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pegesus15: Musik, die meinen Kindern bleibt

Conny schreibt über das, was ihr Leben ausmacht: Familie, Enttäuschungen, Humor und die Kraft, weiterzumachen. Mit Suno entstehen daraus Songs, die ihre Kinder auch später begleiten sollen.

Text: WILD Redaktion ·

pegesus15: Musik, die meinen Kindern bleibt

Ein Trauerlied für ihre Mutter brachte Conny zum eigenen Songwriting. Heute steckt hinter dem Künstlernamen pegesus15 eine persönliche Musikwelt, die sie vollständig am Handy entwickelt. Im WILD MIC CHECK erzählt sie von durchwachten Nächten, ihrer Liebe zu direkten Worten und dem Wunsch, ihren Kindern etwas von sich zu hinterlassen.

🟨 WAS VON MIR BLEIBEN SOLL

Irgendwann saß Conny nachts da und fragte sich, was sie ihren Kindern einmal hinterlassen könnte. Geld spielte in diesem Gedanken keine große Rolle, dafür ein Satz, der ihr plötzlich durch den Kopf ging: Was einmal im Internet ist, bleibt dort. Daraus entstand ihre Vorstellung, Songs zu schreiben, mit denen ihre Kinder auch später noch lachen, weinen, trauern und neuen Mut finden können. Diese Hoffnung treibt sie als pegesus15 an.

Dahinter steht eine Frau, die sich selbst vor allem als Hausfrau und Mutter beschreibt. Conny wurde in Dortmund-Marten geboren und zog der Liebe wegen in Richtung Paderborn. Für ihre Familie blieb sie zu Hause, weil sie und ihr Mann keine Schlüsselkinder wollten. Ihren öffentlichen Auftritt gestaltet sie mit einem Avatar, denn wie viel von ihr persönlich sichtbar wird, möchte sie selbst bestimmen.

🟨 EIN TRAUERLIED ALS ANFANG

Den ersten Kontakt mit Suno verdankt Conny ihrem damals zwanzigjährigen Sohn. Er zeigte ihr zwei oder drei selbst erstellte Lieder, die sie sofort begeisterten. Sich selbst traute sie den Umgang mit dem Programm zunächst allerdings nicht zu. Der Anlass, es dennoch zu versuchen, kam mit dem Tod ihrer Mutter im November.

Drei Tage suchte sie nach einem Trauerlied, das zu ihren Gefühlen passte, ohne fündig zu werden. Schließlich schrieb sie selbst einen Text und bat ihren Sohn, ihn mit Suno umzusetzen. So entstand „Ich lasse dich gehen“, das sie als gemeinsamen Song von Findnixx und sich nennt. Als sie das Ergebnis hörte, weinte sie.

Die Beziehung zu ihrer Mutter beschreibt Conny als nicht immer einfach, verbunden mit einer Liebe, die trotzdem vorhanden war. Rund zwei Monate nach diesem ersten Lied folgten Konflikte auf TikTok und in WhatsApp-Gruppen. Sie musste sich von Menschen trennen, die ihr etwas bedeutet hatten, und wusste zunächst nicht, wohin mit ihrer Wut und Trauer. Das Schreiben weiterer Songs gab diesen Gefühlen einen Platz.

🟨 DURCH DIE NACHT MIT DEM HANDY

Den Umgang mit den Programmen musste Conny sich weitgehend selbst erarbeiten. Zu Beginn wusste sie weder viel über Suno noch darüber, was ein Distributor überhaupt macht. Nachts ließ sie sich von Gemini Schritt für Schritt erklären, wie die Werkzeuge funktionieren. Für ihre deutschen Songtexte, betont sie, nutzte sie diese Unterstützung nicht.

Bis zum Zeitpunkt ihrer Antworten hatte sie sämtliche Lieder am Handy erstellt. Als besonders schwierigen Moment erinnert sie sich an das erste Hochladen ihrer Songs bei DistroKid. Die technischen Abläufe kosteten sie Nerven, aufgegeben hat sie deshalb aber nicht. Auch in der Familie musste sie deutlich machen, dass sie Zeit und Freiraum zum Schreiben braucht.

🟨 DER TEXT KOMMT ZUERST

Connys Ideen entstehen aus konkreten Situationen und ihrer jeweiligen Gefühlslage. Ihr Mann sei dabei häufig ihre Muse, erzählt sie mit Humor. Ein Block liegt möglichst in Reichweite, viele Einfälle hält sie aber auch direkt am Handy in WhatsApp fest. Zuerst sichert sie den Gedanken, damit er nicht verloren geht, anschließend beginnt die eigentliche Textarbeit.

Besonders viel schreibt sie, wenn eine Erfahrung sie tief getroffen hat. Enttäuschung, Wut oder Trauer können den Anstoß geben, manchmal entstehen an einem Tag drei fertige Lieder. Ebenso finden lustige Alltagserlebnisse ihren Weg in die Texte. In „Nachtaktiv (Remix)“ hat sie auch ihre eigene Arbeitsweise zum Thema gemacht.

