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Papa Bear & The Pitcrew, von Rippchen, schrägen Figuren und einem erfolglosen Love Scam

Thomas aus Bremerhaven verbindet BBQ, Country und seine Erfahrung aus dem Independent-Film. Unter dem Dach von FishTon Studio entstehen Musikprojekte, deren Geschichten manchmal dort anfangen, wo andere längst den Chat geschlossen hätten.

Text: WILD Redaktion ·

Papa Bear & The Pitcrew, von Rippchen, schrägen Figuren und einem erfolglosen Love Scam

Ein vertontes Nudelrezept, ein angeblicher Kontakt aus Dallas und die Frage, warum es eigentlich so wenig Country über BBQ gibt: Aus diesen Zutaten entwickelte Thomas sein Konzeptalbum „Music From The Q“. Im WILD MIC CHECK erzählt der Stahlbauschlosser hinter Papa Bear & The Pitcrew von musikalischen Umwegen, eigensinnigen Werkzeugen und Figuren, die sich irgendwann nicht mehr mit einem einzigen Song zufriedengeben.

🟨 Zwischen Stahlbau, Smoker und Musik

Thomas kommt aus Bremerhaven, arbeitet hauptberuflich als Stahlbauschlosser und ist seit Jahren bei BBQ-Wettbewerben, Festivals und Veranstaltungen unterwegs. Wer ihn kennt, bekommt offenbar unterschiedliche Seiten zu sehen: Für die einen ist er der „Mann der zwanzigtausend Worte“, für andere der Weihnachtsmann. In seiner Musik begegnet man ihm als Papa Bear, einer Figur, deren Welt aus BBQ, Begegnungen und reichlich erzählerischem Eigenleben besteht.

Papa Bear & The Pitcrew klingt nach einer kompletten Band, ist aber ein Ein-Mann-Projekt. Unter dem Dach von FishTon Studio führt Thomas außerdem mehrere musikalische Vorhaben zusammen. Der Name knüpft an seine frühere Arbeit im Independent-Filmbereich an, als er bereits mit einem eigenen kleinen Studio, Ton und Sounddesign beschäftigt war.

Dass daraus irgendwann Country- und Southern-Rock-Songs werden würden, war lange nicht geplant. Musik begleitete ihn zwar immer, selbst welche zu produzieren stand zunächst jedoch nicht auf seiner Liste. Der Einstieg kam schließlich über einen Versuch, der mit einer klassischen Musikerlaufbahn wenig zu tun hatte.

🟨 Ein Impressum, ein Nudelrezept und der erste brauchbare Song

Vor ein paar Jahren stieß Thomas auf jemanden, der mit KI sein Website-Impressum vertont hatte. Gerade die Absurdität dieser Idee machte ihn neugierig: Wenn das möglich war, was ließ sich mit solchen Werkzeugen noch anfangen? Seine ersten eigenen Ergebnisse beschreibt er rückblickend als technisch interessant, musikalisch allerdings ziemlich überschaubar.

Ein Nudelrezept als italienische Arie brachte erstmals das Gefühl, dass hinter der Spielerei mehr stecken könnte. Kurz darauf entstand „Bock auf Hog“, der erste KI-Song, den er nicht direkt wieder löschen wollte. Wirklich interessant wurde es für ihn, als er begann, eigene Figuren und Geschichten umzusetzen.

Dabei trafen zwei Interessen aufeinander, die längst zu seinem Leben gehörten: BBQ und Country. Thomas vermisste genau die Musik über diese Szene, die er selbst gern hören wollte. Also fing er an, sie zu entwickeln, zunächst ohne größeren Karriereplan und mit einem Verständnis von Musikproduktion als ziemlich aufwendigem Spielplatz.

🟨 Was vom Film geblieben ist

Ganz ohne technische Erfahrung ging Thomas diesen Weg nicht. Er hatte nebenbei als Tonmeister an kleineren Independent-Projekten gearbeitet und sich ein Studio für Dubbing, Sounddesign und Mischung eingerichtet. Aufnahme, Schnitt und die Gestaltung von Atmosphäre waren ihm vertraut, auch wenn Musikproduktion für ihn eine eigene Baustelle blieb.

Seine musikalischen Einflüsse reichen von Mike Oldfield, Tangerine Dream und Jean-Michel Jarre über ZZ Top, Genesis und Marillion bis zum modernen Country. Luke Bryan brachte ihn später wieder stärker zu diesem Genre zurück. An The Tallest Man on Earth faszinieren ihn die schrägen, surrealen Bilder, an Angels & Airwaves die Art, wie sich Geschichten über mehrere Minuten entfalten.

