SidowSounds: Eigener Kopf, eigene Geschichten und manchmal einfach Hasentag
Stefanie Sidow verbindet Rap, elektronische Musik und klassische Einflüsse mit persönlichen Texten. Über ihren musikalischen Neustart, die Arbeit mit KI, zerbrochene Freundschaften und den Wunsch, mit Musik anderen Menschen zu helfen.
Text: WILD Redaktion ·

Sie wollte Geige lernen, landete beim Orgelunterricht und baute sich in ihren Zwanzigern ein kleines Heimstudio für Rap-Aufnahmen. Heute entwickelt Stefanie Sidow als SidowSounds ihre Songs überwiegend am Handy, experimentiert mit ihrer eigenen Stimme und lässt sich ungern auf ein Genre festlegen. Im WILD MIC CHECK erzählt sie von schwierigen Erfahrungen, ihrem musikalischen Umfeld und einer Haltung, die zwischen Dickkopf, Empathie und einer ordentlichen Portion Humor ihren Platz findet.
🟨 SIDOWSOUNDS: WENN HEUTE NICHTS GEHT, IST HASENTAG
Stefanie Sidow hat einen eigenen Begriff für Tage, an denen nichts funktionieren will: „Hasentag“. Dann soll es heute eben nicht sein, und morgen ist auch noch ein Tag. Das klingt gelassen, kommt aber von einer Frau, die sich selbst als typischen Widder beschreibt und Dinge am liebsten sofort umsetzen würde. Zwischen diesem Tatendrang und der inzwischen erlernten Geduld bewegt sich auch ihr Musikprojekt SidowSounds.
Stefanie lebt in Eutin in Schleswig-Holstein, wo sie geboren wurde und heute mit ihrer Familie, zwei Hunden und drei Katzen zu Hause ist. Ihr Alter behält sie für sich, ihre Tätigkeit außerhalb der Musik möchte sie nicht in den Mittelpunkt stellen. Über ihren Charakter spricht sie dagegen ziemlich offen: zielstrebig, empathisch, sehr ehrlich und manchmal wohl etwas zu direkt. Eine Beschreibung, die jemand einmal für sie fand, ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Steffi, du bist streng, aber gerecht.“
Ungerechtigkeit kann sie überhaupt nicht leiden, trotzdem nimmt sie das Leben nach eigener Aussage nicht durchgehend schwer. Sie lacht eigentlich jeden Tag, auch in schwierigen Zeiten. Dass ihre Texte dunkel sein können, während sie selbst über eine ins Haus marschierende Kröte lacht, gehört für sie selbstverständlich zusammen. Wer SidowSounds kennenlernen möchte, begegnet deshalb sowohl persönlichen und belastenden Themen als auch einer Frau, die ausgesprochen albern sein kann.
🟨 DIE GEIGE WAR ZUERST DA, ZUMINDEST ALS WUNSCH
Musik spielte bereits in Stefanies Kindheit eine wichtige Rolle. Eigentlich wollte sie Geige lernen, wurde stattdessen jedoch zum Orgelunterricht geschickt. Begeistert war sie davon nicht, zumal sie noch keine Noten lesen konnte und vieles nach Gefühl spielte. Später kamen Blockflöte, Schlagzeug und Chor hinzu.
Der Wunsch nach der Geige verschwand trotzdem nie vollständig. Dass die Violine heute immer wieder in ihren Songs auftaucht, führt sie genau darauf zurück. Inzwischen besitzt sie sogar eine E-Geige, auch wenn das Zusammenspiel noch nicht ganz reibungslos läuft. „Die Geige und ich befinden uns allerdings noch in Verhandlungen“, sagt sie und ergänzt augenzwinkernd, dass sie für gesponserten E-Geigen-Unterricht durchaus bereit wäre.
