kaum etwas wusste und in die er sich erst einarbeiten musste.
Rückblickend würde er sich deshalb früher mit diesen Themen beschäftigen. Cover, Videos, Social Media und Veröffentlichung würde er heute bereits während der Entstehung eines Songs stärker mitdenken. Als unabhängiger Künstler ohne großes Team oder Plattenfirma muss er viele dieser Aufgaben selbst übernehmen.
Auf Instagram und Facebook ist er erst seit vergleichsweise kurzer Zeit aktiv. Dort ist er gleichzeitig Musiker, Produzent und derjenige, der Werbung und Inhalte organisieren muss. Trotzdem möchte er nicht an den Punkt kommen, Musik nur noch für einen Algorithmus zu produzieren. Der Song selbst soll wichtiger bleiben als die permanente Selbstdarstellung.
🟨 EINE KLEINE REAKTION KANN GENUG SEIN
Eine große Community ist für Cermak keine Voraussetzung, um mit Biber Creek weiterzumachen. Wenn jemand seine Musik hört, bedeutet das zunächst einmal, dass dieser Mensch dafür Zeit investiert hat. Schon eine kleine Reaktion zeigt ihm, dass ein Song nicht ausschließlich bei ihm selbst angekommen ist.
Längere Nachrichten von fremden Menschen über seine Songs hat er bislang nicht erhalten, und auch daraus macht er kein künstliches Narrativ. Es gab Herzen und Blumen, aber keinen großen Kommentar, den man zur emotionalen Fan-Geschichte aufblasen könnte. Gerade diese Offenheit passt zu seiner grundsätzlichen Haltung, lieber bei dem zu bleiben, was tatsächlich passiert ist.
Spannend findet er die Vorstellung, dass Menschen seine Geschichten irgendwann anders verstehen könnten, als er sie ursprünglich gemeint hat. Jeder bringt schließlich eigene Erfahrungen in einen Song mit. Bei persönlichen Liedern hofft er, dass vielleicht jemand denkt: „So habe ich mich auch schon einmal gefühlt.“ Ein Liebeslied darf dagegen auch einfach ein gutes Gefühl hinterlassen.
🟨 DER MENSCH HINTER BIBER CREEK
Abseits der Musik mag Cermak Dinge, die wenig mit Veröffentlichungsplänen oder Produktionswerkzeugen zu tun haben. Er geht gerne wandern oder Rad fahren, gemeinsam mit seiner Frau genießt er außerdem Wellness, weil beide dabei gut abschalten können. Ein perfekter freier Tag muss für ihn nicht spektakulär sein. Gemeinsame Zeit und die Möglichkeit, nicht ständig auf die Uhr schauen zu müssen, reichen ihm.
Offene und unkomplizierte Menschen liegen ihm, mit Unehrlichkeit und Unzuverlässigkeit kann er dagegen wenig anfangen. Wenn er drei Begriffe auswählen soll, mit denen er sich selbst beschreibt, nennt er: „Zuverlässig. Positiv. Romantiker.“ Mit zunehmendem Alter seien für ihn Zeit, Beziehungen und die Möglichkeit, einfach man selbst zu sein, wichtiger geworden.
Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen helfen ihm auch bei Biber Creek. Gleichzeitig kennt er die andere Seite dieser Eigenschaft: Gerade bei Technik, Videos oder Werbung kann er sich zu sehr in Details verlieren. Nicht alles gleichzeitig perfekt machen zu wollen, gehört deshalb ebenfalls zu den Dingen, die er noch lernen möchte.
🟨 MIT 51 ETWAS VÖLLIG NEUES ANFANGEN
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus seinem bisherigen Weg ist für Cermak, dass ein Neuanfang kein Ablaufdatum besitzt. Er hätte früher nicht erwartet, mit 51 Jahren ein eigenes Musikprojekt aufzubauen und ein komplettes Album mit zwölf Songs zu entwickeln. Man müsse nicht bereits alles können, bevor man überhaupt anfängt.
