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NEUE NAMEN, NEUER FLOOR: ACHT PRODUCER, DIE DU 2026 KENNEN SOLLTEST

Zwischen House, UK Garage, Techno, Drum & Bass und Club-Avantgarde entsteht gerade eine Generation von Acts, die zeigt, wie wenig elektronische Musik 2026 noch von festen Genregrenzen wissen will.

Text: WILD Redaktion ·

NEUE NAMEN, NEUER FLOOR: ACHT PRODUCER, DIE DU 2026 KENNEN SOLLTEST

Beatportal hat für seine August-Ausgabe von „On Our Radar“ acht Produzenten und DJ-Projekte ausgewählt, die derzeit auffällig schnell an Bedeutung gewinnen. Einige stehen noch am Anfang, andere spielen längst auf großen Bühnen, veröffentlichen auf etablierten Labels oder werden von internationalen Top-DJs unterstützt. Gemeinsam erzählen DJ YUKI, Ellia Jaya, Hidde van Wee, Lilya Mandre, Matrefakt, ring noord, SAPIAN und Wigs vor allem eine Geschichte: Der neue Clubsound entsteht 2026 nicht in einem Genre, sondern zwischen vielen Welten.

Wer wissen will, wohin sich elektronische Clubmusik bewegt, sollte nicht nur auf die Namen ganz oben auf den Festivalplakaten schauen. Oft beginnt eine Veränderung einige Etagen darunter, bei Produzenten, deren Tracks bereits in DJ-Sets auftauchen, deren Namen außerhalb der Szene aber noch kaum bekannt sind. Beatportal versucht genau diese Phase mit seiner monatlichen Reihe „On Our Radar“ einzufangen und hat für August 2026 acht Acts ausgewählt, die derzeit besonders auffallen.

DJ YUKI, Ellia Jaya, Hidde van Wee, Lilya Mandre, Matrefakt, ring noord, SAPIAN und Wigs könnten musikalisch kaum unterschiedlicher sein. Zwischen ihnen liegen House, UK Garage, Minimal, Deep Tech, Progressive House, Techno, Drum & Bass, IDM und experimentelle Elektronik. Gerade deshalb ist die Auswahl interessanter als eine gewöhnliche Liste mit acht neuen Namen, denn sie zeigt, dass der elektronische Underground 2026 offenbar keinen einzelnen Sound braucht, um eine gemeinsame Bewegung zu bilden.

🟨 AUFSTEIGEND BEDEUTET LÄNGST NICHT MEHR UNBEKANNT

Die Bezeichnung „Newcomer“ wäre bei mehreren dieser Acts ohnehin zu klein gegriffen. Matrefakt veröffentlichen bereits seit Jahren, Lilya Mandre hat internationale Clubs und Festivals gespielt, DJ YUKI wird von prominenten DJs unterstützt und ring noord besteht aus Musikern mit erheblicher Vorgeschichte. SAPIAN wiederum ist zwar erst 22 Jahre alt, sein wichtigster Track war aber schon Monate vor Veröffentlichung in der Clubszene bekannt.

Genau darin steckt eine der großen Veränderungen. Früher verlief der Weg oft relativ nachvollziehbar vom ersten Release über kleinere Clubs und Labels bis zu größerer Aufmerksamkeit. Heute können diese Stationen gleichzeitig passieren. Ein unveröffentlichter Track läuft bei internationalen DJs, kurze Videos davon verbreiten sich online, ein Label wird aufmerksam und plötzlich kennt ein Teil der Szene einen Song, den offiziell noch niemand kaufen oder streamen kann.

🟨 DJ YUKI: WENN AUS HOUSE EINE EIGENE WELT WIRD

DJ YUKI aus London gehört zu den Namen, bei denen Produktion, DJing, Gesang und visuelle Identität eng miteinander verbunden sind. Beatportal beschreibt ihren Sound als energiereichen House mit rollenden Basslines und markanten Vocals. Mit „The Baddest“ setzt sie diesen Ansatz auf ihrem eigenen Label GLAZD Records fort und nutzt die Veröffentlichung zugleich als Teil einer größeren künstlerischen Identität.

Besonders auffällig sind die Zahlen, die Beatportal für ihr bisheriges Projekt nennt. Dort ist von rund 17 Millionen Streams, mehreren Spotify-Editorial-Covern sowie Airplay bei BBC Radio 1, KISS und SiriusXM die Rede. Dazu kommt Unterstützung von DJs wie Armin van Buuren, Diplo und Jamie Jones. Das sind Werte, die zeigen, wie wenig „aufstrebend“ heute automatisch „klein“ bedeutet.

