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Der wilde Westen der KI-Musik: So spalten Suno-Deals die Branche

Umstrittene Lizenzdeals mit Labels, laufende Klagen, leere Versprechen: Warum niemand genau weiß, wer am Ende bezahlt wird

Text: WILD Redaktion ·

Der wilde Westen der KI-Musik: So spalten Suno-Deals die Branche

Während Suno mit Warner Music Group, BMG und Believe Lizenzpartnerschaften abschließt, reichen Universal Music Group und Sony Music eine erweiterte Klage ein. Die Musikbranche sucht nach Regeln für eine Zukunft, die längst begonnen hat. Wer in diesem Geschäft tatsächlich verdient, ist bislang nicht öffentlich beziffert.

Am 9. September 2026 hat Suno seine Modellgeneration v6 vorgestellt. Drei Modelle tragen den Namen des Unternehmens in die Zukunft der automatisierten Musikproduktion: v6, v6-wild und v6-mini. v6 und v6-wild stehen Abonnenten der kostenpflichtigen Pläne Pro und Premier zur Verfügung, v6-mini ist für alle Nutzer kostenlos. Einen Tag zuvor hatte Suno eine Partnerschaft mit Believe und TuneCore angekündigt.

Die Plattform lässt ihre alten Modelle auslaufen und stellt die gesamte Infrastruktur auf die neue Generation um. Die Ankündigung kam nicht aus dem Nichts. Suno hatte sich in den Monaten davor öffentlich darum bemüht, die Musikbranche von seiner Seriosität zu überzeugen. Blogposts beschrieben Unternehmensprinzipien, Downloads wurden begrenzt, Audio-Wasserzeichen angekündigt.

Hinter den Kulissen liefen gleichzeitig Vergleichtsverhandlungen, die nach außen nicht sichtbar waren. Die Branche reagierte gespalten. Zwischen dem 9.

September und dem 18. September 2026 verdichteten sich die Widersprüche zu einem Bild, das Anwälte und Manager als „Wilden Westen" bezeichneten.

🟨 DIE NEUE REALITÄT NACH V6

Suno hat am 9. September 2026 seine Modellgeneration v6 vorgestellt, die aus drei Modellen besteht: v6, v6-wild und v6-mini. v6 und v6-wild sind für Abonnenten der Pläne Pro und Premier verfügbar, v6-mini für alle Nutzer kostenlos.

Parallel dazu kündigte Suno am 8. September 2026 eine Partnerschaft mit Believe und TuneCore an und lässt seine vorherigen Modelle auslaufen. Die Plattform stellt die gesamte Infrastruktur auf die neue Generation um.

Was wie ein gewöhnliches Technologie-Upgrade aussieht, hat in der Musikbranche Gewicht. Suno hat mit Warner Music Group, BMG und Believe drei Branchenpartner an Bord geholt, die ihre Kataloge für das Training der neuen Modelle zur Verfügung gestellt haben. Das ist ein Novum. Bisherige KI-Musikgeneratoren waren mit urheberrechtlich geschützter Musik trainiert worden, ohne dass Labels oder Künstler gefragt worden waren.

Suno hat dies erst Monate später eingeräumt. Jetzt präsentiert sich die Plattform als lizenzierter Partner der großen Unternehmen. Die Major Labels Universal Music Group und Sony Music sehen das anders.

Sie reichten am 18. September 2026 eine erweiterte gemeinsame Klage gegen Suno ein, die 61.000 Songs zum Verfahren hinzufügt.

Darin bezeichnen sie Sunos v6-Modelle als „fruit of the same poisoned tree", als Frucht desselben vergifteten Baums. Die Rechtsstreitigkeiten sind damit nicht beendet, sondern nehmen eine neue Runde.

🟨 WER STECKT HINTER V6

Laut Suno wurden die v6-Modelle mit Warner Music Group, BMG und Believe entwickelt. Die drei Partnerschaften unterscheiden sich erheblich in ihrer Transparenz und in dem, was sie Künstlern und Songwrittern einräumen. Bei BMG enthält die Vereinbarung mit Suno eine Opt-in-Klausel. Künstler und Songwriter müssen explizit zustimmen, wenn ihre Musik für das KI-Training verwendet werden soll.

Celine Joshua, Executive Vice President of Global Marketing and Streaming bei BMG, betonte gegenüber Billboard: „This isn't a blanket deal without consent." Die Musikanwältin Dina LaPolt lobte diesen Ansatz und erklärte, kein einziger ihrer Mandanten werde der KI-Nutzung ohne Gegenleistung zustimmen. Bei Warner Music Group sieht die Lage anders aus. Das Unternehmen hat sich auf eine Anfrage von Billboard zu der Frage, ob Künstler ein Opt-in erhalten, nicht geäußert.