In ihren Zwanzigern begann sie, eigene Musik aufzunehmen. Mit einem PC und viel Herumprobieren baute sie sich ein kleines Studio, rappte selbst und tauschte aufgenommene Tonspuren mit anderen Musikern aus. Technisch und kreativ erarbeitete sie sich ihren Weg dabei größtenteils selbst. Umzüge, andere Lebensphasen und eine längere kreative Pause unterbrachen diese Entwicklung, bevor viele Jahre später ein wirklicher Neustart folgte.
🟨 VOM POP- UND RAP-GIRLY ZUR OFFENEN GENREFRAGE
Ihre frühen musikalischen Vorlieben beschreibt Stefanie als die eines Pop- und Rap-Girlys. Elektronische Musik kam deutlich später dazu, vermittelt durch ihren damaligen Freund und heutigen Ehemann. In der Techno-Szene begegnete ihr nach eigener Erinnerung häufiger die Haltung, dass Rap überhaupt nicht passe. Ihre Reaktion darauf war eine einfache Gegenfrage: Warum eigentlich?
Für sie gab es keinen überzeugenden Grund, Rap, Techno, House und klassische Elemente grundsätzlich voneinander zu trennen. Diese Offenheit prägt auch die Beschreibung ihrer eigenen Musik. Wenn sie ihren Sound benennen soll, lautet die Antwort deshalb erst einmal: „Sidow-Sound.“ Selbst beim Hochladen auf SoundCloud fällt es ihr regelmäßig schwer, ein einzelnes Genre auszuwählen.
Mal bewegt sie sich im elektronischen Bereich, mal bei Deep House, Rap oder Tech House, manchmal irgendwo dazwischen. Typisch sind nach ihrer Beschreibung dunkle, melodische Klänge sowie Violine, Piano und gelegentlich Cello. Auch Lo-Fi, Reverb und unterschiedliche rhythmische Elemente gehören zu den Dingen, mit denen sie gern arbeitet. Klassische Musik liebt sie ebenfalls, besonders die Verbindung klassischer Instrumente und Harmonien mit Rap, House oder anderen elektronischen Formen.
Trotz dieser wiederkehrenden Vorlieben braucht für sie nicht jeder Song dieselben Zutaten. Ihre Erklärung dafür fällt entsprechend alltagstauglich aus: Man esse schließlich auch nicht jeden Tag Erbsensuppe. Auf die Frage, was ihr Projekt von anderen unterscheide, reagiert sie zunächst mit „Ich sage nichts ohne meinen Anwalt“, bevor sie die Einschätzung lieber den Hörern überlässt. Vielleicht, vermutet sie, sei es gerade die Mischung, die sich nicht sauber in ein Genre stecken lasse.
🟨 TEXT DARF AUCH AUF DIE TANZFLÄCHE
Texte sind für Stefanie enorm wichtig. Ihre Musik beschreibt sie als überwiegend textlastig, und das gilt ausdrücklich auch für Stücke aus Techno und Deep House. Gesang oder Rap müssen für sie dort nicht draußen bleiben. Genregrenzen gehören zu den musikalischen Regeln, die sie bewusst ignoriert.
Ähnlich frei geht sie mit Sprache um. Wenn verständlich und fühlbar bleibt, was gemeint ist, muss ihrer Ansicht nach nicht jeder Satz nach Schulbuch funktionieren. Eine Grenze zieht sie dort, wo es plump unter die Gürtellinie geht. Wenn sie musikalisch austeilt, dann lieber subtil und durch die Blume.
Gerade verändert sich ihr Sound erneut, weil ihre eigene Stimme stärker in den Mittelpunkt rückt. Dabei entstehen nach ihrer Beschreibung Einflüsse aus Hyperpop, Hyperrap, Tech House und weiteren Richtungen. Wohin diese Entwicklung führt, weiß sie noch nicht. Genau diese offene Frage findet sie spannend.
