NOVA: WENN MUSIKER IHRE EIGENEN INSTRUMENTE ERFINDEN
Lunacy startet eine Plattform für virtuelle Instrumente und kündigt einen Builder mit KI-Unterstützung an. Die spannende Frage: Wie viel Werkzeugbau können Produzenten künftig selbst übernehmen?
Text: WILD Redaktion ·

Ein Synthesizer, der genau auf die eigene Spielweise reagiert. Ein Effekt, dessen Regler nur das verändern, was für den Song zählt. Mit NOVA will Lunacy solche Ideen leichter zugänglich machen. Die Instrumentenplattform ist bereits gestartet, der angekündigte Builder muss sein großes Versprechen allerdings erst einlösen.
Ein neuer Synthesizer verspricht neue Klänge. NOVA stellt eine größere Frage: Was wäre, wenn Musiker nicht nur Sounds auswählen, sondern auch die Werkzeuge dahinter nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten könnten? Lunacy verbindet dafür eine bereits gestartete Instrumentenplattform mit einem angekündigten Builder. Zwischen beiden liegt der Unterschied zwischen einem heute nutzbaren Angebot und einer Idee, die ihre Möglichkeiten erst noch beweisen muss.
Die offizielle Startmeldung vom 17. September 2026 nennt rund zwei Jahre Entwicklungsarbeit. Zunächst erhalten Produzenten Zugriff auf eine wachsende Instrumentensammlung, die im Browser und über einen kostenlosen Host in der DAW nutzbar ist. Später sollen Anwender eigene Werkzeuge entwickeln, bestehende verändern und ihre Ergebnisse weitergeben oder verkaufen können. Für einen genaueren Blick lohnt es sich, Klanggestaltung, technische Infrastruktur und das angekündigte Geschäftsmodell getrennt zu betrachten.
🟨 DREI BAUSTEINE, DIE MAN AUSEINANDERHALTEN MUSS
NOVA umfasst zunächst die Plattform, auf der Instrumente entdeckt und genutzt werden. Hinzu kommt der NOVA Host, der den Zugang zur Sammlung in eine Musiksoftware bringt. Der geplante Builder soll wiederum das Erstellen und Umbauen von Werkzeugen ermöglichen. Wer diese drei Ebenen gleichsetzt, erwartet vom gestarteten Produkt schnell Funktionen, die noch gar nicht allgemein verfügbar sind.
Der Host ist damit eine gemeinsame Umgebung für verschiedene NOVA-Instrumente. Ein solches Konzept kann den Wechsel zwischen Werkzeugen vereinfachen, weil nicht für jedes Instrument ein völlig eigener Installationsweg nötig sein muss. Daraus folgt allerdings nicht, dass jedes spätere Nutzerinstrument als unabhängiges Plugin exportiert werden kann. Eine entsprechende Zusage lässt sich aus den von uns geprüften Startinformationen nicht ableiten.
🟨 WIE NOVA INS STUDIO KOMMT
Lunacy stellt den Host kostenlos bereit. Laut Installationshilfe ist der Installer über die NOVA-Seite oder nach Anmeldung über den Downloadbereich des eigenen Lunacy-Kontos erreichbar. Für macOS nennt der Hersteller AU, VST3 und AAX, für Windows VST3 und AAX. Die Betriebssystemanforderungen beginnen bei macOS 11 und Windows 10.
Bei der Speicherempfehlung sind die offiziellen Angaben zum Recherchezeitpunkt nicht einheitlich. Die Produktseite nennt acht Gigabyte RAM, die gesonderte Kompatibilitätsseite im Support empfiehlt 16 Gigabyte. Beide Angaben sind Empfehlungen und kein von WILD gemessener Speicherverbrauch. Für eine konkrete Installation ist deshalb die aktuelle Supportdokumentation hilfreicher als eine isolierte Zahl aus einer Launchmeldung.