Aus diesem Hintergrund erklärt sich sein Zugang zum Song: Thomas denkt in Szenen. Ein Stück soll einen Raum, eine Straße, einen Smoker oder eine Bühne vorstellbar machen. „Cinematic storytelling“ nennt er diesen roten Faden, der seine unterschiedlichen Projekte stärker verbindet als ein bestimmtes Genre.

Dazu passen für ihn warme, organische Klänge: Gitarren, Hammond, Pedal Steel, gelegentlich Fiddle, trockene Drums und Stimmen mit Ecken. Wird ein Ergebnis zu sauber und zu perfekt, verliert es für ihn schnell seinen Reiz. Auch die Länge folgt der Erzählung: Braucht eine Geschichte sechs oder sieben Minuten, bekommt sie diesen Platz.

🟨 FishTon Studio und seine verschiedenen Welten

Den Mittelpunkt bildet Papa Bear & The Pitcrew mit dem ersten Album „Music From The Q“. Daneben stehen Alsyn Zham für mongolischen Dark Country mit Folk-Einschlag und The Laurel Fork Boys für Appalachian Folk, Bluegrass und Americana. Hinzu kommt eine Sammlung von Songs für die deutsche BBQ-Szene.

Thomas sucht für jedes dieser Projekte den musikalischen Rahmen, der zu dessen Figuren und Themen passt. Auch innerhalb eines Albums müssen die Stücke deshalb nicht alle demselben Muster folgen. Auf „Music From The Q“ finden Country, Southern Rock, Blues und ein poppiger Duett-Song nebeneinander Platz.

Seine Texte sind dabei selten direkte Tagebucheinträge. Eigene Erfahrungen, Beobachtungen und Humor gelangen über erfundene Situationen in die Songs. Wettbewerbe, Freundschaften, kleine Katastrophen und lange Nächte am Smoker liefern ihm dafür reichlich Stoff.

🟨 Die Frau aus Dallas, die zum Ausgangspunkt eines Albums wurde

„Music From The Q“ sollte ursprünglich eine Sammlung von Country-Songs über BBQ werden. Thomas dachte an Sauce, Rippchen und Whole Hog, fand in seinen frühen Versuchen mit Suno 4.5 aber noch keinen Zusammenhang, der die einzelnen Stücke zu einem Album verband. Ein paar Songs funktionierten, vieles blieb aus seiner Sicht generisch.

Dann erhielt er auf TikTok eine Nachricht von einer Frau, die sich als Dr. Olivia Walker vorstellte: 33 Jahre alt, Ärztin, alleinerziehend und wohnhaft in Dallas. Zunächst wollte sie ihm täglich ein Gebet schicken. Thomas wurde schnell skeptisch und erkannte nach eigener Einschätzung die typischen Warnzeichen eines Love Scams.

Er ließ den Austausch trotzdem eine Weile weiterlaufen, weil die behauptete Biografie zunehmend Material für eine Geschichte lieferte. Auf die Erzählungen seines Gegenübers antwortete er mit eigener Fiktion. Dabei entwickelte er sein Alter Ego Papa Bear und stattete es mit einer Lebensgeschichte aus seiner BBQ-Welt aus.

Aus diesem Gemisch entstand „Slow Dancing With A Texas Girl“. Thomas bezeichnet die erste Fassung mit wenig Schonung als Nashville-Schmonzette, die vermutlich sogar Kenny Rogers abgelehnt hätte. Trotzdem war ausgerechnet dieser Song der entscheidende Ausgangspunkt: Plötzlich gab es eine Beziehung, Figuren und einen Zusammenhang für die bislang losen BBQ-Stücke.

🟨 Wie die Pitcrew ihre Geschichten bekam

Aus der angeblichen Dr. Olivia Walker wurde im musikalischen Kosmos Olivia beziehungsweise Livi Grace. Als ein Kollege vorschlug, auf ihre täglichen Gebete zu antworten, entstand „Pitmaster’s Prayer“. In „Burnt Ends and Broken Hearts“ verarbeitet Papa Bear wiederum eine Trennung, bei der zu viel BBQ eine Rolle spielt.