🟨 EIN NEUSTART IN EINER SCHWIERIGEN LEBENSPHASE
Der erneute Einstieg ins Musikmachen fiel für Stefanie in eine schwierige Lebensphase. Besonders belastend war nach ihrer Schilderung eine Zeit an einem früheren Arbeitsplatz, an dem sie sich über längere Zeit gemobbt fühlte. Erst mit Abstand habe sie erkannt, wie stark diese Erfahrungen sie mitgenommen hatten. Später kam eine Kündigung hinzu, und vieles von dem Erlebten verarbeitete sie anschließend in Texten.
Daraus entwickelte sich ein wesentlicher Teil ihres Schreibens. Ungerechtigkeit, Mobbing, Verlust und Menschen, die andere kleinmachen, gehören zu den Themen, die sie beschäftigen. Gleichzeitig geht es ihr besonders um Mut, Weitermachen und den eigenen Weg. Sie möchte über Erfahrungen schreiben, die viele Menschen betreffen, und ihnen damit etwas mitgeben.
Musik hilft ihr nach eigener Aussage auch dabei, Dinge auszudrücken, über die sie sonst schwer sprechen könnte. Gesellschaftliche und gelegentlich politische Gedanken können deshalb in ihren Texten auftauchen, obwohl sie sich nicht als politische Künstlerin versteht. Vor Veröffentlichungen fragt sie sich trotzdem immer wieder, ob sie zu viel von sich zeigt. Ihr Eindruck ist, dass diese Unsicherheit praktisch bei jedem Song dazugehört.
🟨 DIE MENSCHEN, DIE MITGEHEN
Auch wenn Stefanie vieles allein entwickelt, misst sie ihrem persönlichen Umfeld große Bedeutung bei. Ihr Mann, ihre Tochter Jac und ihre beste Freundin Jacqueline gehören zu den Menschen, die sie unterstützt haben. Jacqueline hat sich besonders viel von ihrer Musik angehört und sie immer wieder bestärkt. Einen ausdrücklichen Gruß möchte Stefanie ihr deshalb auch in diesem MIC CHECK mitgeben.
Danni aus Berlin und Kerstin haben sie ebenfalls begleitet. Gespräche mit ihnen und ihre Geschichten wurden zu Inspirationen. Eine besondere Rolle spielt außerdem ihre Freundin Tanja, der sie in einer gesundheitlich sehr schweren Zeit mit einem Lied Mut machen wollte. Daraus entstand ein Herzensprojekt, bei dem für Stefanie vor allem eines zählte: Tanja gefiel der Song.
Solche Erfahrungen erklären, warum Unterstützung für sie nicht nur eine technische oder organisatorische Frage ist. Menschen, die zuhören, ehrlich reagieren und jemanden auf seinem Weg begleiten, sind ihr ausgesprochen wichtig. Dass sie sich viele Fähigkeiten selbst erarbeitet hat, ändert daran nichts. Musik entsteht bei ihr überwiegend allein, steht aber immer wieder in Verbindung mit anderen Menschen.
🟨 DAS STUDIO PASST INS HANDY
Was am Anfang eines Songs steht, ist bei Stefanie nicht festgelegt. Es kann ein Gedanke sein, ein Text, eine Melodie oder ein Rhythmus. Draußen reichen manchmal Vogelgezwitscher oder andere rhythmische Eindrücke aus der Natur, damit plötzlich ein Beat in ihrem Kopf entsteht. Aus einer ursprünglichen Idee kann im weiteren Verlauf allerdings auch etwas völlig anderes werden.
Am besten kommen ihr Einfälle allein, in der Stille oder beim Spaziergang mit den Hunden. Manchmal hilft offenbar auch Ärger dabei, kreativ zu werden. Sie arbeitet eher spontan, bewahrt manche Ideen aber monatelang auf und holt sie später wieder hervor. Kreativität lässt sich für sie nicht erzwingen, und wenn nichts kommt, ist eben Feierabend, bis sie zurückkehrt.
