So landet deine Musik auf Spotify: Der Distributor-Führer
Spotify nimmt keine Direkt-Uploads an, aber über lizenzierte Distributoren wie DistroKid, CD Baby oder TuneCore geht es einfacher als gedacht.
Text: WILD Redaktion ·

Wer seine eigene Musik auf Spotify bringen will, braucht einen Distributor. Die Plattform ermöglicht keine Direkt-Uploads, sie arbeitet ausschließlich mit lizenzierten Partnern zusammen, die die technische und rechtliche Verbreitung übernehmen. Was das für unabhängige Musiker bedeutet, welche Anbieter es gibt, was sie kosten und worauf man achten sollte, erklärt dieser WILD LAB Überblick.
Wenn du heute versuchst, deine fertige EP direkt bei Spotify hochzuladen, wirst du feststellen: Es gibt keinen Upload-Button für Künstler. Kein Spotify-for-Artists-Konto, kein Direktzugang, kein Weg, die Datei einfach einzustellen. Spotify bietet keinen direkten Upload für Künstler an. Stattdessen arbeitet die Plattform ausschließlich mit einer definierten Gruppe von Distributoren zusammen, die als technische und rechtliche Schnittstelle zwischen Künstler und Streamingdienst agieren.
Diese Struktur ist kein Versehen und auch keine Schikane. Spotify begründet sie mit Qualitätsstandards: Die Distributoren im Anbieterverzeichnis müssen bestimmte Anforderungen an Metadatenqualität erfüllen und Schutzmaßnahmen gegen Rechtsverletzungen gewährleisten. Das bedeutet im Klartext: Spotify will verhindern, dass die Plattform mit fehlerhaften Releases, unvollständigen Informationen oder urheberrechtsverletzendem Material zugeschüttet wird. Der Distributor fungiert dabei als Gatekeeper, der die eingereichte Musik prüft, korrekt formatiert und mit den nötigen Rechte-Informationen versieht, bevor sie bei Spotify landet.
Für unabhängige Musiker ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Ohne Distributor keine Veröffentlichung auf Spotify, sofern nicht ein Label den Distributionsweg bereits übernommen hat. Wer bei einem Label unter Vertrag steht, muss sich in der Regel nicht selbst um einen Distributor kümmern. Das Label bringt die Musik über seinen eigenen Distributionspartner auf die Plattformen. Für alle anderen, die ohne labelmäßige Unterstützung arbeiten, ist der Gang zum Distributor der einzige Weg.
🟨 WAS EIN DISTRIBUTOR TATSÄCHLICH MACHT
Ein Distributor ist mehr als ein technischer Upload-Dienst. Er übernimmt im Auftrag des Künstlers die Verbreitung der Musik auf Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Music, Amazon Music und zahlreiche weitere Dienste.
Mehrere unabhängige Quellen bestätigen übereinstimmend, dass Distributoren dabei nicht nur die Audiodatei übertragen, sondern auch die rechtliche Rolle eines Lizenzgebers einnehmen. Sie schließen mit den Streaming-Plattformen Vereinbarungen, über die die Musik dort verfügbar gemacht wird, und sind gleichzeitig dafür verantwortlich, die eingenommenen Lizenzzahlungen an die Künstler auszuzahlen.
Spotify listet in seinem offiziellen Anbieterverzeichnis eine Vielzahl von Distributoren, darunter DistroKid, CD Baby, EmuBands, Record Union, Amuse, RouteNote, recordJet, LANDR, TuneCore und Ditto Music. Die Auswahl ist groß und die Konditionen unterscheiden sich erheblich.
Einige Distributoren arbeiten mit jährlichen Abonnementgebühren, andere berechnen einmalige Beträge pro Release. Manche erheben eine Provision auf die Einnahmen, andere verzichten darauf vollständig, verlangen aber höhere Grundgebühren. Spotifys Anbieterverzeichnis macht zu den Konditionen selbst keine Angaben, diese Informationen müssen separat recherchiert werden.
Ein Vorteil, der in Spotifys Anbieterverzeichnis ausdrücklich hervorgehoben wird: Die dort gelisteten Distributoren ermöglichen ihren Nutzern sofortigen Zugang zu Spotify for Artists. Das bedeutet, dass Künstler nach der Veröffentlichung über einen dieser Partner direkt auf Spotify for Artists zugreifen können, um Streaming-Zahlen einzusehen, Playlist-Einreichungen zu verwalten und grundlegende Künstlerprofileinstellungen vorzunehmen.
Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn nicht jeder Anbieter, der technisch auf Spotify verteilt, ist automatisch in diesem bevorzugten Programm gelistet.
🟨 TECHNISCHE VORAUSSETZUNGEN FÜR SPOTIFY
Bevor die Musik bei einem Distributor eingereicht wird, müssen bestimmte technische Mindestanforderungen erfüllt sein. Spotify macht konkrete Vorgaben, die bei der Produktion berücksichtigt werden sollten, damit das fertige Release später keine Rückweisung oder Qualitätsverluste durch Konvertierungen erfährt.
Für die Audioqualität empfiehlt sich ein Mastering in einem verlustfreien Format. Konkret sollte die Master-Audiodatei als WAV oder FLAC vorliegen, mit einer Abtastrate von mindestens 44,1 kHz und einer Bittiefe von 16 oder 24 Bit.
Spotify bevorzugt dabei explizit FLAC als Format und weist darauf hin, dass ein nativer Stereo-Master in 24 Bit verwendet werden sollte, wenn der Originalmix in dieser Qualität vorliegt. MP3 erfüllt den Qualitätsstandard nicht und kann bei der Konvertierung durch Spotify hörbar verlieren. Wer also Wert auf optimale Klangqualität legt, sollte von Anfang an in verlustfreien Formaten arbeiten.
Beim Cover-Artwork gibt Spotify ebenfalls klare Spezifikationen vor. Das Bild muss quadratisch sein und zwischen 640 mal 640 und 10.000 mal 10.000 Pixeln liegen, im Format TIFF, PNG oder JPG und im sRGB-Farbraum. Als praktisches Ziel werden in der Regel 4.000 mal 4.000 Pixel genannt.
Wichtig ist, dass keine Social-Media-Logos, URLs oder sonstige fremden Elemente auf dem Cover platziert sein dürfen. Einige Quellen nennen abweichend eine Mindestgröße von 3.000 mal 3.000 Pixeln, doch die offizielle Spotify-Spezifikation gibt den größeren zulässigen Bereich bis hinunter zu 640 Pixel an. Wer auf Nummer sicher gehen will, orientiert sich an der höheren Auflösung.
🟨 DISTRIBUTOREN IM VERGLEICH: PREISE UND PROVISIONSMODELLE
Die Preis- und Provisionsmodelle der Distributoren unterscheiden sich teils erheblich. Ein Überblick über die wichtigsten Anbieter und ihre Konditionen hilft bei der Orientierung, auch wenn alle Angaben aus Sekundärquellen stammen und nicht gegen aktuelle Preislisten verifiziert wurden.
DistroKid bietet den Tarif Musician für 24,99 US-Dollar pro Jahr an. Dafür sind unbegrenzte Uploads enthalten, und die Provision liegt bei null Prozent. Das bedeutet: Jeder Stream, jeder Verkauf, die gesamten Lizenzzahlungen gehen an den Künstler.
Allerdings gilt eine klare Einschränkung: Kündigt man das Abo, entfernt DistroKid die gesamte Musik von allen Plattformen. Eine Quelle nennt zusätzlich eine mögliche Legacy-Gebühr pro Release, über die sich Releases unter Umständen behalten lassen.
Wer langfristig auf DistroKid verzichten will, muss diesen Punkt vorab klären.
CD Baby arbeitet nach einem anderen Prinzip: eine einmalige Gebühr pro Release. Eine Single kostet 9,99 US-Dollar, ein Album 14,99 US-Dollar. Im Gegenzug behält CD Baby neun Prozent der Einnahmen.
Der Vorteil liegt in der Einmaligkeit: Nach der Zahlung gehört der Release dem Künstler, und zwar unabhängig davon, ob das Konto bei CD Baby aktiv bleibt oder nicht.
Gegründet 1998, arbeitet CD Baby laut Spotifys Anbieterverzeichnis mit mehr als 750.000 internationalen Künstlern zusammen; andere Quellen nennen über eine Million.
TuneCore verlangt 24,99 US-Dollar pro Jahr für den Tarif Rising Artist. Auch hier gibt es unbegrenzte Releases für über 150 Stores bei null Prozent Provision auf Streaming-Lizenzzahlungen.