Für Conny steht die Lyrik an erster Stelle: Die Aussagen müssen für sie zusammenpassen und ineinandergreifen. Ob eine Idee einen Wettbewerb gewinnen oder möglichst viele Menschen erreichen könnte, ist dabei kein Maßstab. Sie schreibt zunächst für sich und ihre Kinder und lädt andere ein, daran teilzuhaben. Ihre direkte Sprache und ihr Ruhrpott-Deutsch gehören für sie dazu, auch wenn nicht jeder Satz grammatisch glatt ausfällt.

🟨 EIN GEFÜHL ENTSCHEIDET ÜBER DEN KLANG

Eine feste musikalische Schublade möchte Conny für pegesus15 nicht festlegen. Je nach Stimmung entstehen Rock, Pop, Reggae, Techno oder Stücke mit kräftigem Bass. Um zu entscheiden, ob ein Ergebnis passt, hört sie mit geschlossenen Augen zu und achtet auf ihre innere und körperliche Reaktion. Wenn beides stimmt, hat sie den passenden Klang gefunden.

Besonderes Gewicht legt sie auf die Stimme. Sie mag klare Stimmen, die zugleich etwas Heiserkeit besitzen, und nennt Lina Malys „Als du gingst“ als Beispiel für diese Vorliebe. Auch ein technisch gutes KI-Ergebnis lehnt sie ab, wenn der Gesang für sie nicht passt. Bis zu dreißig Versionen eines Songs seien auf diesem Weg schon entstanden.

Eine nachträgliche Bearbeitung oder ein neues Arrangement gehörten bisher nicht zu ihrem Vorgehen. Conny beschreibt ihre Arbeit vor allem über Text, Vorgaben und die Auswahl eines Ergebnisses, mit dem sie zufrieden ist. Dass sie weder selbst singt noch ein Instrument spielt, macht Suno für sie zum entscheidenden Werkzeug. Die Ideen, Erlebnisse und Aussagen bringt sie aus ihrem eigenen Leben mit.

🟨 ZWISCHEN SPIRITUALITÄT UND ALLTAG

Spiritualität zieht sich durch einen Teil ihrer Texte. Conny glaubt an ein Leben nach dem Tod und beschreibt, dass sie sich beim Schreiben manchmal geführt fühlt. Im Song „Träume, die Fliegen“ hat sie nach eigener Aussage ihre Astralreisen verarbeitet. Ihr ist bewusst, dass solche persönlichen Bezüge manche Texte für andere schwerer zugänglich machen.

Daneben schreibt sie über Themen, die sehr unmittelbar mit ihrem Alltag verbunden sind. Dazu gehören Lipödem, Hashimoto, Frieren, Beschwerden mit der Blase und Depressionen. Sie entscheidet bewusst, wie sie diese Erfahrungen in Songs verpackt, damit sich das Veröffentlichen für sie gut anfühlt. Auf manche persönlichen Fragen möchte sie dennoch vorerst keine Antwort geben.

Musik erlebt Conny dabei als große Entlastung. Sie erzählt, wie gut es ihr tut, die eigenen Texte laut mitzusingen und darin ihre Gefühle wiederzufinden. Früher fand sie auch bei Musik, die sie gern hörte, nicht immer die passenden Worte für sich. Heute beginnt und beendet sie ihre Tage häufig mit den eigenen Liedern.

🟨 VON „GEDANKENKARUSSELL“ ZU „FREI NACH SCHNAUZE“

Ihr erstes Album hieß „Gedankenkarussell“. Rückblickend muss Conny darüber lachen, dass sie damals den Umgang mit dem Refrain noch nicht richtig herausgehabt habe. Beim zweiten Album, „Frei nach Schnauze“, bestimmte dagegen große Wut die Texte, entsprechend ausdrücklich fiel die Sprache aus. Bereuen möchte sie diese Veröffentlichungen nicht, weil sie zu ihrem Weg gehören.

Zum Zeitpunkt des Interviews schätzte sie die Zahl ihrer geschriebenen Lieder bereits auf mehr als vierhundert. Einen einzelnen wichtigsten Song kann sie daraus kaum auswählen, auf jedem Album liegen ihr bestimmte Stücke besonders am Herzen. Ein Best-of kann sie sich irgendwann vorstellen. „Mein eigenes Feuer“ nennt sie als Beispiel für einen Titel, in dem Enttäuschung und ihre Leidenschaft für das eigene Tun zusammenkommen.

Überrascht hat sie die Reaktion auf „Krönchen richten, weiter geht’s“. Menschen griffen den Song auf TikTok in eigenen Beiträgen auf, und Conny konnte sehen, wie sie ihre Musik aufnahmen und mit ihr umgingen. Mit „Mein Inneres ruht“ verbindet sie wiederum ihre eigene innere Haltung und Selbstliebe. Wo sie damit im Musikgeschäft steht, ist für sie weniger entscheidend als die Frage, wie es ihr selbst damit geht.

