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KI-Musikplattform: ElevenLabs schließt ersten Major-Deal mit Universal Music

Was der Lizenzvertrag verspricht und was er noch offen lässt

Text: WILD Redaktion ·

KI-Musikplattform: ElevenLabs schließt ersten Major-Deal mit Universal Music

Universal Music Group und ElevenLabs haben am 10. September 2026 einen mehrjährigen Lizenzvertrag angekündigt, der eine neue KI-gestützte Musikplattform hervorbringen soll. Es ist der erste Deal, den das KI-Unternehmen mit einem Major-Label abschließt. Fans sollen damit Remixes, Mashups und personalisierte Vocal-Erlebnisse mit lizenziertem Material erstellen können, während die Vergütung der Künstler und der Starttermin zunächst offen bleiben.

Am 10. September 2026 kündigten Universal Music Group und ElevenLabs eine mehrjährige Lizenzvereinbarung und strategische Kooperation an. Der Vertrag markiert den ersten Deal, den ElevenLabs als KI-Unternehmen mit einem Major-Label abschließt. Im Kern geht es um die Entwicklung einer neuen KI-gestützten Musikplattform, die auf lizenziertem Repertoire und aktiver Künstlerbeteiligung aufbauen soll.

Das gaben beide Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung bekannt. Die Plattform befindet sich zum Ankündigungszeitpunkt noch in der Entwicklung. Ein konkreter Veröffentlichungstermin wurde nicht genannt.

🟨 DER STAND DER DINGE: WAS DER DEAL KONKRET ANKÜNDIGT

Die neue Plattform soll Fans ermöglichen, mit Musik teilnehmender Künstler Remixes, Mashups, Neuinterpretationen und personalisierte Vocal-Erlebnisse zu erstellen. Das Angebot ist als eigenständige Plattform geplant und soll getrennt von ElevenLabs' bestehenden Musikprodukten Music API und ElevenMusic funktionieren.

Music API stellt studio-taugliche Musikmodelle für Musiktechnologie-Unternehmen, Medien, Entertainment- und Social-Media-Plattformen sowie Entwickler bereit. ElevenMusic ist eine Kreations-App zum Generieren und Bearbeiten originärer Songs mit Kontrolle über Vocals, Instrumentierung, Stil und Arrangement.

ElevenLabs beschreibt sich selbst als KI-Forschungs- und Produktunternehmen, das Voice- und Audio-Modelle in mehr als 70 Sprachen entwickelt. Das 2022 gegründete Unternehmen hat im Jahr 2026 eine Series-D-Finanzierungsrunde über 500 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 11 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, wie Variety berichtete.

Fünf Monate zuvor hatte ElevenLabs Mitarbeitern ein Tender-Angebot über 100 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 6,6 Milliarden US-Dollar unterbreitet. Laut eigenen Angaben nutzen Millionen von Konsumenten, Entwicklern, Regierungen und Unternehmen die Produkte des Unternehmens, darunter Beschäftigte bei zwei Dritteln der Fortune-500-Unternehmen.

Universal Music Group bezeichnet sich selbst als weltweit führendes Unternehmen im Bereich musikbasierter Unterhaltung mit Aktivitäten in Tonträgern, Musikverlag, Merchandising und audiovisuellen Inhalten. Das Unternehmen vertritt Künstler wie Taylor Swift und zahlreiche Country-Acts über Imprints wie MCA Nashville, Mercury Nashville und Lucille Records, zu denen Carrie Underwood, Chris Stapleton, George Strait, Luke Bryan, Parker McCollum und Vince Gill gehören.

Die Vereinbarung zwischen UMG und ElevenLabs umfasst laut der gemeinsamen Ankündigung neben der Plattform auch die Entwicklung weiterer Produkte und Fan-Erlebnisse in den kommenden Monaten und Jahren. Welche Künstler und Kataloge zum Start der Plattform teilnehmen werden, ist nicht benannt.

Ebenso offen bleibt, ob die mit der Plattform erzeugten Werke auch außerhalb der Plattform, etwa auf Streaming-Diensten, distribuiert werden dürfen.

🟨 DER KONTEXT: KI-MUSIK UND DIE ROLLE DER MAJOR-LABELS

Der Zeitpunkt der Ankündigung fällt in eine Phase, in der das Verhältnis zwischen Musikindustrie und KI-Unternehmen von Widersprüchen geprägt ist. Parallel zu Verhandlungen und Lizenzvereinbarungen führen Major-Labels weiterhin Gerichtsverfahren gegen KI-Musikgeneratoren. Zum 10. September 2026 führten Universal Music Group und Sony Music Entertainment weiterhin einen Gerichtsstreit mit Suno wegen behaupteter Urheberrechtsverletzung, wie Variety berichtete.