Auch der angebliche Sohn der Chatbekanntschaft bekam eine fiktive Zukunft. Als Travis Walker singt er in „Raised By Smoke And Love“, zeitlich zwanzig Jahre nach „Slow Dancing With A Texas Girl“, über seine „Eltern“. Damit entwickelte sich aus einer einzelnen Begegnung eine Geschichte, die sich über mehrere Songs und Lebensabschnitte erstreckt.

Thomas’ eigener Sohn, Teilzeitmusiker und Gitarrist, meldete ebenfalls einen Platz in diesem Universum an. Er wurde kurzerhand zu Cole „Smoke“ Turner, dem Leadgitarristen der Pitcrew. Weil seine Mutter außerdem einen Song für ihn wollte, kam „The Day The Smoker Broke In Knoxville“ hinzu.

Die musikalische Richtung veränderte sich währenddessen deutlich. Bei „Rack City Ribs“ ließ Thomas die Band stärker aufdrehen und fand damit einen Southern-Rock-Ansatz, der ihm so gut gefiel, dass er auch „Slow Dancing With A Texas Girl“ komplett umbaute. Ein Song über Rippchen hatte den weiteren Klang des Albums mitbestimmt.

🟨 Giftcards zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt

Während der Überarbeitung wurde die virtuelle Band mit jeder Version gefühlt schneller. Thomas suchte nach der Ursache, die Nacht zog sich hin, und seine Geduld wurde nicht größer. Genau in dieser Situation bat seine Chatbekanntschaft schließlich um Giftcards für ein Kirchenpicknick.

Thomas reagierte mit einem Link zu einer Suche nach „Love Scam + Gift Card“. Der Austausch endete, und am nächsten Morgen hatte er nach eigener Beschreibung zwar seine Muse verloren, dafür aber den Fehler im Prompt gefunden. Dass er die Trennung augenzwinkernd Suno zuschreibt, passt zum trockenen Humor, mit dem er diese Entstehungsgeschichte erzählt.

Der Betrugsversuch blieb nach seiner Aussage erfolglos. Für das Album hatte die Begegnung dennoch erhebliche Folgen: Ohne „Slow Dancing With A Texas Girl“ gäbe es „Music From The Q“ in dieser Form nicht. Aus dem ursprünglich geplanten BBQ-Songpaket war ein Konzeptalbum mit zusammenhängenden Figuren geworden.

🟨 Vom ersten Satz bis zur letzten Entscheidung

Am Anfang eines neuen Songs steht bei Thomas meistens eine Idee, eine Szene oder ein Satz, selten schon eine Melodie. Er fragt sich, wer beteiligt ist, wo etwas stattfindet, was passiert ist und was davon hängenbleiben soll. Lässt sich die Idee in einem Satz erklären, ist sie für ihn meist tragfähig genug, um weiterzuarbeiten.

Danach können sich Text, Aufbau, Perspektive, Instrumentierung, Stimme und Tempo mehrfach verändern. Manche Stücke finden schnell ihre Form, andere hinterlassen zunächst eine große Menge verworfener Versionen. Text und Melodie sind ihm dabei ungefähr gleich wichtig, auch wenn die Geschichte gewöhnlich zuerst kommt.

Die Werkzeuge verteilt er nach seinen persönlichen Erfahrungen: Suno nutzt er für musikalische Entwürfe und Produktionen, ChatGPT für Struktur im Projekt und Gemini für Songanalysen. Claude unterstützt ihn besonders bei deutschen Texten, deren Formulierungen für ihn dort natürlicher wirken. Bei englischen Lyrics helfen ihm die Systeme, das auszudrücken, was er inhaltlich bereits im Kopf hat.

Für die Ideenphase hat er außerdem einen „Bad-Decision-Prompt“ eingerichtet. Die KI soll schlechte, erzwungene oder unnötige Einfälle früh benennen, statt sie aus Höflichkeit immer weiter auszubauen. Beim Abschluss setzt Thomas wiederum eine bewusste Grenze: „Finished beats perfect.“ Er hört auf, wenn ein Song seine Aufgabe erfüllt, statt endlos an den letzten Prozenten zu arbeiten.

🟨 Wenn die Werkzeuge plötzlich andere Regeln haben

Als seinen bisher schwierigsten Moment nennt Thomas die Einführung von Suno 6. Nach seiner Erfahrung veränderten sich das Verhalten von Stimmen und Abläufe, auf die er sich zuvor verlassen hatte. Was zuverlässig schien, führte plötzlich zu anderen Ergebnissen.