Für den Produktionsalltag zählt darüber hinaus, wie sich das Instrument im eigenen Projekt verhält. Ein einzelner Klang in einer leeren Session sagt wenig darüber aus, was bei vielen gleichzeitigen Spuren passiert. Lange Ausklänge, dichte Akkorde und aufwendige Modulation können andere Anforderungen stellen als eine kurze Bassfigur. Einen eigenen Leistungs- oder Stabilitätstest hat WILD bislang nicht durchgeführt.
🟨 CLOUD BEDEUTET HIER AUCH EINE KONKRETE ABHÄNGIGKEIT
Lunacys Offline-Hilfe liefert eine wichtige Präzisierung: Zum Laden neuer „Rooms“, also Instrumente oder Effekte, ist eine Internetverbindung erforderlich. Der zuletzt geöffnete Room wird auf dem Gerät zwischengespeichert und lässt sich anschließend ohne Verbindung verwenden. Der Hersteller verspricht damit keine vollständig offline verfügbare Gesamtsammlung. Ebenso wenig beschreibt er NOVA als grundsätzlich unbrauchbar, sobald die Verbindung abreißt.
Diese Unterscheidung ist für mobiles Arbeiten oder Studios mit getrenntem Audiorechner wichtig. Wer unterwegs mehrere Instrumente wechseln möchte, sollte vorher prüfen, welche davon ohne Verbindung tatsächlich erreichbar bleiben. Aus dem dokumentierten Cache-Verhalten lässt sich keine Garantie für eine komplexe Session mit vielen unterschiedlichen Rooms ableiten. Vor einer wichtigen Aufnahme wäre ein gezielter Test des vorgesehenen Projekts deshalb sinnvoll.
Auch der Begriff Cloud sagt allein noch nicht, wo jeder einzelne Rechenschritt stattfindet. Eine Plattform kann Inhalte online bereitstellen und Teile ihrer Arbeit dennoch lokal ausführen. Die von uns geprüften Supportseiten beschreiben vor allem Verfügbarkeit, Aktualisierung und Zwischenspeicherung. Behauptungen über serverseitige Klangerzeugung oder eine bestimmte interne Audio-Engine wären auf dieser Grundlage zu weitgehend.
🟨 WELCHE KLANGWELTEN ZUM START AUFEINANDERTREFFEN
Die Startankündigung beschreibt unterschiedliche Ansätze statt einer einzigen universellen Klangerzeugung. Woodland Piano arbeitet mit Klavieraufnahmen und ergänzenden Geräuschmodellen, Good Vibes mit Vibraphon-Samples. Zephyr Strings verbindet Streicheraufnahmen mit einem Arpeggiator, Chiptuner steht für digitale Chip-Klänge. Silhouettes kombiniert mehrere Synthese- und Sampling-Verfahren.
Das ist für die Einordnung wichtig, weil NOVA damit keineswegs nur aus einem KI-Modell besteht, das auf Zuruf Audio ausgibt. Die beschriebenen Instrumente nutzen bekannte Bausteine der elektronischen Klangerzeugung und Klangbearbeitung. Ihr Unterschied liegt in der Zusammenstellung, Steuerung und musikalischen Ausrichtung. Die angekündigte KI-Unterstützung beim Werkzeugbau muss davon getrennt betrachtet werden.
Sampling bedeutet zunächst, dass aufgenommenes Klangmaterial gespielt und bearbeitet wird. Mehrere Anschlagstärken können unterschiedliche Aufnahmen auslösen, statt denselben Ton lediglich lauter zu machen. Synthese erzeugt Klänge dagegen aus rechnerisch beschriebenen Schwingungen oder anderen Modellen. Viele moderne Instrumente verbinden diese Verfahren, wodurch sich die Grenze zwischen natürlicher Klangquelle und elektronischer Bearbeitung bewusst verschieben lässt.
🟨 DRIFT CASSETTE: ZWEI KLANGQUELLEN ALS EIN INSTRUMENT
Bei Drift Cassette beschreibt die offizielle Produktseite zwei mischbare Decks mit mehr als 50 mehrfach gesampelten Instrumenten. Hinzu kommen einstellbare Schleifenpunkte sowie Wiedergabearten wie Reverse und Ping-Pong. Bandsättigung, Bitcrushing und Raumanteile dienen der weiteren Bearbeitung. Der Hersteller nennt außerdem typische Unregelmäßigkeiten wie Tonhöhenschwankungen und kurze Aussetzer.