🟨 EIN SONG MUSS ZUM MENSCHEN PASSEN

Wenn jemand pegesus15 noch nicht kennt, hat Conny keinen festgelegten Titel als Einstieg parat. Sie möchte zunächst etwas von diesem Menschen mitbekommen, ihn reden hören oder ihm in die Augen schauen. Erst dann würde sie entscheiden, welches Lied zu seiner Situation passen könnte. Auf Nachrichten hat sie deshalb schon häufiger mit einem Song geantwortet, bei einem Todesfall etwa mit einem Stück aus ihrem Traueralbum.

Über Rückmeldungen von Hörern freut sie sich, besonders wenn jemand ihre Texte nachfühlen kann. Gleichzeitig sagt sie offen, dass sie derzeit noch nicht bereit für neue Freundschaften ist. Nähe über Musik und persönliche Grenzen können für sie nebeneinander bestehen. Was sie weitergeben möchte, benennt sie deutlich: nicht aufgeben, sich nicht unterbuttern lassen und nach Möglichkeit auch wieder lachen können.

Im direkten Kontakt kann Conny ausgesprochen offen sein. Sie hat Visitenkarten dabei und spricht Menschen an, wenn sie glaubt, ihre Musik könnte ihnen gefallen. Auch beim Abholen von Spenden für das Familienprojekt „Rocker gegen Armut“, mit dem sie Obdachlose unterstützen, nimmt sie Karten mit. Im eigenen Umfeld lässt sie dagegen häufig einfach die fertigen Ergebnisse für sich sprechen.

🟨 PINK, GLITZER UND EIN STÜCK PRIVATSPHÄRE

Der Avatar ist ein bewusst gewählter Teil ihres Auftritts. Conny mag Pink, Glitzer und Kontraste und beschreibt selbst den Gegensatz zwischen der verspielten Figur und den persönlichen Gefühlen in ihren Songs. Freude, Trauer und andere Erfahrungen sollen in den Bildern sichtbar werden. Gleichzeitig ermöglicht ihr diese Darstellung, ihr tatsächliches Aussehen privat zu halten.

Bei den visuellen Arbeiten nutzt sie KI für Bilder und Videos, außerdem arbeitet sie mit CapCut. Canva verwendet sie für ein Kochbuch, das neben ihrer Musik zu ihren Projekten gehört. Für das englische Album „authenticity“ hat sie Gemini zur Übersetzung eingesetzt. Da sie selbst kein Englisch spricht, ist sie allerdings unsicher, wie gut diese Übertragung gelungen ist.

🟨 WAS CONNY WICHTIG IST

Menschenrechte, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit nennt Conny als Themen, zu denen sie Haltung zeigen möchte. Daraus entstanden unter anderem die Songs „Artikel 1 GG“, „Artikel 3 GG“ und „SGB 9“. Zugleich äußert sie im Interview Frust darüber, wie sie den Umgang mit Meinungsfreiheit erlebt. Mit ihren Texten möchte sie sowohl eigene Aussagen treffen als auch Fragen an die Zuhörer richten.

Im persönlichen Leben sind ihr Seelenfrieden, Zeit für sich und die Familie zunehmend wichtig geworden. Ihre Kinder bringen sie zum Lachen, ebenso die Tollpatschigkeit von Menschen oder Tieren. Ihren trockenen Humor, Sarkasmus und ihre Ironie sieht sie als Seiten, die andere gelegentlich missverstehen. Als sie ihren Mann um drei Begriffe für ihre Beschreibung bittet, antwortet er: „große Klappe, großes Herz und Mutter Theresa Syndrom“.

🟨 WEITERSCHREIBEN, SOLANGE DIE IDEEN KOMMEN

Einen festen Karriereplan für die nächsten drei Jahre hat Conny nicht. Sie möchte im Hier und Jetzt leben und sehen, was sich ergibt. Als kommende Vorhaben nennt sie ein Weihnachtsalbum und die Veröffentlichung weiterer bereits entstandener Songs. Welche Themen danach folgen, hängt für sie davon ab, was sie noch erlebt.

Streamingzahlen stehen dabei nicht im Mittelpunkt, auch wenn sie hofft, dass ihre Kinder irgendwann etwas von ihrer Arbeit haben könnten. Ebenso wenig empfindet sie das Schreiben als Pflicht, ständig neue Inhalte liefern zu müssen. Sie genießt die Einfälle, das Formulieren und den Moment, in dem sie einen fertigen Song hören kann. Auf die Frage, was von ihrer Musik bleiben soll, kommt sie deshalb wieder bei den Menschen an: Die Lieder sollen begleiten, trösten und unterstützen können, auch wenn ihr Name irgendwann nicht mehr erinnert wird.