Suno-Chefproduktoffizier Jack Brody sagte gegenüber Rolling Stone, Suno sei nicht an der Auswahl der von Warner bereitgestellten Musik beteiligt gewesen. Welche Songs und Künstler betroffen sind, haben weder Warner noch Suno öffentlich gemacht. Der Anwalt Harold Papineau erklärte, viele Label- und Verlagsverträge enthielten Klauseln, die Lizenzen zur KI-Nutzung erlauben, ohne dass Künstler selbst entscheiden können. In diesem Fall kämen Deals zustande, die Künstlern und Songwrittern keine Kontrolle über die Verwendung ihrer Musik geben.

🟨 WAS DAS GERICHT TATSÄCHLICH ENTSCHIED

Die Klage von Universal Music Group und Sony Music gegen Suno hat mit der erweiterten Fassung vom 18. September 2026 eine neue Stufe erreicht. Die 61.000 zusätzlichen Songs, die UMG und Sony in das Verfahren einbringen, erhöhen den Druck auf Suno erheblich.

Die Bezeichnung der v6-Modelle als „fruit of the same poisoned tree" ist ein rechtliches Argument mit Signalwirkung.

Suno hat am 8. September 2026 erstmals eingeräumt, seine früheren Modelle mit YouTube-Videos trainiert zu haben, und betont, dass v6 nicht mit denselben Daten wie die vorherigen Versionen gearbeitet habe. Für die klagenden Labels ändert das nichts an der grundsätzlichen Rechtsposition. Die Modelle seien das Ergebnis einer rechtswidrigen Ausgangsbasis und daher selbst als rechtswidrig einzustufen.

Neben dieser Auseinandersetzung läuft ein separates Verfahren: Round Hill Music reichte im August 2026 Klage gegen Suno ein und lehnt einen Vergleich ab, wie Variety berichtete. Suno hat darüber hinaus einen Urheberrechtsstreit gegen die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA verloren, die dem Unternehmen die Nachbildung von Songs ihrer Mitglieder vorwarf, darunter Lou Begas „Mambo No. 5".

Keines dieser Verfahren ist abgeschlossen. Die Frage, ob Suno mit seinen neuen Modellen auf einer rechtlich sauberen Grundlage steht, bleibt offen.

🟨 WAS V6 FÜR MUSIKER BEDEUTET

v6 ermöglicht es, einzelne Abschnitte eines bestehenden Songs per natürlicher Sprache zu ändern, ohne den Rest des Tracks neu zu generieren. Die Modelle akzeptieren Text, Audio, Bilder und Video als Eingabe und erlauben es, aus mehreren eigenen Songs ein Mashup zu erstellen. Suno hat angekündigt, opt-in-Erfahrungen rund um einzelne Künstler zu entwickeln, bei denen Künstler der Teilnahme zustimmen und dafür bezahlt werden können. Jack Brody, Suno-Chefproduktoffizier, sagte, ein wesentlicher Teil der v6-Veröffentlichung sei die Schaffung zusätzlicher Umsatzströme für Rechteinhaber und Künstler.

Die Realität auf Künstlerseite sieht anders aus. SZA erklärte im Juni, Musik-KI-Systeme seien mit 238 ihrer Songs trainiert worden, ohne dass sie gefragt worden wäre. Mary J. Blige beendete eine Werbepartnerschaft mit Suno, nachdem eine sich als ihr offizieller Vertreter ausgebende Person einen Deal geschlossen hatte, mit dem Blige nicht einverstanden war.

Variety berichtete darüber am 9. September 2026.

Der Anwalt Ben McLane empfahl Künstlern die Zusammenarbeit mit Suno, weil sich die Zukunft nicht aufhalten lasse, kritisierte aber das zentrale Transparenzproblem: Suno habe nicht angegeben, wie viel Umsatz bei Songwritern und Künstlern tatsächlich ankomme. Die technischen Möglichkeiten von v6 sind beeindruckend, aber für Musiker stellt sich die Frage, wer von den neuen Werkzeugen profitiert.

🟨 DIE FINANZIERUNG UND IHRE FOLGEN

Suno wurde im Juni 2026 mit 5,4 Milliarden US-Dollar bewertet und hat nach PitchBook-Daten mehr als 819 Millionen US-Dollar Finanzierung eingesammelt. Das Unternehmen beansprucht zwei Millionen zahlende Nutzer und hundert Millionen Menschen, die mit dem Dienst Songs erstellt haben. Diese Zahlen machen Suno zu einem der größten Player im KI-Musikbereich und zu einem interessanten Partner für Labels, die Anteile am Zukunftsmarkt sichern wollen.