Der musikalische Reiz eines solchen Aufbaus liegt in der Beziehung zwischen den beiden Ebenen. Eine könnte den Anschlag liefern, während die andere den länger ausklingenden Teil prägt. Unterschiedliche Wiedergaberichtungen können dazu führen, dass ein Sound gleichzeitig einen klaren Beginn und eine anschwellende Bewegung erhält. Das beschreibt mögliche Arbeitsweisen mit diesem Konzept und ist kein Hörurteil über die Qualität der mitgelieferten Presets.
Für einen Mix wäre außerdem entscheidend, ob der gewünschte Charakter erhalten bleibt, sobald andere Instrumente hinzukommen. Ein stark schwankender Soloklang kann reizvoll sein, neben einer präzisen Basslinie aber unruhig wirken. Ein dichter Effektanteil kann Atmosphäre erzeugen und gleichzeitig wichtige rhythmische Konturen verdecken. Die kreative Entscheidung liegt deshalb auch hier darin, die Bearbeitung passend zum Arrangement zu dosieren.
🟨 ANIMA: BEWEGUNG WIRD ZUM TEIL DES KLANGS
Anima setzt laut Hersteller auf Phase-Distortion-Synthese, zwei nichtlineare Oszillatoren, Wavefolding und Rückkopplung im Audiobereich. Vier aufnehmbare LFOs und eine Modulationsmatrix sollen Veränderungen mit zahlreichen Klangparametern verbinden. Außerdem nennt Lunacy zeichnbare zweidimensionale Modulationskurven. Damit richtet sich das Instrument ausdrücklich an bewegte und über die Zeit veränderliche Klänge.
Ein LFO ist eine langsame Steuerschwingung, die beispielsweise Helligkeit oder Tonhöhe verändern kann. Die Modulationsmatrix legt fest, welche Quelle welchen Parameter wie stark beeinflusst. Für Musiker wird dadurch aus einem gehaltenen Ton ein Verlauf, dessen Bewegung bewusst gestaltet werden kann. Das ist etwas anderes als ein statisches Preset, das bei jeder Note nahezu gleich reagiert.
Gerade bei länger gehaltenen Flächen kann diese Ebene musikalisch wichtig werden. Eine Bewegung könnte über mehrere Takte wachsen, während eine zweite wesentlich schneller kleine Veränderungen erzeugt. Ob das im Song Spannung aufbaut oder nur Aufmerksamkeit bindet, hängt von Dosierung und Timing ab. Die technische Ausstattung schafft Möglichkeiten; sie ersetzt keine Entscheidung darüber, welche Bewegung tatsächlich gebraucht wird.
🟨 GLEAM: MATERIALKLANG STATT NUR WELLENFORM
Gleam entstand laut Lunacy in Zusammenarbeit mit Rainbow Circuit. Das Instrument verbindet einen modalen Resonator mit Aufnahmen von Materialien wie Holz, Glas, Metall und Wasser. Hinzu kommen ein Arpeggiator und wechselnde Sample-Varianten, sogenannte Round-Robin-Layer. Damit verfolgt Gleam einen Ansatz, bei dem die Vorstellung eines klingenden Materials Teil des Instrumentencharakters wird.
Ein Resonator betont bestimmte Schwingungen und verleiht einem Ausgangssignal dadurch eine eigene Klangfarbe. Für die musikalische Vorstellung hilft der Unterschied zwischen einem kurzen Anschlag und dem Körper, der darauf reagiert. Derselbe Impuls wirkt anders, wenn anschließend eher ein metallischer oder ein holziger Klang nachschwingt. Die genaue Wirkung von Gleam müsste im Einsatz geprüft werden, das zugrunde liegende Gestaltungsprinzip ist aber deutlich konkreter als das allgemeine Versprechen „neuer Sounds“.