Ihr Studio besteht im Grunde aus ihrem Handy. Fast alles erledigt sie damit, weil es schnell gehen muss, sobald eine Idee auftaucht. Melodien singt oder spielt sie ein, und auch eine Mundharmonika hat sie dafür schon benutzt. Entscheidend fasziniert sie, dass etwas, das vorher nur als Gedanke, Gefühl oder Melodie in ihrem Kopf existierte, auf diese Weise hörbar werden kann.
🟨 ZWISCHEN ZEHN VERSIONEN UND DEM MOMENT DES LOSLASSENS
Ein spontaner Anfang bedeutet bei Stefanie nicht automatisch einen schnellen Abschluss. Zehn bis fünfzehn Versionen eines Songs sind für sie durchaus normal, bei manchen werden es deutlich mehr. Persönliche Texte brauchen meistens länger als ein einfacher Feiersong. Wann eine Idee wirklich funktioniert, beantwortet sie mit ihrer eigenen knappen Formel: „Wenn’s durch ist.“
Perfektionismus kennt sie dabei durchaus. Sie möchte sich verbessern und Menschen mit ihrer Musik erreichen, weiß aber auch, dass sie irgendwann loslassen muss. Ein technisch gutes Ergebnis reicht ihr nicht, wenn es sich für den jeweiligen Song falsch anfühlt. Die endgültige Entscheidung hängt deshalb daran, ob sie hinter dem Stück stehen kann.
Momentan arbeitet sie überwiegend allein, würde aber gern häufiger mit anderen zusammenkommen. Für eine Zusammenarbeit braucht sie vor allem eine menschliche Grundlage und Freude an der gemeinsamen Arbeit. „Locker flockig vom Hocker“ ist ihre Beschreibung dafür. Mehr Zusammenarbeit gehört ebenso zu ihren Wünschen wie der stärkere Einsatz ihrer eigenen Stimme und weiterer Instrumente.
🟨 KI ALS WERKZEUG, ENTSCHEIDUNGEN ALS EIGENE AUFGABE
Moderne KI hat Stefanies musikalische Möglichkeiten nach eigener Aussage deutlich verändert. Sie konnte damit Ideen umsetzen, die vorher nur als Text oder Klangvorstellung existierten. Manche Vorhaben wurden schneller realisierbar, andere für sie überhaupt erst hörbar. KI versteht sie dabei als Werkzeug.
Die Vorstellung, dass drei eingegebene Wörter automatisch einen Song ergeben, hinter dem sie steht, greift ihr zu kurz. Ihre Geschichten, Gedanken, Themen, Texte und die Vorstellung davon, was ein Stück ausdrücken soll, bringt sie selbst ein. KI kann sie auch bei einer Formulierung oder einem Reim unterstützen. Welche Geschichte sie erzählt und welche Ergebnisse am Ende bleiben, entscheidet sie jedoch selbst.
Wie intensiv diese Auswahl ausfallen kann, beschreibt sie mit zehn oder fünfzehn, manchmal auch dreißig oder fünfzig Versionen. Teilweise bearbeite sie Ergebnisse extrem, weil ein technisch gelungenes Resultat noch lange nicht zum beabsichtigten Song passe. Als ihren eigenen Song empfindet sie ein Stück dann, wenn ihre Idee, ihr Text und ihre kreativen Entscheidungen darin stecken. Für sie zählt der Moment, in dem sie selbst sagen kann, dass es durch ist.
Den Nutzen solcher Werkzeuge sieht sie auch für Menschen, die selbst produzieren oder singen und ihre Ideen zunächst ausprobieren möchten. Problematisch findet sie dagegen Täuschung. Virtuelle Künstler sind für sie grundsätzlich in Ordnung, solange offen kommuniziert wird, dass sie virtuell sind. Mit ihrem typischen Humor fügt sie hinzu, dass sich sonst womöglich noch ein Teenager in eine KI verliebe.