Suno wiederum startete einen Tag vor der UMG-ElevenLabs-Ankündigung seine v6-Modelle in Zusammenarbeit mit Warner Music, Believe und BMG. Diese Gleichzeitigkeit zeigt, dass die Major-Labels nicht einheitlich gegenüber generativer KI agieren. Sie klagen gegen bestimmte Unternehmen und investieren gleichzeitig in andere.

Alle Major-Labels hatten nach Angaben von Digital Music News bis August 2026 Anteile an Stability AI erworben. UMG selbst hatte sich bereits zuvor mit Spotify auf KI-gestützte Remix-Funktionen geeinigt, mit dem Chiphersteller NVIDIA auf verantwortungsvolle KI für Musikentdeckung und mit Splice zusammengearbeitet.

ElevenLabs wiederum hatte sich früher im Jahr 2026 mit Splice für neue KI-Werkzeuge verbündet. Die Branche bewegt sich also in mehreren Richtungen gleichzeitig: rechtliche Auseinandersetzungen, strategische Beteiligungen und Lizenzpartnerschaften.

Die Analystenfirma Futurum Group prognostizierte am 11. September 2026 einen KI-Plattformmarkt von 181,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 und 496,9 Milliarden US-Dollar bis 2030 bei einer jährlichen Wachstumsrate von 28,7 Prozent. Futurum bewertete die UMG-ElevenLabs-Vereinbarung als einen lizenzrechtlich abgesicherten Kommerzialisierungsrahmen für generative Musik. Diese Einordnung ordnet den Deal in einen größeren wirtschaftlichen Zusammenhang ein, betont aber gleichzeitig, dass es sich zunächst um ein Rahmenwerk handelt, dessen konkrete Ausgestaltung noch aussteht.

🟨 CO-CREATION ZWISCHEN FANS UND KÜNSTLERN: WAS SICH ANDERNS SOLL

Die Sprache der Ankündigung ist auf Kooperation und Verantwortung ausgerichtet. Sir Lucian Grainge, Chairman und CEO von Universal Music Group, erklärte, die spannendsten Möglichkeiten von KI und Musik seien jene, die Künstler, Songwriter und Fans in den Mittelpunkt stellen. Er betonte, UMG und ElevenLabs seien sich einig, dass verantwortungsvolle KI Entdeckung fördern, die Bindung zwischen Künstlern und Fans vertiefen und neue Erlösmöglichkeiten für die Kreativgemeinschaft erschließen könne.

Mati Staniszewski, Mitgründer und CEO von ElevenLabs, sagte, die Kombination von UMGs globaler Community und Rechteverwaltungs-Expertise mit den KI-Modellen und Produkten von ElevenLabs solle Künstlern und Songwritern neue Fan-Erlebnisse ermöglichen und faire Vergütung sicherstellen. Die gemeinsame Ankündigung formuliert das Prinzip, dass KI-gestützte Musikinnovation verantwortungsvoll entwickelt werden, menschliche Kunst respektieren und Künstlern und Songwritern eine Beteiligung am geschaffenen Wert ermöglichen soll.

Diese Formulierungen umreißen ein Modell, in dem Fans nicht nur Konsumenten bleiben, sondern durch KI-Werkzeuge zu Beteiligten werden. Remixes, Mashups und Neuinterpretationen sind in der Musikkultur nichts Neues. Was sich durch KI-Technologie ändern könnte, ist die Zugänglichkeit und die Frage, ob und wie die ursprünglichen Künstler an den Ergebnissen beteiligt werden. Die Ankündigung nennt diese Mechanismen nicht im Detail, sondern verweist auf das Prinzip der Beteiligung.

Ein Bericht des Nashville Tennessean verwies auf einen Luminate-Report aus dem Jahr 2025, wonach US-Konsumenten weniger Interesse an KI-generierter Musik zeigen: 44 Prozent seien weniger interessiert, 24 Prozent mehr interessiert. Das deutet darauf hin, dass die Nachfrageseite dem Angebot durch Lizenzvereinbarungen nicht automatisch folgen wird. Ob die versprochene Vertiefung der Bindung zwischen Künstlern und Fans eintritt, hängt davon ab, wie Fans und Künstler das Angebot tatsächlich annehmen.

🟨 WAS NOCH FEHLT: OFFENE FRAGEN ZUM GESCHÄFTSMODELL

Trotz des konkreten Rahmens der Ankündigung bleiben wesentliche Fragen zum Geschäftsmodell unbeantwortet. Ein Veröffentlichungstermin wurde nicht genannt. Welche Künstler und Kataloge zum Start der neuen Plattform teilnehmen werden, ist nicht benannt.

Wie die Vergütung von Künstlern und Songwritern konkret strukturiert ist und wie das Erlösmodell der Plattform aussieht, ist nicht offengelegt. Finanzielle Details der Vereinbarung zwischen UMG und ElevenLabs wurden nicht veröffentlicht.

