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SONOS 27: DER GROSSE NEUSTART NACH DEM APP-DESASTER

Mit Sonos 27, generativer Sprachsteuerung, offenen KI-Schnittstellen, Ace Ultra und Beam Ultra will Sonos sein gesamtes Audio-Ökosystem neu aufstellen. Nach dem verheerenden App-Start von 2024 entscheidet diesmal aber nicht allein die Technik, sondern ob Sonos verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann.

Text: WILD Redaktion ·

SONOS 27: DER GROSSE NEUSTART NACH DEM APP-DESASTER

Sonos gibt seiner technischen Plattform erstmals einen eigenen Namen und verbindet Lautsprecher, Heimkino, Kopfhörer und künstliche Intelligenz enger miteinander. Portable Surrounds, Headphone Linking und Sonos 27voice zeigen, wie groß dieser Neustart gedacht ist. Doch über allem hängt noch immer die Frage, ob Sonos aus einem der schwersten Softwarefehler seiner Geschichte wirklich gelernt hat.

Im Mai 2024 wollte Sonos eigentlich die Grundlage für seine Zukunft legen. Das Unternehmen veröffentlichte eine vollständig überarbeitete App, moderner gestaltet und technisch auf kommende Produkte vorbereitet. Statt eines überzeugenden Neustarts folgte jedoch eine schwere Softwarekrise. Nutzer meldeten fehlende Funktionen, Probleme bei der Einrichtung, unzuverlässige Lautstärkeregelung sowie Schwierigkeiten mit Musikbibliotheken, Warteschlangen und Alarmen.

Besonders empfindlich traf die Umstellung Menschen, die auf barrierefreie Bedienung angewiesen waren. Funktionen für VoiceOver und andere Screenreader erreichten beim Start nicht den Umfang der vorherigen Anwendung. Sonos besserte anschließend über zahlreiche Updates nach und brachte Funktionen schrittweise zurück. Doch zu diesem Zeitpunkt ging es längst nicht mehr nur um einzelne Fehler, sondern um das Vertrauen in ein Ökosystem, das eigentlich genau davon lebt, im Hintergrund zuverlässig zu funktionieren.

🟨 AUS DEM APP-FEHLER WURDE EINE VERTRAUENSKRISE

Der damalige CEO Patrick Spence entschuldigte sich öffentlich und räumte erhebliche Probleme mit der neuen App ein. Sonos veröffentlichte anschließend in kurzen Abständen Updates und versprach strengere Tests, längere Beta-Phasen sowie kontrolliertere Veröffentlichungen. Große Veränderungen sollten künftig nicht mehr möglichst schnell für alle Nutzer ausgerollt werden, sondern stärker getestet und teilweise zunächst freiwillig angeboten werden.

Die Folgen waren auch wirtschaftlich erheblich. Sonos rechnete mit Kosten von rund 20 bis 30 Millionen US-Dollar für Maßnahmen rund um die Wiederherstellung der App und die Folgen des misslungenen Starts. Im Januar 2025 verließ Patrick Spence schließlich den CEO-Posten. Tom Conrad übernahm zunächst interimistisch und wurde später dauerhaft zum CEO ernannt.

Damit bekommt Sonos 27 eine Bedeutung, die deutlich über ein normales Softwareupdate hinausgeht. Die neue Plattform muss zeigen, ob die Versprechen nach 2024 tatsächlich Konsequenzen hatten. Sonos kann diesmal nicht nur mit neuen Funktionen überzeugen, sondern muss beweisen, dass diese Funktionen zuverlässig auf bestehenden Systemen funktionieren.

🟨 SONOS 27 IST MEHR ALS NUR EINE NEUE APP

Der Name Sonos 27 klingt zunächst nach einem vollständig neu entwickelten Betriebssystem. Ganz so radikal ist die Veränderung nicht. Sonos gibt vielmehr seiner bereits vorhandenen technischen Plattform erstmals einen klaren Namen und beschreibt sie künftig als Audio-Betriebssystem für das Zuhause.