Besonders stolz ist er auf das Rodeo-Album. Zwölf wahre Geschichten zu recherchieren und daraus Songs zu entwickeln, ist für ihn eine Leistung, die sich nicht zwangsläufig in Streamingzahlen ablesen lässt. Der Stolz entsteht aus dem Projekt selbst und nicht aus einer externen Kennzahl.
Auch sein Umzug von Wien in die Schweiz gehört zu den Entscheidungen, die sein Leben stärker verändert haben, als er zunächst erwartet hatte. Später wurde die Entscheidung, mit KI-Musik zu beginnen, ebenfalls wichtiger, als es am Anfang abzusehen war. Beide Veränderungen stehen auf unterschiedliche Weise für die Erfahrung, dass sich ein Leben auch dann noch in neue Richtungen bewegen kann, wenn bereits viele Jahre und Entscheidungen hinter einem liegen.
🟨 BIBER CREEK IST NOCH IM AUFBAU
Biber Creek befindet sich nach Cermaks eigener Einschätzung weiterhin im Aufbau. Auf „Dieses Motel ohne Namen“ folgten weitere Songs und Veröffentlichungen. „Highway“ war für den 13. September 2026 geplant, „Bulldogger“ für den 27. September 2026. Parallel arbeitet er an der weiteren Veröffentlichung des zwölf Songs umfassenden Rodeo-Albums „Eight Seconds, Dust and Light“ sowie an Covern, Videos und seinen Auftritten auf Instagram, Facebook, TikTok und YouTube.
Musikalisch möchte er die Bandbreite innerhalb seines Country-Kerns weiter ausloten. Dunkler Country, große orchestrierte Balladen, romantische Songs und irische Einflüsse gehören zu den Richtungen, mit denen er sich beschäftigt. Auch die Geschichte eines irischen Motorradfahrers faszinierte ihn so sehr, dass daraus ein Song entstand.
In drei Jahren muss Biber Creek für ihn trotzdem kein riesiges Projekt mit gewaltigen Zahlen geworden sein. Er wünscht sich, dass einige Menschen seine Musik kennen, mögen und sich von einzelnen Geschichten berühren lassen. Weitere Alben sollen entstehen, und wenn ein paar Menschen gerne zuhören, wäre das für ihn bereits viel wert.
🟨 „GLAUB AN DICH“
Auf die Frage, welchen Rat er seinem jüngeren Ich geben würde, fällt Cermaks Antwort deutlich aus: „Glaub an dich.“ Egal, welches Projekt man beginne, man solle es tun und nicht schon vorher den Mut verlieren. Es könne positiv oder negativ ausgehen, entscheidend sei, sich nicht selbst aufzuhalten. Cermak sagt auch offen, dass er selbst diese Haltung erst spät gelernt habe.
Vielleicht erklärt genau das auch, warum er die Frage nach dem großen Erfolg nicht braucht. Würde er sich selbst fragen, warum er all das macht, obwohl er damit weder reich noch berühmt werden möchte, wäre seine Antwort schlicht: „Weil es mir Freude macht.“ Heute kann er Geschichten erzählen und Musik umsetzen, für die ihm früher die Möglichkeiten fehlten.
Wenn von seiner Musik irgendwann etwas bleiben sollte, dann wünscht sich Cermak vor allem, dass es die Geschichten sind. Vielleicht hört irgendwann jemand einen Song, fühlt sich verstanden, erinnert sich an etwas oder entdeckt eine Geschichte, die vorher unbekannt war. Musik ist für ihn „die Möglichkeit, Geschichten, Gefühle und Träume zum Leben zu erwecken“.
Eigentlich, sagt Cermak, hat sich der Weg bereits gelohnt. Er kann heute Musik machen, die ihm gefällt, obwohl er früher weder ein Instrument spielte noch die Möglichkeiten zur Umsetzung hatte. Wenn zusätzlich jemand sagt, dass ihn ein Song berührt hat, wäre das schön, aber es ist nicht die Voraussetzung dafür. Aus einem handgeschriebenen Song auf Papier ist Jahrzehnte später mit Biber Creek ein eigenes Country-Projekt geworden.