Pauschale Urteile, nach denen KI-Musik automatisch wertlos sei, lehnt sie ab. Wenn Musik sie berührt, ist für sie letztlich zweitrangig, womit sie entstanden ist, selbst wenn dafür, wie sie sagt, Bananen oder Müll verwendet würden. Entscheidend ist für sie die Wirkung. Für die Zukunft erwartet sie, dass KI ähnlich wie frühere technische Entwicklungen zu einem selbstverständlichen Werkzeug der Musikproduktion wird.
🟨 WENN AUS WERKZEUGKRITIK PERSÖNLICHE ABLEHNUNG WIRD
Die schmerzhafteste Erfahrung auf ihrem bisherigen musikalischen Weg verbindet Stefanie mit persönlicher Ablehnung wegen ihres KI-Einsatzes. Nach ihrer Schilderung kam diese teilweise von Menschen, die sie für Freunde gehalten hatte. Freundschaften seien sogar daran zerbrochen. Heute betrachtet sie diese Beziehungen anders und fragt sich, wie belastbar eine Freundschaft gewesen sein kann, wenn die Wahl eines musikalischen Werkzeugs zu ihrem Ende führt.
Ans Aufhören dachte sie nach eigener Aussage ein- oder zweimal, allerdings nur sehr kurz. Den Gedanken, alles abzumelden, kontert sie rückblickend mit einem Hinweis auf ihren Widder-Dickkopf. Die entsprechende dunkle Stunde habe ungefähr eine Sekunde gedauert. Persönliche Enttäuschungen brachten sie zugleich dazu, Disstracks besser zu verstehen, weil Wut eine Energie entwickeln könne, die sich in Musik verwandeln lässt.
Eine wichtige Entscheidung war für sie, Tipps anzunehmen, ohne ihren eigenen Weg zu verlieren. Ihre Brüder kommen nach ihrer humorvollen Beschreibung mit gefühlt siebzig verschiedenen Musikstilen auf sie zu. Sie probiert gern etwas aus, möchte öffentlich aber nur Musik vertreten, hinter der sie selbst steht. Jeden Geschmack kann sie ohnehin nicht bedienen, und irgendwo liegt auch ihre persönliche Grenze: Schlager müsse nun wirklich nicht noch dazukommen.
🟨 „TECHNO LOVE BERLIN“ UND DER SONDERSTATUS DER TOCHTER
Als erste offizielle Veröffentlichung nennt Stefanie „Techno Love Berlin“, entstanden gemeinsam mit ihrer Tochter Jac. Den Track findet sie nach wie vor cool. Seine Reichweite war nach ihrer Einschätzung nicht riesig, aber das verändert seine persönliche Bedeutung nicht. Als Track ihrer Tochter besitzt er für sie einen besonderen Status.
Einen einzelnen Song, der ihr mehr bedeutet als alle anderen, möchte sie nicht auswählen. Besonders ihre deutschsprachigen, tiefgründigen Stücke tragen jeweils eigene Geschichten und Bedeutungen. Nach ihrer Schätzung steckt hinter ungefähr neunzig Prozent ihrer Songs irgendeine Geschichte. Manche Titel spiegeln auch bestimmte Lebensphasen wider, wobei sie den Hörern überlässt, was sie daraus erkennen.
Einem neuen Hörer würde sie momentan wahrscheinlich „Friss oder stirb“ vorspielen. Dort spielt ihre eigene Stimme eine größere Rolle, weshalb der Song ihre aktuelle Entwicklung für sie gut zeigt. Eine einzelne Veröffentlichung, die ihren gesamten heutigen Stand beschreibt, sieht sie trotzdem nicht. Dafür fühlt sich alles noch zu sehr nach Anfang an.
Ihre eigenen Sachen lädt sie nach eigener Angabe überhaupt erst seit ungefähr Dezember 2025 oder Januar 2026 hoch. Als plötzlich fremde Menschen auf ihre SoundCloud-Veröffentlichungen reagierten, entstand erstmals das Gefühl, dass daraus mehr als ein Hobby werden könnte. Besonders überrascht hat sie ein Deep-House-Track mit mehr als 3.000 Aufrufen. Mit dieser Resonanz hatte sie nicht gerechnet.