TuneCore hat seinen kostenlosen Tarif im Juni 2025 eingestellt und Releases von Künstlern entfernt, die nicht upgradeten. Wer also einen kostenlosen Einstieg bei TuneCore sucht, wird seitdem nicht mehr fündig.
Amuse positioniert sich im mittleren Preissegment mit Jahrestarifen zwischen 23,99 und 59,99 US-Dollar. Eine Besonderheit: Bei Kündigung behält Amuse 25 Prozent der laufenden Einnahmen ein, was im Vergleich zu anderen Anbietern eine relativ ungewöhnliche Regelung darstellt. Der Basis-Tarif Artist für 23,99 US-Dollar pro Jahr bietet unbegrenzte Releases, 24-Stunden-ASAP-Lieferung und Lizenzvorschüsse.
Ditto Music bietet einen Starter-Tarif zu 19 US-Dollar pro Jahr mit unbegrenzten Releases. Das ist einer der günstigsten Einstiegspreise im Markt, wobei die Details der Leistungen und mögliche Einschränkungen vorab geprüft werden sollten.
RouteNote verfolgt ein duales Modell: Ein kostenloser Tarif mit 85 Prozent Künstlerbeteiligung bei unbegrenzten Uploads ohne Jahresgebühr, und ein Premium-Tarif mit einer Gebühr pro Release bei null Prozent Provision. Wer 100 Prozent behalten will, zahlt entsprechend pro Release.
LANDR berechnet für unbegrenzte Releases Tarife ab 24 US-Dollar pro Jahr. Zusatzkosten können entstehen: Für Coversongs verlangt LANDR 15 US-Dollar extra für die mechanische Lizenz.
Die Bereitstellung auf Spotify dauert je nach Tarifstufe ein bis drei Tage nach Genehmigung durch das Support-Team. Die erste Lizenzzahlung erfolgt laut LANDR etwa 90 Tage nach der Veröffentlichung, danach monatlich.
Record Union bietet standardmäßig 85 Prozent Künstlerbeteiligung mit einer Option namens Royalty Upgrade für 25 US-Dollar pro Jahr, die den Anteil auf 92,5 Prozent erhöht. Record Union war nach eigenen Angaben der erste unabhängige Distributor, der eine Partnerschaft mit Spotify einging, und unterstützt seit 2009 unabhängige Musiker beim Vertrieb über Spotify.
🟨 DER MARKT IN ZAHLEN: WAS SPOTIFY 2025 AUSSCHÜTTETE
Die Frage, welcher Distributor der richtige ist, hängt auch davon ab, wie groß der zu erwartende Kuchen ist. Spotify hat im Januar 2026 Zahlen für das Jahr 2025 veröffentlicht, die einen Eindruck vom Gesamtvolumen vermitteln. Demnach zahlte das Unternehmen mehr als 11 Milliarden US-Dollar an die Musikindustrie aus. Das ist eine Summe, die zeigt, dass Streaming für die Branche längst kein Nischenmarkt mehr ist, sondern die zentrale Einnahmequelle.
Bemerkenswert ist die Verteilung: Unabhängige Künstler und Labels haben erneut die Hälfte aller Lizenzzahlungen ausgemacht. Das bedeutet, dass der sogenannte Indie-Sektor nicht nur eine Randgruppe ist, sondern gleichberechtigt neben Majorlabels am Umsatz partizipiert. Spotify selbst machte 2025 rund 30 Prozent der Umsätze mit aufgenommener Musik aus, und die Auszahlungen wuchsen im Jahresvergleich um mehr als zehn Prozent.
Auf globaler Ebene zahlen über alle Streamingdienste hinweg mehr als 750 Millionen Menschen monatlich für Musikstreaming. Das ist die Reichweite, die hinter jedem Stream steht, und die erklärt, warum die Frage nach Distribution und Lizenzzahlungen für Musiker heute so relevant ist wie nie zuvor.
Allerdings macht die schiere Menge auch deutlich, wie hart der Wettbewerb ist: Täglich werden über 100.000 neue Songs veröffentlicht. Die bloße Verfügbarkeit auf Spotify ist keine Garantie für Aufmerksamkeit oder Einnahmen.