Als eigenes Anwendungsbeispiel wäre eine sparsame Melodielinie denkbar, deren perkussiver Beginn deutlich hörbar bleibt. Der anschließende Resonanzanteil könnte dann die harmonische Farbe liefern, ohne dass eine zweite Fläche nötig wäre. In einem dichten Arrangement müsste geprüft werden, ob diese Resonanzen den Gesang oder andere Melodieinstrumente überlagern. Gerade charakterstarke Instrumente brauchen oft weniger Noten, damit ihre Eigenheiten hörbar bleiben.
🟨 GROWL UND SWARM ZEIGEN ZWEI ANDERE RICHTUNGEN
Growl wird in den Herstellerangaben als monophoner Bass-Synthesizer mit FM-Matrix und resonanter Bandpassfilterung beschrieben. Swarm setzt dagegen auf Unisono-Stimmen, Verstimmung und Akkorderzeugung. Vereinfacht gesagt zielt der eine Ansatz auf einen gezielt geformten einzelnen Ton, der andere auf das Zusammenspiel mehrerer Stimmen. Damit deckt die Sammlung verschiedene Aufgaben ab, statt nur unterschiedliche Oberflächen für denselben Klangtyp anzubieten.
Monophon bedeutet, dass zu einem Zeitpunkt nur eine Note gespielt wird, was für viele Basslinien sinnvoll ist. Unisono-Schichten erzeugen dagegen mehrere leicht voneinander abweichende Stimmen für eine gespielte Note. Das kann einen Klang dichter machen, erhöht aber nicht automatisch seine Durchsetzungskraft im Arrangement. Besonders im unteren Frequenzbereich bleibt die Frage, wie kontrolliert sich diese Dichte in den Mix einfügt.
🟨 PRESET, EIGENES INSTRUMENT UND BUILDER SIND NICHT DASSELBE
Ein Preset speichert Einstellungen innerhalb eines vorhandenen Werkzeugs. Ein eigener Instrumentenentwurf betrifft zusätzlich die Frage, welche Klangquellen, Bearbeitungen und Bedienelemente überhaupt miteinander verbunden sind. Wer nur einen Hallanteil verändert, hat deshalb noch keine neue Synthese-Architektur gebaut. Umgekehrt kann schon eine sinnvoll gestaltete kleine Oberfläche einen bestehenden technischen Aufbau musikalisch deutlich zugänglicher machen.
Genau hier liegt das Versprechen des angekündigten NOVA Builders. The Verge beschreibt einen Ansatz mit vorbereiteten Effektbausteinen und KI-Prompts, über den Anwender eigene Werkzeuge erstellen oder vorhandene umbauen sollen. Die offizielle Produktseite führt Bauen, Teilen, Verändern und Verkaufen weiterhin als kommende Funktionen. Der heute verfügbare Instrumentenkatalog ist deshalb kein Nachweis dafür, dass Nutzer bereits beliebige Plugin-Ideen vollständig umsetzen können.
Offen bleibt in den geprüften Unterlagen, wie weit diese Freiheit reichen wird. Werden vorgegebene Module kombiniert, entsteht neuer Programmcode oder kommen je nach Aufgabe verschiedene Verfahren zum Einsatz? Welche Teile eines Instruments können Nutzer tatsächlich verändern, und welche bleiben fest vorgegeben? Solange diese Punkte nicht belastbar dokumentiert sind, sollte „eigene Plugins bauen“ als Zielbeschreibung gelesen werden.
🟨 WO DIE KI HELFEN KÖNNTE UND WO MUSIKALISCHES URTEIL BLEIBT
Ein sinnvoller Einsatz von KI wäre, eine musikalische Absicht in bearbeitbare technische Einstellungen zu übersetzen. Als eigenes Beispiel nehmen wir einen kurzen Synth-Ton, dessen höherer Klanganteil bei hartem Anschlag rauer wird, während der Grundton stabil bleibt. Die Anweisung enthält bereits mehrere getrennte Anforderungen: Anschlagsempfindlichkeit, unterschiedliche Behandlung von Klanganteilen und kontrolliertes Verhalten. Eine Antwort mit einem zufällig verzerrten Preset würde die Aufgabe nur oberflächlich treffen.