Diese Plattform koordiniert Geräte, Räume, Audiowiedergabe, Heimkino-Konfigurationen und die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Sonos-Produkten. Neu ist deshalb weniger die grundsätzliche technische Idee als die Strategie dahinter. Sonos will stärker sichtbar machen, dass Lautsprecher, Soundbars und Kopfhörer nicht einfach einzelne Produkte sind, sondern Teile eines gemeinsamen Systems.

Genau darin liegt die größere Bedeutung von Sonos 27. Das Unternehmen versucht, sich zunehmend nicht nur als Hardwarehersteller zu positionieren, sondern als Anbieter einer Audio-Plattform. Die Geräte werden damit zu unterschiedlichen Zugangspunkten eines Systems, das Musik, Heimkino, Sprachsteuerung und künftig auch künstliche Intelligenz miteinander verbindet.

🟨 AUCH DIE APP WIRD WIEDER UMGEBAUT

Nach den Erfahrungen von 2024 dürfte bereits die Nachricht über einen weiteren App-Umbau bei manchen Sonos-Nutzern für Nervosität sorgen. Diesmal soll die Veränderung allerdings schrittweise erfolgen. Die Navigation konzentriert sich stärker auf zentrale Bereiche wie Home, System und Suche, häufig verwendete Räume sollen schneller erreichbar sein und die Darstellung auf größeren Geräten wie dem iPad wird weiter angepasst.

Hinzu kommen Presets, mit denen komplette Hörsituationen gespeichert werden können. Musik, Räume und Lautstärken lassen sich dadurch zu einem festen Setup verbinden. Wer beispielsweise morgens immer dieselbe Playlist in Küche und Wohnzimmer mit bestimmten Lautstärken hört, soll diese Konfiguration schneller aufrufen können.

Auf dem iPhone erweitert Sonos außerdem die Steuerung über Sperrbildschirm, Live Activities und Dynamic Island. App Intents sollen eine bessere Verbindung zu Siri und Apples Kurzbefehlen ermöglichen. Das sind keine spektakulären Revolutionen, können im Alltag aber genau die kleinen Schritte sein, die eine Multiroom-Plattform angenehmer machen.

🟨 DIESMAL KOMMT NICHT ALLES AUF EINEN SCHLAG

Einer der interessantesten Unterschiede zu 2024 steckt nicht in einer einzelnen Funktion, sondern im Veröffentlichungsmodell. Sonos hatte nach dem App-Debakel versprochen, große Veränderungen künftig kontrollierter auszurollen. Genau dieses Prinzip lässt sich bei Sonos 27 erkennen.

Portable Surrounds und Sonos 27mcp sollen Anfang September starten, Headphone Linking folgt Ende September zunächst als Early-Access-Funktion. Sonos 27voice soll später im Herbst ebenfalls zunächst eingeschränkt verfügbar werden. Die experimentelleren Custom Agents befinden sich sogar noch in einer Technologie-Vorschau und sind erst für 2027 vorgesehen.

Das garantiert natürlich keine fehlerfreie Software. Dennoch ist der Ansatz sinnvoller als ein großer Umbau, bei dem bestehende Nutzer über Nacht vor einem komplett veränderten System stehen. Gerade bei vernetzter Audiotechnik kann ein Softwarefehler schließlich nicht nur eine App betreffen, sondern Lautsprecher, Fernsehton, Raumgruppen und komplette Heimkino-Konfigurationen.

🟨 SONOS FABRIC IST DAS NETZ HINTER DEN GERÄTEN

Unter Sonos 27 bekommt auch die technische Verbindung zwischen den Geräten einen eigenen Namen: Sonos Fabric. Gemeint ist das System, über das Sonos-Produkte einander erkennen, ihre Rolle innerhalb eines Setups kennen und anschließend gemeinsam arbeiten. Stereo-Paare, synchronisierte Räume und Heimkino-Systeme beruhen bereits heute auf diesem Prinzip.