Aufhören wollte er deshalb nicht, dafür beschreibt er sich als zu neugierig und zu stur. Allerdings rechnet er inzwischen weniger damit, dass ein Werkzeug am nächsten Tag noch genauso arbeitet wie zuvor. Seine Planung ist entsprechend vorsichtiger geworden.

Auch fachlich muss er den Systemen gelegentlich erst erklären, worum es überhaupt geht. Für einen Song über den „7:07“ im BBQ waren nach seiner Schilderung allein zwei Tage nötig, um die Begrifflichkeiten zu klären. Seine Bemerkung, die großen KI-Anbieter schuldeten ihm inzwischen etwas für all die beigebrachten BBQ-Begriffe, ist deshalb vor allem ein sehr passender Kommentar zum Aufwand hinter den Kulissen.

Grundsätzlich vergleicht Thomas KI mit der Einführung des digitalen Films: Die technischen Einstiegshürden sinken, mehr Menschen können eigene Arbeiten umsetzen. Ideen, Urteilskraft und die Entscheidung, welches Material verworfen werden muss, bleiben für ihn trotzdem entscheidend. Ein technisch sauberes Ergebnis ist aus seiner Sicht noch lange kein interessantes.

🟨 Warum eine Idee manchmal vier Wochen liegen bleiben darf

Inspiration lässt sich für Thomas nicht auf Bestellung herstellen. „Saftig ist geil“ lag ungefähr vier Wochen ungenutzt herum, bis derjenige, der sich den Song gewünscht hatte, offenbar schon nicht mehr damit rechnete. Dann hörte Thomas erneut „19“ von Paul Hardcastle und fand in dessen nüchterner Nachrichtenästhetik den fehlenden Ansatz.

Eine Sprecherin sollte das Thema mit völlig überzogenem Ernst behandeln. Dazu kam ein scherzhaftes Gespräch mit einer Künstlerin darüber, ob man für einen Hit vielleicht einfach auf den Wikinger- und Dark-Fantasy-Zug aufspringen müsse. Aus diesen Impulsen entwickelte sich schließlich das Stück.

Solche Querverbindungen reizen ihn besonders. Wenn zwei zunächst unvereinbar wirkende Dinge zusammenkommen, entsteht für ihn häufig erst der kreative Anstoß. Bleibt dieser aus, lässt er eine Idee liegen, bis ein Satz, eine Begegnung oder ein Missgeschick einen neuen Zugang eröffnet.

🟨 Für Menschen, die die Details verstehen

Thomas richtet seine Musik vor allem an BBQ-Leute, Pitmaster, Competition-Teams und Festivalbesucher. Gemeint sind Menschen, die sich zwischen Brisket, Ribs und zu wenig Schlaf auskennen. Die Zielgruppe ist überschaubar, aber gerade ihre Vertrautheit mit den beschriebenen Situationen macht sie für ihn wertvoll.

Wenn jemand aus der Szene schreibt, dass eine Geschichte genau so erlebt sein könnte, bedeutet ihm das mehr als viele zufällige Klicks. Streamingzahlen findet er zwar erfreulich, wichtiger sind ihm Menschen, die wiederkommen oder einen Song weitertragen. Gleichzeitig akzeptiert er, dass Hörer einem veröffentlichten Stück eigene Bedeutungen geben.

Seine Vorstellung von Gemeinschaft ist auch durch frühere Erfahrungen geprägt. Künstler wie Tyler Ward, AlexG, Kurt Hugo Schneider und Boyce Avenue weckten bei seinen Kindern damals den Wunsch, selbst YouTube-Musiker zu werden. Das war der Anlass, sein Büro zu einem kleinen Studio auszubauen.

Heute sieht Thomas die größte Schwierigkeit darin, sichtbar zu werden, ohne ständig für Plattformen produzieren zu müssen. Social Media gehört für ihn dazu, soll aber nicht mehr Zeit beanspruchen als die Musik. Er wünscht sich eine Gemeinschaft um die Songs, die über den nächsten kurzen Aufmerksamkeitsschub hinausreicht.

🟨 Unterhaltung darf genug sein

Thomas verlangt von Musik keine dauernde Botschaft. Sie darf unterhalten, Atmosphäre schaffen und eine Geschichte erzählen, die einen Moment lang beschäftigt. Humor, Übertreibung und absurde Situationen haben darin ausdrücklich ihren Platz.