🟨 EIN KLEINES MUSICAL ÜBER DEN EIGENEN ORT
Neben einzelnen Songs hat Stefanie begonnen, ein kleines Musical über ihren Ort zu schreiben. Grundlage sind Geschichten von Menschen, die dort leben. Damit greift sie etwas auf, das ihr Schreiben generell prägt: Auch Erlebnisse anderer können zum Ausgangspunkt eines Textes werden. Das Projekt beschreibt sie selbst liebevoll als ziemlich niedlich.
Gerade diesem Musical würde sie mehr Aufmerksamkeit wünschen. Es dürften ruhig noch einige Menschen zusätzlich hineinhören. Zugleich verweist es auf einen größeren Wunsch, denn an einem richtigen Musical mitzuwirken, gehört zu ihren Träumen. Dabei denkt sie nicht unbedingt an eine Rolle als Sängerin, sondern an die Mitarbeit an Geschichte, Texten, Songs und Produktion.
🟨 VON SABRINA SETLUR BIS HANS ZIMMER
Stefanies musikalische Einflüsse reichen weit auseinander. Herbert Grönemeyer nennt sie vor allem wegen seiner Texte, Sabrina Setlur hatte früher einen besonders großen Stellenwert. Stefanie wurde damals sogar „kleine Schwester S“ genannt. Auch Xavier Naidoo zählt sie zu den Künstlern, die sie musikalisch geprägt haben.
Hinzu kommen Michael Jackson, Nirvana, Rap, zeitweise Trap und elektronische Musik. ARTBAT, Paul Kalkbrenner und Alfred Heinrichs gehören ebenfalls zu den genannten Einflüssen. Momentan begeistert sie besonders Juju, weil bei ihr unterschiedliche Stile für Stefanie überzeugend zusammenpassen. Außerdem findet sie die Künstlerin sympathisch.
Einen besonderen Platz nimmt Hans Zimmer ein. Stefanie nennt ihn den „Baba der Musik“ und spricht von ihrem großen Respekt vor ihm. Einmal mit ihm an etwas zu arbeiten, wäre für sie ein völlig verrückter Traum. Ein größeres Musicalprojekt steht auf ihrer persönlichen Wunschliste ähnlich weit oben.
Privat hört sie heute überraschend wenig Musik, obwohl das früher ganz anders war. Aktuelle Entwicklungen bekommt sie eher über TikTok, Instagram oder YouTube Shorts mit. Inspiration findet sie außerdem in Filmen und Soundtracks, Büchern, Psychologie sowie Menschen und ihren Geschichten. Philosophische und spirituelle Gedanken interessieren sie ebenfalls, darunter Vorstellungen von inneren und äußeren Spiegelungen und Zusammenhängen, die sie mit „wie oben, so unten“ beschreibt.
🟨 WENN FREMDE MENSCHEN SICH IN IHREN TEXTEN ERKENNEN
Persönliche Erlebnisse sind für Stefanies Musik sehr wichtig, müssen aber nicht zwingend ihre eigenen sein. Manchmal hört sie eine Geschichte und entwickelt daraus einen Text. In anderen Fällen schreibt sie über jemanden und bemerkt Wochen später, dass die Worte inzwischen erstaunlich gut auf sie selbst passen. Songs können dadurch für sie nachträglich eine andere Bedeutung bekommen.
Besonders berührt sie der umgekehrte Fall: Sie schreibt über sich, und ein fremder Mensch erkennt darin sein eigenes Leben. Im Gedächtnis geblieben ist ihr eine Nachricht aus Amerika, deren Inhalt sinngemäß lautete, dass jemand genau so empfinde. Beim Schreiben hatte Stefanie eigentlich sich selbst gemeint. Dass ihr Text trotzdem eine solche Verbindung herstellen konnte, bedeutet ihr viel.