Interessanter als die reine Reichweite ist jedoch, dass YUKI nicht ausschließlich auf einzelne Releases setzt. Mit GLAZD Records schafft sie sich eine eigene Plattform und verbindet Musik stärker mit Events und Community. Damit folgt sie einem Modell, das in der elektronischen Musik immer wichtiger wird: Künstler warten nicht mehr zwingend darauf, von bestehenden Strukturen aufgenommen zu werden, sondern bauen ihre eigenen.

🟨 ELLIA JAYA: MANCHESTER SCHICKT DEN GROOVE NACH IBIZA

Ellia Jaya kommt aus Manchester und bewegt sich in einem Bereich, in dem UK House, Garage-Einflüsse, geschnittene Vocals und druckvolle Basslines eng zusammenliegen. Beatportal wurde nach eigenen Angaben besonders durch ihren Creamfields-Auftritt 2025 auf sie aufmerksam. Ihr Interesse an der Clubkultur reicht allerdings weiter zurück, eine Ibiza-Saison im Jahr 2018 nennt das Magazin als wichtigen Ausgangspunkt ihrer Entwicklung.

Inzwischen gehört sie zum Umfeld von Bass Jamz und hat unter anderem über Bass Jamz, neXup, TSZ und Dansu Discs veröffentlicht. Die aktuelle Single „Super Powers“ arbeitet mit bearbeiteten Hip-Hop-Vocals aus den Neunzigern und einem Groove, der deutlich für große Tanzflächen gebaut ist. Gleichzeitig war Jaya auch an Gaskins „Energy Crew“-Serie beteiligt und spielte im Rahmen der Bass-Jamz-Residency im 528 Ibiza.

Ihr Weg zeigt, wie stark regionale britische Clubkultur wieder international ausstrahlt. Der Sound muss dafür nicht geglättet oder in eine universelle EDM-Form gebracht werden. Im Gegenteil, gerade die britische Rhythmik und das Zusammenspiel aus House, Garage und Bass scheinen derzeit ein Teil dessen zu sein, was den Reiz ausmacht.

🟨 HIDDE VAN WEE: VIER TRACKS ZWISCHEN UK GARAGE UND DEEP TECH

Beim niederländischen Produzenten Hidde van Wee wird diese Durchlässigkeit der Genres noch deutlicher. Sein Sound verbindet UK Garage, Electro, Deep Tech und reduzierten House, ohne daraus zwanghaft ein neues Genre machen zu wollen. Entscheidend sind Groove, Percussion, Bass und eine Produktion, die genug Raum lässt, damit ein Track im Club über mehrere Minuten wachsen kann.

Seine „Apollo EP“ erschien am 21. August 2026 auf Sidney Charles' Heavy House Society. Vier Tracks zwischen 128 und 132 BPM verbinden dort Deep-Tech-Strukturen mit atmosphärischen Synthesizern und detaillierter Percussion. Zuvor hatte van Wee bereits auf Labels wie Up The Stuss, HOME//GRXWN, LOCUS und Eastenderz veröffentlicht.

Gerade solche Produktionen zeigen, wie stark sich UK-Einflüsse inzwischen über die britische Szene hinaus verbreitet haben. Es geht nicht darum, klassischen Garage zu kopieren. Vielmehr werden bestimmte rhythmische Ideen, Bassbewegungen und Produktionsweisen in andere House-Spielarten übernommen und dort weiterentwickelt.

🟨 LILYA MANDRE: CASABLANCA, IBIZA UND EIN ANDERER BLICK AUF HOUSE

Lilya Mandre ist in Casablanca aufgewachsen und bringt eine deutlich andere Atmosphäre in diese Auswahl. Ihre Musik bewegt sich zwischen Deep House, Melodic House, Minimal, Indie Dance und Techno. Wo andere Tracks möglichst direkt auf den nächsten Höhepunkt zielen, arbeitet Mandre stärker mit Stimmung, Spannung und melodischer Entwicklung.

Mit „Harper“, veröffentlicht am 26. Juni 2026 auf dem Montrealer Label KOOKOO Records, zeigt sie genau diese Seite. Eine markante Stimme trifft auf warme analoge Klangfarben, Synthesizer und eine Produktion, die sich Zeit nimmt. Der Track funktioniert im Club, wirkt aber gleichzeitig persönlicher als vieles, was ausschließlich auf maximale Funktionalität ausgelegt ist.

Ihre bisherige Laufbahn führt bereits weit über eine klassische Nachwuchskarriere hinaus. Mandre spielte unter anderem beim MOGA Festival, im KOKO London, bei Day Zero und im Club Chinois. Auch Hï Ibiza führt sie für die Saison 2026 im Programm, Beatportal verweist zudem auf Unterstützung aus dem Umfeld von Keinemusik und Damian Lazarus. Das zeigt, dass geografische Herkunft in der elektronischen Musik immer weniger darüber entscheidet, wo ein Künstler später wahrgenommen wird.