Der entscheidende Schritt wäre deshalb die anschließende Korrektur. Ein Nutzer müsste etwa die Rauheit behalten, die Lautstärkeentwicklung begrenzen und die Ausklingzeit unabhängig davon verändern können. Ein hilfreicher Builder sollte solche Eingriffe nachvollziehbar machen. Dieses Beispiel ist unser Maßstab für die angekündigte Technik, keine Behauptung über bereits geprüfte NOVA-Funktionen.
Auch der Begriff KI-Instrument braucht Präzision. KI kann beim Entwerfen eines Werkzeugs helfen, ohne später jede gespielte Note als generatives Audio zu erzeugen. Umgekehrt verrät eine konventionell wirkende Oberfläche wenig über die Entstehung ihrer Software. Für die Bewertung sollten Werkzeugentwicklung, Klangerzeugung und musikalische Komposition deshalb getrennt beschrieben werden.
🟨 AKTUALISIERUNGEN: INSTRUMENT UND HOST GEHEN GETRENNTE WEGE
Der Hersteller unterscheidet bei Updates zwischen den Inhalten und dem Host. Instrumente und Effekte werden laut Support in der Cloud aktualisiert. Das Host-Plugin selbst aktualisiert sich dagegen nicht automatisch, sondern muss über einen erneuten Installationsvorgang auf den aktuellen Stand gebracht werden. Diese Trennung ist relevant, wenn nach einer Änderung ein anderes Verhalten auftritt.
Ein Produzent sollte in einem solchen Fall wissen, welche Ebene sich verändert hat. Ein neues Instrumenten-Update ist nicht dasselbe wie eine neue Host-Version oder eine Aktualisierung der DAW. Werden diese Änderungen getrennt dokumentiert, lässt sich ein Problem leichter eingrenzen. Für professionelle Arbeit zählt diese Nachvollziehbarkeit oft mehr als ein möglichst unsichtbarer Updateprozess.
🟨 ALTE VERSIONEN SIND LAUT SUPPORT ERREICHBAR
Eine wesentliche Antwort liefert die Hilfeseite zur Rückwärtskompatibilität. Lunacy erklärt dort, dass sich die Versionsgeschichte eines Instruments oder Effekts oben rechts im Plugin-Fenster öffnen lässt. Über diese Ansicht können frühere Versionen ausgewählt werden. Der Hersteller sieht damit ausdrücklich einen Weg vor, zu älteren Bearbeitungsständen zurückzukehren.
Das ist konkreter als ein allgemeines Versprechen, Projekte würden dauerhaft erhalten bleiben. Eine Versionsauswahl kann helfen, wenn ein Update den Klang oder das Verhalten eines Werkzeugs verändert. Sie ist aber noch kein von WILD bestätigter Beleg dafür, dass jede alte Session unter allen späteren Systembedingungen identisch wiedergegeben wird. Dafür müssten auch gespeicherte Einstellungen, verfügbare Inhalte und die jeweilige Host-Umgebung überprüft werden.
Als zusätzliche Absicherung bietet es sich an, wichtige Instrumentenspuren auch als Audio zu archivieren. So bleibt ein konkretes Klangergebnis verfügbar, selbst wenn die bearbeitbare Fassung später Schwierigkeiten bereitet. MIDI-Daten und Angaben zur verwendeten Version helfen wiederum, musikalische Änderungen nachvollziehbar zu halten. Das ist eine allgemeine Produktionspraxis und keine besondere Exportfunktion, die wir NOVA zuschreiben.
🟨 KOSTENLOSER HOST BEDEUTET NICHT UNBEGRENZTE PRODUKTLIZENZEN
Beim Gerätezugang unterscheidet Lunacy ebenfalls zwischen Plattform und Käufen. Für NOVA selbst nennt der Support keine Aktivierungsgrenze. Gekaufte Produkte sind dagegen auf drei Geräteaktivierungen begrenzt. Wer zwischen Studiorechner, Laptop und einem weiteren Arbeitsplatz wechselt, sollte diese Unterscheidung kennen.