Der Kontakt zu Hörern ist ihr deshalb ausgesprochen wichtig. Stolz ist sie darauf, dass ihre Texte bereits Menschen berührt haben, unabhängig davon, ob sich das in Streamingzahlen ablesen lässt. Je nach Song sollen die Hörer Mut, einen Gedanken oder ein Gefühl mitnehmen. Manchmal reicht ihr auch, wenn jemand für drei Minuten den Kopf ausschalten und abrocken kann.
🟨 HALTUNG MIT PLATZ FÜR FREIHEIT UND HUMOR
Als Künstlerin möchte Stefanie für Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Offenheit stehen. Sie beschäftigt sich damit, wie oft Menschen ihr Leben nach Erwartungen, Angst oder vermeintlicher Sicherheit ausrichten. Dabei könne die Frage verloren gehen, was man selbst eigentlich möchte. Selbst zu denken, Dinge zu hinterfragen und auf das eigene Gefühl zu hören, ist ihr deshalb wichtig.
Eine Botschaft muss Musik für sie nicht grundsätzlich haben. Nach ihrer eigenen Einschätzung tragen allerdings ungefähr neunzig Prozent ihrer Texte eine. Das muss nicht immer eine schwerwiegende Aussage sein. Manchmal lautet sie schlicht, den Kopf auszuschalten, zu tanzen, zu feiern und loszulassen.
Provokation darf ihrer Ansicht nach frech, subtil oder lustig sein. Ihre Grenze liegt bei Diskriminierung und Entwürdigung. Auch rein sexualisierte Provokation, die vor allem schockieren soll, entspricht nicht ihrer Vorstellung von Kunst. Authentizität bedeutet für sie, hinter einer Veröffentlichung stehen zu können und trotz aller Experimente die letzte Entscheidung selbst zu treffen.
🟨 ERFOLG SOLL AUCH ANDEREN ETWAS BRINGEN
Berühmt zu werden war für Stefanie nie das Hauptziel. Natürlich hätte sie nichts dagegen, wenn nebenbei ein Hit entstünde. Ihr größerer Wunsch ist jedoch, irgendwann mit den Einnahmen aus ihrer Musik Menschen oder soziale Projekte unterstützen zu können. Erfolg beginnt für sie damit, überhaupt jemanden zu erreichen.
Über Streamingzahlen freut sie sich, den Wert eines Songs möchte sie davon aber nicht abhängig machen. Unabhängig wahrgenommen zu werden, erlebt sie angesichts der großen Menge verfügbarer Musik und der Rolle von Algorithmen als schwierig. Sie selbst macht kaum klassische Werbung und ist hauptsächlich auf SoundCloud aktiv. Social Media spielen eher eine Nebenrolle, um etwas zu teilen und Entwicklungen mitzubekommen.
Eine große Marketingmaschine betreibt sie nicht. Auch dem Druck, ständig neue Inhalte liefern zu müssen, setzt sie ihre eigene Haltung entgegen: Wenn nichts kommt, kommt nichts, dann ist Hasentag. Für unabhängige Künstler wünscht sie sich bessere Möglichkeiten, wahrgenommen zu werden und tatsächlich etwas zu verdienen. Dafür sollte man ihrer Ansicht nach nicht ständig Geld in Werbung und Plattformen investieren müssen.
Reaktionen auf ihre Musik bleiben dennoch nicht ohne Wirkung. Positive Resonanz kann sie motivieren, eine Richtung weiter auszuprobieren. Negative Kommentare reizen sie dagegen eher dazu, erst recht weiterzumachen. Die Entscheidung über ihre nächsten Schritte will sie dabei weiterhin selbst behalten.
🟨 DER MENSCH HINTER DEN DUNKLEREN TEXTEN
Außerhalb der Musik begeistern Stefanie Menschen, Tiere und Geschichten. Psychologie sowie philosophische und spirituelle Themen beschäftigen sie ebenfalls. Ein perfekter freier Tag braucht für sie vor allem keinen Zwang. Mit den Hunden hinauszugehen, Natur und Ruhe zu genießen und zu schauen, was passiert, reicht ihr vollkommen.