🟨 MATREFAKT: AUFSTEIGER MIT JAHRELANGEM VORLAUF

Bei Matrefakt aus Liverpool wird endgültig klar, wie relativ der Begriff „aufstrebend“ geworden ist. Das Duo baut bereits seit 2019 einen umfangreichen Katalog auf und hat auf Labels wie Shall Not Fade, Running Back, Of Unsound Mind und Sous Music veröffentlicht. Dazu kommt das eigene Imprint Attitudes To Life.

Mit der „Raid EP“ kehrten Matrefakt 2026 zu Peggy Gous GUDU zurück. Ihr Sound verbindet House und Techno mit rollenden Basslines und einer sehr britischen Vorstellung von Groove. Unterstützung kam laut Beatportal bereits von Mella Dee, Sally C, Cromby, Bicep, Skream und Peggy Gou.

Matrefakt stehen damit für eine andere Art des Aufstiegs. Nicht ein einzelner viraler Moment trägt das Projekt, sondern ein über Jahre aufgebauter Katalog, der bei DJs Vertrauen geschaffen hat. Wer regelmäßig Musik liefert, die auf dem Floor funktioniert und trotzdem eine eigene Handschrift besitzt, muss nicht über Nacht explodieren, um dauerhaft sichtbar zu werden.

🟨 RING NOORD: CLUBMUSIK DARF AUCH UNBEQUEM SEIN

ring noord ist innerhalb dieser acht Acts wahrscheinlich das radikalste Projekt. Hinter dem niederländischen Duo stehen Nik Roos, früher Mitglied von Noisia und heute unter anderem als Sleepnet aktiv, sowie Jasper Scholma, bekannt als Former. Gemeinsam verbinden sie Drum & Bass, Techno, Hardcore, UK Garage, IDM, Ambient und experimentelles Sounddesign.

Wichtig ist dabei eine kleine Korrektur, die bei der Beschreibung des Projekts schnell verloren geht: Nicht beide Musiker sind ehemalige Noisia-Mitglieder. Nik Roos kommt aus Noisia, Jasper Scholma bringt seine eigene Geschichte als Former mit. Gerade diese Kombination unterschiedlicher Hintergründe bildet die Grundlage des Projekts.

Am 26. Juni erschien „Everything Is Still To Come“ auf Anethas Label Mama Told Ya. Die fünf Tracks zeigen eine melodischere und stellenweise technoidere Seite des Duos. Mit der späteren „Lownoise EP“ auf Vision Recordings wurde der Ansatz härter, reduzierter und rhythmisch kompromissloser.

ring noord behandeln Clubmusik dabei nicht nur als Audiospur. Das Projekt ist ausdrücklich audiovisuell gedacht, Gestaltung und Sound gehören zusammen. Gerade darin steckt ein interessanter Gegenentwurf zu einer Szene, in der Tracks oft auf möglichst schnelle Verwertbarkeit optimiert werden. Hier darf Musik sperrig sein, Räume offenlassen und Erwartungen bewusst verweigern.

🟨 SAPIAN: DER TRACK WAR BERÜHMT, BEVOR ER VERÖFFENTLICHT WURDE

Die Geschichte von SAPIAN und „Reason Why“ könnte fast als Lehrstück darüber dienen, wie ein Clubtrack 2026 Karriere macht. SAPIAN ist erst 22 Jahre alt, hatte aber bereits Releases auf Diynamic, Maccabi House, Planet X und Revival New York vorzuweisen. Der entscheidende Moment kam allerdings mit einem Track, der zunächst überhaupt nicht offiziell erhältlich war.

„Reason Why“ kursierte über Monate als unveröffentlichte ID in DJ-Sets. Anyma, Prospa, Cloonee, Josh Baker, SOSA und Gaskin gehörten zu den Namen, die den Track spielten. Nach Angaben aus Berichten zum Release sammelten Videos mit dem Song vor Veröffentlichung zusammen mehr als vier Millionen TikTok-Aufrufe, während ein inoffizieller Upload bei SoundCloud mehr als eine halbe Million Plays erreichte.

Erst am 14. August 2026 erschien „Reason Why“ offiziell. Gleichzeitig wurde der Track zur ersten Veröffentlichung auf Prophecy, dem neuen Label des britischen Duos Prospa. Das ist bemerkenswert, denn Prospa hätten für den Start ihres eigenen Labels problemlos eine eigene Produktion wählen können. Stattdessen setzten sie mit der Katalognummer PR001 auf SAPIAN.