Zum Recherchezeitpunkt am 18. September kostet das beworbene Launch Bundle 99 statt 149 US-Dollar. Es enthält fünf Premium-Instrumente; daneben gibt es kostenlose Angebote. Der Kaufpreis des Instrumentenpakets sagt allerdings noch nichts über spätere Builder-Tarife oder Marktplatzgebühren aus. Eine entsprechende Komplettfreigabe für alle angekündigten Funktionen lässt sich daraus nicht ableiten.
🟨 GEMEINSAM WEITERBAUEN BRAUCHT MEHR ALS EINEN LINK
Die Vorstellung, ein Werkzeug weiterzugeben und von anderen verändern zu lassen, ist musikalisch reizvoll. Ein Instrument könnte innerhalb einer Zusammenarbeit schrittweise an die tatsächlichen Bedürfnisse eines Songs angepasst werden. Dafür müssten Beteiligte aber erkennen können, welche Version sie gerade verwenden und welche Veränderungen vorgenommen wurden. Je mehr Menschen weiterbauen, desto wichtiger wird eine nachvollziehbare Entwicklungsgeschichte.
Auch die angekündigte Verkaufsmöglichkeit wirft konkrete Produktfragen auf. Welche Bestandteile dürfen weiterverwendet werden, wer übernimmt Support und wie werden Erlöse verteilt? Für diese Punkte haben wir in den geprüften Startinformationen keine vollständigen Builder- und Marktplatzbedingungen gefunden. Deshalb wäre es verfrüht, NOVA bereits als gesicherte neue Einnahmequelle für Musiker darzustellen.
🟨 WAS DER ANSATZ FÜR PRODUZENTEN VERÄNDERN KÖNNTE
Der mögliche Nutzen liegt vor allem in der Anpassung an eine bestimmte Arbeitsweise. Wer einen Sound regelmäßig aus mehreren Schritten zusammensetzt, könnte diese Entscheidungen in einem gezielt gestalteten Werkzeug bündeln. Das würde Wiederholungen erleichtern und könnte einen persönlichen Klang über verschiedene Projekte hinweg konsistenter machen. Gleichzeitig müsste genügend Zugriff erhalten bleiben, um nicht in den eigenen Voreinstellungen festzustecken.
Für Einsteiger wäre eine gut gestaltete Oberfläche hilfreich, die musikalisch sinnvolle Veränderungen verständlich anbietet. Erfahrene Sounddesigner würden eher nach gezielten Verbindungen, kontrollierbarer Modulation und präzisen Eingriffen fragen. Beide Gruppen könnten vom selben Grundgedanken profitieren, hätten aber unterschiedliche Anforderungen an die Tiefe des Builders. Eine überzeugende Plattform müsste diese Unterschiede berücksichtigen.
🟨 DER MASSSTAB IST DIE SESSION
NOVA lässt sich schon heute konkreter beurteilen als anhand seines Zukunftsversprechens allein. Es gibt Instrumente mit unterschiedlichen Synthese- und Sampling-Ansätzen, dokumentierte Gerätebeschränkungen, eine begrenzte Offline-Nutzung und eine auswählbare Versionsgeschichte. Gleichzeitig zeigen die abweichenden RAM-Angaben, dass auch offizielle Produktinformationen sorgfältig gelesen werden müssen. Diese Details gehören zur Bewertung ebenso wie eine schöne Oberfläche oder ein gelungenes Klangbeispiel.
Der nächste große Schritt wird der Builder sein. Dann lässt sich prüfen, ob eine präzise musikalische Idee in ein verständliches, veränderbares und zuverlässig nutzbares Werkzeug übersetzt werden kann. Bis dahin ist NOVA eine gestartete Instrumentenplattform mit einer ambitionierten Erweiterungsperspektive. Ihr langfristiger Wert wird daran hängen, wie viel Kontrolle Musiker im tatsächlichen Produktionsalltag gewinnen.