Zum Lachen bringt sie nach eigener Aussage fast alles. Wenig anfangen kann sie dagegen mit Unehrlichkeit, fehlender Wertschätzung, Ungerechtigkeit und Menschen, die andere bewusst kleinmachen. Mit den Jahren wurde ihr wichtiger, nicht alles verbissen zu sehen, Geduld zu entwickeln und auch einmal fünfe gerade sein zu lassen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihre Ungeduld verschwunden wäre.
Empathie, Zielstrebigkeit und ihren Dickkopf betrachtet sie als hilfreiche Eigenschaften. Im Weg steht ihr am ehesten die Ungeduld, womit sie wieder bei ihrer augenzwinkernden Widder-Erklärung landet. Wie tief Musik sie selbst berühren kann, hat sie auf ihrem Weg ebenfalls gelernt. Bei manchen eigenen Songs musste sie weinen, und besonders Kinderstimmen und Kinderchöre treffen sie emotional stark.
🟨 MEHR EIGENE STIMME UND EIN OFFENES NÄCHSTES KAPITEL
Aktuell arbeitet Stefanie an mehreren Songs und besonders daran, ihre eigene Stimme stärker einzusetzen. „Weißer Teufel“ befindet sich beispielsweise noch in Bearbeitung. Selbst der Hasentag bekommt inzwischen einen eigenen Song. Gleichzeitig möchte sie mehr mit Instrumenten ausprobieren und häufiger mit anderen zusammenarbeiten.
Wo sie in drei Jahren stehen möchte, beschreibt sie bewusst offen. Sie will sich musikalisch weiterentwickelt haben und sehen, wohin ihr eigener Sound führt. Wenn daraus etwas entsteht, mit dem sie anderen helfen kann, wäre das für sie besonders wertvoll. Gelohnt hätte sich der Weg für sie dann, wenn ihre Musik für einen Menschen oder ein soziales Projekt tatsächlich etwas Gutes bewirkt.
Rückwirkend würde sie an ihrem Weg nichts verändern. Welche Entscheidungen sie stärker verändert haben als erwartet, lässt sich für sie nicht auf einen einzelnen Moment reduzieren, weil vieles erst im Rückblick einen Sinn ergibt. Auch ihrem jüngeren Ich würde sie keinen korrigierenden Rat geben, da Umwege und Fehler zu dem Menschen beigetragen hätten, der sie heute ist. Ihre Vorstellung davon vergleicht sie mit dem „Butterfly Effect“.
🟨 MACHT EUER DING, AUCH WENN NICHT ALLES SOFORT SINN ERGIBT
Nach einer Frage, die ihr noch niemand gestellt habe, muss Stefanie angesichts des umfangreichen MIC CHECK zunächst lachen. Nach diesem Fragebogen gebe es wahrscheinlich nicht mehr viele. Auf drei Begriffe verdichtet beschreibt sie sich als direkt, empathisch und zielstrebig. Oder eben, mit den Worten von früher: streng, aber gerecht.
Musik verbindet für sie Menschen, Geschichten und Gefühle, selbst wenn diese auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Was von ihren Songs bleiben soll, ist vor allem Mut. Sie möchte das Gefühl vermitteln, den eigenen Weg gehen zu dürfen und schwierige Zeiten nicht als Ende der eigenen Geschichte verstehen zu müssen. Dass ihre Texte bereits Menschen berührt haben, zählt für sie dabei mehr als eine bloße Zahl.
Den WILD-Lesern möchte sie mitgeben, ihr eigenes Ding zu machen. Wer wirklich spürt, dass etwas der eigene Weg ist, sollte ihn ihrer Ansicht nach auch dann gehen, wenn andere ihn gerade nicht verstehen. Nicht alles muss sofort Sinn ergeben. Und wenn heute überhaupt nichts läuft, bleibt immer noch ihre persönliche Regel: Hasentag, morgen ist auch noch ein Tag.