Besonders offen bleibt die Frage, wie viele Künstler und Songwriter der Vereinbarung überhaupt zustimmen müssen oder ob eine Opt-in-Regelung besteht. Bei einem Major-Label mit umfangreichem Katalog ist denkbar, dass das Repertoire zunächst über Opt-out-Mechanismen einbezogen wird, sofern die Vertragslage dies zulässt. Ebenso ist denkbar, dass nur ausgewählte Künstler teilnehmen, die aktiv zustimmen. Welcher Weg gewählt wird, hat erhebliche Auswirkungen auf die Reichweite der Plattform und die Einnahmen der Beteiligten.

Variety merkte an, dass sich die Vereinbarung mit ElevenLabs von anderen Deals mit KI-Musik-Startups wie dem Remix-Tool Hook und dem KI-Musikgenerator Udio dadurch unterscheidet, dass sie die Zusammenarbeit an einer völlig neuen Plattform beinhaltet. Das unterscheidet den Deal strukturell von einfachen Lizenzvereinbarungen, bei denen bestehende Produkte Zugang zu Katalogen erhalten. Eine neue Plattform muss Nutzer gewinnen, Inhalte anbieten und Mechanismen entwickeln, die über den bloßen Zugang zu lizenziertem Material hinausgehen.

🟨 DER WETTBEWERB: WER SONST NOCH AM TISCH SITZT

Der Deal steht nicht isoliert, sondern in einem Umfeld beschleunigter Aktivitäten auf dem Gebiet KI-gestützter Musik. Suno, Udio, Klay Vision und Spotify entwickeln parallel eigene Werkzeuge für Remix, Mashup und generative Musik. Suno debütierte am Tag vor der UMG-ElevenLabs-Ankündigung seine v6-Modelle in Zusammenarbeit mit Warner Music, Believe und BMG. Udio plant die Einführung eines neuen Produkts mit Unterstützung von Merlin und den Nicht-Sony-Majors.

Klay Vision bereitet die Einführung seines ersten Modells vor. Spotify entwickelt ebenfalls Remix- und Mashup-Werkzeuge.

Diese parallelen Entwicklungen zeigen, dass die Major-Labels nicht einheitlich vorgehen. Warner Music Group arbeitet mit Suno zusammen, während Universal Music Group auf ElevenLabs setzt. Sony Music führt gemeinsam mit UMG noch ein Gerichtsverfahren gegen Suno. Die Nicht-Sony-Majors unterstützen Udio.

Die Frage, welche dieser Plattformen ein nachhaltiges Geschäftsmodell etablieren können, ist damit noch nicht beantwortet. Alle Akteure stehen vor der Herausforderung, Nutzer anzuziehen, Künstler zu vergüten und die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten.

Laut Variety unterscheidet sich die Vereinbarung mit ElevenLabs strukturell davon, dass sie nicht nur Lizenzierung, sondern auch die gemeinsame Entwicklung einer neuen Plattform umfasst. Das ist ein Unterschied zu einfacher Kataloglizenzierung, weil beide Seiten ein direktes Interesse an der kommerziellen Leistungsfähigkeit der Plattform haben. Es bleibt abzuwarten, wie die anderen Akteure auf diese Konstellation reagieren und ob weitere Major-Labels ähnliche Partnerschaften eingehen werden.

🟨 WAS DER DEAL FÜR UNABHÄNGIGE KÜNSTLER BEDEUTEN KÖNNTE

Für unabhängige Künstler und Indie-Labels stellt sich die Frage, welche Rolle sie in einem Modell spielen, das auf lizenziertem Major-Repertoire aufbaut. Die neue Plattform wird voraussichtlich zunächst mit UMG-Künstlern starten. Denkbare Szenarien sind eine Erweiterung auf weitere Majors, eine Öffnung für Indie-Labels über Content-ID-Systeme oder Verhandlungen mit Independent-Distributoren. In welchem Umfang und zu welchen Konditionen unabhängige Künstler teilnehmen könnten, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar.

Fest steht, dass die Major-Labels mit diesem Deal ihre Position als Gatekeeper für den Zugang zu KI-Musikplattformen stärken. Wer als Künstler oder Label nicht über einen Major-Vertrieb oder eine direkte Lizenzpartnerschaft verfügt, könnte in einem solchen Ökosystem strukturell benachteiligt sein. Gleichzeitig bieten Plattformen wie Splice und die Kooperation von Udio mit Merlin und den Nicht-Sony-Majors Alternativen, die zeigen, dass auch außerhalb der Majors Verhandlungen stattfinden.

Der Erfolg oder Misserfolg der Plattform wird nicht nur von technischer Leistungsfähigkeit und Künstlerbeteiligung abhängen, sondern auch davon, ob Fans das Angebot annehmen. Die Luminate-Daten von 2025 deuten darauf hin, dass ein erheblicher Teil der US-Konsumenten KI-generierter Musik skeptisch gegenübersteht. Eine Plattform, die auf Co-Creation und Remixes setzt, könnte dieses Interesse verändern, muss aber nachweisen, dass sie einen echten Mehrwert gegenüber bestehenden Werkzeugen und Angeboten bietet.