Mit Sonos 27 soll dieses Fundament flexibler werden. Geräte sollen weniger starr an eine einzelne Aufgabe gebunden sein. Ein tragbarer Lautsprecher kann dadurch zeitweise Teil eines Heimkino-Systems werden und ein Kopfhörer stärker in das heimische Multiroom-Netz integriert werden.

Diese Veränderung klingt zunächst technisch unspektakulär, könnte langfristig aber wichtiger sein als manches neue Hardwaremerkmal. Je einfacher Geräte ihre Rolle innerhalb eines Systems wechseln können, desto weniger muss der Nutzer darüber nachdenken, welches Produkt gerade für welche Aufgabe eingerichtet wurde.

🟨 PORTABLE SURROUNDS MACHT HEIMKINO FLEXIBLER

Portable Surrounds zeigt ziemlich gut, was Sonos mit dieser neuen Flexibilität meint. Zwei kompatible tragbare Lautsprecher können vorübergehend als hintere Surround-Kanäle eines Heimkino-Systems eingesetzt werden. Danach lassen sie sich wieder aus dem Setup lösen und wie gewohnt als portable Lautsprecher verwenden.

Wer beispielsweise zwei Move 2 besitzt, könnte diese tagsüber in unterschiedlichen Räumen nutzen und sie am Abend für einen Film hinter dem Sofa positionieren. Das System soll die Position erkennen und den Geräten automatisch den linken beziehungsweise rechten Surround-Kanal zuweisen. Damit wird aus einem eigentlich mobilen Lautsprecher zeitweise ein fester Bestandteil des Heimkinos.

Ganz ohne Einschränkungen funktioniert das Konzept allerdings nicht. Es werden jeweils zwei identische kompatible Lautsprecher benötigt und während der Surround-Nutzung stehen bestimmte Funktionen nicht in gleicher Weise zur Verfügung. Trotzdem zeigt Portable Surrounds ziemlich deutlich, wohin Sonos mit seinem neuen Plattformgedanken will: Geräte sollen nicht mehr dauerhaft an eine einzige Rolle gebunden sein.

🟨 ACE ULTRA WIRD ENDLICH RICHTIG TEIL DES SONOS-SYSTEMS

Beim ersten Sonos Ace aus dem Jahr 2024 war ausgerechnet die Verbindung zum eigenen Sonos-Ökosystem überraschend eingeschränkt. Der Kopfhörer konnte zwar bestimmte Heimkino-Funktionen nutzen und Fernsehton von kompatiblen Soundbars übernehmen, war aber kein vollständig eingebundener WLAN-Teil des normalen Multiroom-Systems.

Beim Ace Ultra ändert Sonos genau diesen Punkt. Der neue Premiumkopfhörer kostet in Deutschland 449 Euro und soll ab dem 29. September 2026 erhältlich sein. Sonos nennt speziell entwickelte 40-Millimeter-Treiber, zehn Mikrofone, Adaptive Active Noise Cancellation, einen Aware-Modus, dynamisches Head Tracking und einen adaptiven Equalizer.

Auch beim Akku legt Sonos nach. Bis zu 35 Stunden Wiedergabe mit aktiviertem ANC oder Aware-Modus werden genannt, während drei Minuten Schnellladen bis zu drei weitere Stunden ermöglichen sollen. Bluetooth wurde auf Version 6.0 aktualisiert und verlustfreies Audio lässt sich bei entsprechend unterstützten Geräten über Qualcomm aptX oder USB-C nutzen.