Der Ablauf dreht die klassische Release-Logik nahezu um. Normalerweise wird ein Track veröffentlicht und danach versucht, Aufmerksamkeit dafür aufzubauen. Bei „Reason Why“ waren Publikum, DJs und Online-Reichweite zuerst da. Der offizielle Release kam am Ende einer Entwicklung, die längst begonnen hatte.

🟨 WIGS: PROGRESSIVE HOUSE MUSS NICHT HETZEN

Wigs, mit bürgerlichem Namen Wilf Auty, stammt ursprünglich aus Devon und lebt heute in South London. Seine Musik bewegt sich zwischen Progressive House, Electro, Balearic und Techno, wirkt dabei aber deutlich geduldiger als viele Produktionen, die unmittelbar auf einen großen Moment zielen.

Seine „VSION05 EP“ fasst diesen Ansatz in vier Tracks zusammen. Basslines und rhythmische Strukturen entwickeln sich schrittweise, einzelne Elemente kommen hinzu, verschwinden wieder oder verändern langsam die Richtung eines Stücks. Veröffentlichungen auf Discoteca, Fuaim, Companion, Hâws, Goddezz und Correspondent haben ihm bereits Aufmerksamkeit innerhalb der Szene eingebracht.

Auch die Liste seiner Unterstützer ist beachtlich. Beatportal nennt unter anderem Spray, Kettama, Chris Stussy, HAAi, Mama Snake und Roza Terenzi. Gleichzeitig besitzt Wigs als Resident im Londoner Meanwhile einen regelmäßigen Ort, an dem diese langsamere Form des Spannungsaufbaus nicht auf wenige Minuten reduziert werden muss.

🟨 ACHT PRODUCER, ABER KEIN NEUES EINHEITSGENRE

Wer nach diesen acht Namen versucht, den neuen großen Clubsound des Jahres 2026 zu benennen, wird kaum zu einem eindeutigen Ergebnis kommen. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis. House bleibt ein zentraler Bezugspunkt, gleichzeitig fließen UK Garage, Minimal, Techno, Progressive, Drum & Bass, IDM und experimentelle Elektronik ständig ineinander.

Die Gemeinsamkeit liegt weniger im Genre als in der Haltung zur Produktion. Diese Acts behandeln musikalische Kategorien eher als Werkzeugkasten denn als feste Grenzen. Ein Basslauf kann aus Garage kommen, die Percussion aus Deep Tech, die Atmosphäre aus Progressive House und die Dramaturgie aus Techno. Entscheidend ist nicht mehr zwingend, wie ein Track einsortiert wird, sondern ob daraus eine erkennbare eigene Sprache entsteht.

Dazu kommt ein zweiter gemeinsamer Faktor. Fast alle acht Projekte besitzen bereits eine Welt um ihre Musik herum. Eigene Labels, Clubresidencies, audiovisuelle Konzepte, starke lokale Netzwerke oder der Support etablierter DJs sorgen dafür, dass Karriere nicht mehr nur über die Veröffentlichung einzelner Songs gedacht wird.

🟨 DER FLOOR ENTSCHEIDET OFT VOR DEM MARKT

Besonders deutlich wird das bei SAPIAN, doch das Prinzip zieht sich durch die gesamte Auswahl. DJs testen neue Musik, Publikum reagiert, kurze Ausschnitte verbreiten sich online und Labels beobachten, welche Tracks sich ohne große Kampagne bereits durchsetzen. Die Tanzfläche ist damit wieder stärker zu einem Testlabor geworden.

Gleichzeitig existiert nicht nur ein Weg nach oben. DJ YUKI baut ein eigenes Label und eine Community auf, Ellia Jaya wächst aus einer britischen Clubstruktur heraus, Hidde van Wee verbindet mehrere Szenen, Lilya Mandre trägt einen internationalen Lebenslauf zwischen Casablanca und Ibiza zusammen. Matrefakt setzen auf Kontinuität, ring noord auf audiovisuelle Konsequenz, SAPIAN auf einen Track, der sich schon vor Veröffentlichung verselbstständigte, und Wigs auf eine langsam wachsende Underground-Präsenz.

Genau deshalb sollte man die Beatportal-Auswahl nicht als Vorhersage verstehen, dass diese acht Namen automatisch die nächsten Superstars der elektronischen Musik werden. Dafür verändert sich die Szene zu schnell. Interessanter ist, dass sie gemeinsam zeigen, wo im Moment Bewegung entsteht.

Elektronische Musik 2026 braucht offenbar keinen neuen Oberbegriff. Sie braucht Produzenten, die sich nicht mehr sonderlich dafür interessieren, ob ihre nächste Idee sauber in die vorherige Schublade passt. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dieser Floor gerade wieder so interessant wird.