🟨 WELCHER DISTRIBUTOR FÜR WEN
Angesichts der unterschiedlichen Modelle stellt sich die Frage, welcher Anbieter für welche Situation der richtige ist. Pauschal lässt sich das nicht beantworten, aber es lassen sich Orientierungspunkte setzen.
Künstler unter Labelvertrag brauchen in der Regel keinen eigenen Distributor. Das Label übernimmt diese Rolle bereits und hat in der Regel etablierte Partnerschaften mit den Plattformen. Wer sich unsicher ist, ob das eigene Label die Distribution regelt, sollte das vor Vertragsunterschrift klären, um keine doppelten Kosten zu verursachen.
Für Einsteiger ohne Budget bieten RouteNote mit seinem kostenlosen Tarif und Ditto Music mit seinem 19-Dollar-Jahres-Tarif niedrige Einstiegshürden. Der Haken beim kostenlosen RouteNote-Tarif sind die 15 Prozent, die der Anbieter von den Nettoeinnahmen einbehält.
Wer nur gelegentlich einen Track veröffentlicht und wenig Streaming-Umsätze erwartet, kann das verschmerzen. Wer aber regelmäßig neue Musik bringt, sollte die Gesamtkosten über mehrere Releases hinweg durchrechnen.
Für Vielveröffentlicher machen sich die Unlimited-Angebote bezahlt. DistroKid und TuneCore verlangen beide rund 25 US-Dollar pro Jahr und erlauben unbegrenzte Releases. Verglichen mit CD Babys Einmalkostenmodell, wo jede Single und jedes Album separat bezahlt wird, spart man ab dem dritten oder vierten Release pro Jahr deutlich. Wer also mehr als vier Releases im Jahr plant, sind die Jahresflatrates wirtschaftlich sinnvoller.
Wer Wert auf 100 Prozent Lizenzzahlungen legt, muss einen Premium-Tarif wählen. Bei RouteNote ist das der kostenpflichtige Release-Tarif, bei DistroKid der Musician-Tarif, bei TuneCore der Rising-Artist-Tarif. In allen Fällen liegt die Jahresgebühr bei etwa 25 US-Dollar. Dafür gibt es dann keine Provision mehr, und jeder verdiente Cent geht direkt an den Künstler.
🟨 OFFENE FRAGEN UND EINSCHRÄNKUNGEN
Bevor jemand sich für einen Distributor entscheidet, sollte er wissen, wo die Grenzen der verfügbaren Informationen liegen. Alle Preis- und Provisionsangaben in diesem Artikel stammen aus Sekundärquellen und wurden nicht gegen die aktuellen Preislisten der jeweiligen Anbieter geprüft. Es ist möglich, dass sich Tarife seit der Veröffentlichung dieser Quellen geändert haben. Ein Blick auf die offizielle Website des jeweiligen Distributors vor der Anmeldung ist daher empfehlenswert.
Die Artwork-Mindestanforderungen werden in den Quellen nicht einheitlich dargestellt. Während eine Quelle mindestens 3.000 mal 3.000 Pixel angibt, nennt eine andere Quelle den offiziellen Spotify-Bereich von 640 mal 640 bis 10.000 mal 10.000 Pixel. Ein Abgleich mit Spotifys eigener technischer Spezifikationsseite stand zum Zeitpunkt der Recherche noch aus. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die höhere Auflösung wählen und darauf achten, dass das Bild im sRGB-Farbraum exportiert wird.
Spotifys eigenes Anbieterverzeichnis macht, wie erwähnt, keine Angaben zu Provisionen, Tarifen oder Konditionen der gelisteten Distributoren. Die Informationen darüber, wie viel ein Anbieter kostet und wie hoch sein Provisionsanteil ist, finden sich ausschließlich in Sekundärquellen. Das ist ein Bereich, in dem mehr Transparenz von Spotify oder den Distributoren selbst wünschenswert wäre.
Schließlich bleibt festzuhalten, dass die bloße Verfügbarkeit auf Spotify noch nichts über den Erfolg eines Releases aussagt. Bei über 100.000 neuen Songs pro Tag geht jede neue Veröffentlichung in einer enormen Masse unter. Ein Distributor sorgt dafür, dass die Musik auf der Plattform erscheint, für die restliche Sichtbarkeit und Vermarktung ist der Künstler selbst verantwortlich.