Glaubwürdigkeit misst er deshalb auch nicht daran, ob jedes Ereignis tatsächlich passiert ist. Er muss einer Figur und ihrer Geschichte selbst folgen können. Wenn jemand am Ende lacht oder sich fragt, wie dieser ganze Unsinn entstanden ist, kann das für ihn bereits ein gelungenes Ergebnis sein.

Zur Person hinter diesen Geschichten passt seine Vorliebe für trockenen Humor und Menschen, die sich nicht zu wichtig nehmen. Mit unnötigem Drama und Selbstdarstellung kann er wenig anfangen. Musik ist für ihn zugleich ein kreativer Ausgleich zum Hauptberuf.

🟨 Weniger Termine, gutes Essen und die nächste Idee

BBQ gehört weiterhin zu Thomas’ Leben, inzwischen fährt er diesen Bereich allerdings etwas zurück. Wenn er grillt, interessieren ihn eher ungewöhnliche Ansätze als die nächste Variante bereits oft gemachter Rippchen. Ein perfekter freier Tag besteht für ihn heute aus gutem Essen, wenigen Verpflichtungen, Ruhe und einem Gin Tonic auf der Veranda.

Auch handwerklich gut gemachte Serien schaut er gern. Dabei achtet er automatisch auf Schnitt, Ton, Dialoge, Timing und den Aufbau der Handlung. Seine Vergangenheit im Film lässt sich offenbar auch beim entspannten Zuschauen nicht ganz abschalten.

Als größte Stärke nennt Thomas seine Neugier, als Problem ebenfalls. Aus einem kurzen Ausprobieren wird bei ihm schnell das nächste größere Vorhaben. Beschreiben soll man ihn, wenn es nach ihm geht, als neugierig, abschweifend und „König der Prokrastination“.

🟨 Erst eine Bierreise, dann neue Begegnungen für Papa Bear

Nach „Music From The Q“ steht zunächst „Manuelas Bierreise“ an, ein Projekt mit einer befreundeten Biersommelière. Die Songs drehen sich um Bierverkostung, Foodpairing und die Geschichten, die daraus entstehen. Thomas reizt daran besonders, auf Deutsch zu schreiben und musikalisch verschiedene Richtungen auszuprobieren.

Anschließend soll Papa Bears Reise weitergehen. Für das nächste Album plant Thomas mehr Begegnungen, neue Orte und möglicherweise Figuren aus seinen anderen Projekten. Eine konkrete Tourankündigung verbindet er damit nicht, es geht um die Weiterentwicklung seiner musikalischen Welt.

Langfristige Festlegungen über mehrere Jahre erscheinen ihm angesichts der schnellen Veränderungen seiner Werkzeuge wenig sinnvoll. Er denkt eher in Zeiträumen von sechs Monaten. Sollte die technische Umsetzung weniger Zeit verschlingen, möchte er seinen Filmhintergrund wieder stärker einbringen und narrative Musikvideos entwickeln, die die Songs weitererzählen.

Seinen Humor verliert er auch bei den Zukunftsplänen nicht: Sollte es irgendwann bei den Country Music Awards eine Kategorie „Best Artificial Artist“ geben, würde er den Preis für Papa Bear selbstverständlich annehmen. Vorerst wäre aber schon eine andere Nachricht ein besonderer Erfolg für ihn: eine echte Band, die seine Songs spielen möchte. Seine Antwort darauf steht bereits fest, eine Mail reicht.

🟨 Der Geschichtenerzähler hinter Papa Bear

Ob Thomas sich selbst überhaupt als Musiker versteht, wird er nach eigener Aussage selten gefragt. Er sieht sich eher als Geschichtenerzähler, der ein geeignetes Werkzeug gefunden hat, um seine Ideen hörbar zu machen. Besonders stolz ist er deshalb auf „Music From The Q“ als zusammenhängendes Werk.

Seinem jüngeren Ich würde er neben dem pragmatischen Tipp, Apple-Aktien zu kaufen, vor allem eines mitgeben: mit sich selbst zufrieden zu sein. Andere hätten ohnehin etwas auszusetzen. Für die WILD-Leser bringt er seine Haltung schließlich auf eine Formel, die nach dieser Albumgeschichte kaum überraschend kommt: „Bad decisions make good stories.“

Wenn etwas schiefgeht, bleibt möglicherweise eine gute Geschichte. Wenn es funktioniert, vielleicht sogar ein Konzeptalbum. Bei Thomas begann dieser Weg mit ein paar geplanten Songs über Rippchen und BBQ-Sauce, inzwischen haben Papa Bear und seine Pitcrew noch einiges zu erzählen.