Die Finanzierung zeigt eine Asymmetrie, die die Verhandlungsposition zwischen Suno und einzelnen Künstlern prägt. Suno hat Kapital, Nutzer und eine funktionierende Plattform. Musiker und Songwriter haben Daten, Kreativität und den Klang, den Suno für seine Modelle braucht. Was die Künstlerseite dafür bekommt, ist unklar.

Die Plattform hat mehr als 819 Millionen Dollar von Investoren erhalten, aber keine öffentlichen Angaben dazu gemacht, wie die Einnahmen aus KI-generierter Musik zwischen Suno, den beteiligten Labels und den Künstlerinnen und Künstlern aufgeteilt werden sollen. Die Frage ist nicht nur rechtlicher Natur, sondern auch eine Frage der Marktmacht.

Suno kann es sich leisten, Deals abzuschließen, die für einzelne Künstler ungünstig sind, weil die Alternative, ein Scheitern der Zusammenarbeit, für das Unternehmen verkraftbar bleibt.

🟨 DIE FRAGE DER GELDSUMMEN

Die Musikanwältin Dina LaPolt erklärte, kein Mandant von ihr werde der KI-Nutzung seiner Musik zustimmen, ohne konkrete Gegenleistungen zu kennen. Sie lobte BMG für die Opt-in-Klausel und kritisierte gleichzeitig, dass die Branche zu selten klar mache, was Künstler tatsächlich erwarten können.

Der Anwalt Harold Papineau wies darauf hin, dass nicht jeder Künstlervertrag dem Künstler ein Opt-out ermögliche. Viele Verträge enthielten Klauseln, die Labels und Verlagen erlauben, Musik für KI-Training zu lizenzieren, ohne den Künstler fragen zu müssen.

Eric Greenspan, Anwalt für Red Hot Chili Peppers und Dead & Company, sagte gegenüber Billboard, die Branchenlage ändere sich täglich und es sei „the wild, wild West". Alle Beteiligten, Labels, Tech-Unternehmen, Künstler und Verlage, suchten noch nach ihren Geschäftsmodellen.

Der zentrale Vorwurf richtet sich gegen Suno. Die Deal-Ankündigungen des Unternehmens haben nach Aussage von Anwalt Ben McLane nicht angegeben, wie viel Umsatz bei Songwritern und Künstlern ankommt.

Jack Brody sagte, Suno sei nicht an der Auswahl der von Warner Music Group bereitgestellten Musik beteiligt gewesen und verwies auf die Verantwortung des Labels. Keine der beteiligten Parteien hat konkrete Zahlen zur Aufteilung der Einnahmen veröffentlicht. Für Künstler bedeutet das: Solange die Monetarisierung unklar bleibt, bleibt auch die Akzeptanz fraglich.

🟨 OFFENE FRAGEN STATT ENDGÜLTIGER ANTWORTEN

Das genaue Ankündigungsdatum der BMG-Suno-Partnerschaft ist widersprüchlich. Sunos Blog nennt den 12. August 2026, der Billboard-Artikel spricht von „last month", und Anwalt Harold Papineau schrieb von einem „Aug.

11 deal". Welches Datum zutrifft, ist nicht abschließend geklärt.

Ob Warner Music Group Künstlern und Songwrittern bei allen Lizenzdeals ein Opt-in einräumt, bleibt offen. Ein Warner-Sprecher antwortete nicht auf eine Anfrage von Billboard.

Wie die Einnahmen aus KI-generierter Musik zwischen Labels, Songwritern, Künstlern und Suno aufgeteilt werden, ist nicht öffentlich beziffert. Suno hat keine Zahlen genannt, BMG hat keine Zahlen genannt, und Warner Music Group hat sich zu der Frage nicht geäußert.

Ob Suno Gespräche über einen Vergleich mit Universal Music Group und Sony Music führt, ist ebenfalls offen. Jack Brody sagte, es gebe dazu „nothing to share".

Der genaue Zeitpunkt für den Rollout der Download-Begrenzungen und der Audio-Wasserzeichen war in der Suno-Ankündigung vom 6. August 2026 nicht datiert. Das Unternehmen sprach von „in the coming weeks".

Welche konkreten Künstler und Songs BMG, Warner Music Group und Believe für Trainings- und Remix-Zwecke bereitgestellt haben, ist nicht öffentlich dokumentiert. Suno teilte auf Anfrage nicht mit, welche Musik die Plattform mit welchen Partnern nutzt.

Die Branche bewegt sich in einer Grauzone, die weder Suno noch die beteiligten Labels derzeit auflösen wollen. Solange die Transparenz fehlt, bleibt der Befund von Anwalt Eric Greenspan das treffendste Bild: Es ist der Wilde Westen, und niemand weiß genau, wer in diesem Moment die Waffen in der Hand hält.