🟨 HEADPHONE LINKING IST DIE WICHTIGERE ACE-ULTRA-NEUERUNG

Die spannendste Neuerung des Ace Ultra steckt allerdings nicht bei Akku oder Treibern. Mit Headphone Linking kann der Kopfhörer über das heimische Netzwerk stärker in das Sonos-System eingebunden werden. Läuft Musik auf einem kompatiblen Lautsprecher, lässt sich die Wiedergabe auf den Ace Ultra übernehmen und später wieder zurück in einen Raum schicken.

Das klingt zunächst wie eine Komfortfunktion, zeigt aber ziemlich genau, was Sonos 27 langfristig erreichen soll. Lautsprecher und Kopfhörer werden nicht mehr vollständig getrennt behandelt, sondern als unterschiedliche Ausgabepunkte derselben Plattform. Wer vom Wohnzimmer in einen anderen Raum wechselt oder andere Personen nicht stören möchte, kann die laufende Wiedergabe auf den Kopfhörer übernehmen, ohne komplett neu anfangen zu müssen.

Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen. Headphone Linking startet zunächst im Early Access und nicht jede Audioquelle wird unterstützt. Zudem bedeutet die WLAN-Verbindung nicht automatisch verlustfreie Übertragung. Für Headphone Linking nennt Sonos derzeit den SBC-Codec, wodurch Lossless Audio und Spatial Audio über diese Verbindung nicht unterstützt werden.

🟨 DER ALTE ACE BLEIBT DRAUSSEN

Interessant ist außerdem, dass Headphone Linking dem neuen Ace Ultra vorbehalten bleibt. Der ursprüngliche Sonos Ace bekommt diese Funktion nicht. Sonos begründet das mit Hardware, die erst im neuen Modell integriert wurde.

Technisch kann das vollkommen nachvollziehbar sein, für Kunden zeigt es jedoch bereits eine wichtige Grenze des neuen Plattformgedankens. Sonos 27 bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche vorhandenen Geräte denselben Funktionsumfang erhalten. Neue Software kann immer nur das nutzen, was die Hardware technisch unterstützt.

Gerade bei einem relativ jungen Produkt wie dem ersten Ace dürfte das trotzdem Diskussionen auslösen. Wer erst vor kurzer Zeit mehrere Hundert Euro für einen Sonos-Kopfhörer ausgegeben hat, bekommt nun ziemlich deutlich gezeigt, dass eine der wichtigsten neuen Ökosystem-Funktionen bereits an die nächste Hardwaregeneration gebunden ist.

🟨 BEAM ULTRA BRINGT ECHTE HÖHENKANÄLE

Auch bei der neuen Beam Ultra geht Sonos einen deutlichen Schritt weiter. Die kompakte Soundbar kostet in Deutschland 699 Euro und soll ebenfalls am 29. September 2026 erscheinen. Im Inneren arbeiten neun digitale Class-D-Verstärker zusammen mit fünf Hochtönern und vier Tieftönern.

Besonders wichtig sind zwei nach oben abstrahlende Hochtöner. Damit bekommt die Beam-Serie erstmals echte Up-Firing-Komponenten für Dolby Atmos. Frühere Modelle konnten Atmos bereits verarbeiten und räumlich darstellen, die Beam Ultra ergänzt nun physisch nach oben gerichtete Treiber für Höheninformationen.

Sonos bezeichnet das System als 7.1.2-Konfiguration. Unterstützt werden unter anderem Dolby Atmos, Dolby Digital Plus, Dolby TrueHD, Mehrkanal-PCM und DTS Digital Surround. Auf dem Datenblatt rückt die kompakte Beam damit deutlich näher an größere Heimkino-Soundbars heran.

🟨 NEUN TREIBER BEDEUTEN NICHT VIER UP-FIRING-TREIBER

Gerade bei den technischen Angaben zur Beam Ultra lohnt sich ein genauer Blick. In ersten Zusammenfassungen tauchten Angaben auf, nach denen von neun Treibern angeblich vier nach oben abstrahlen würden. Nach den offiziellen technischen Daten besitzt die Beam Ultra jedoch zwei nach oben gerichtete Hochtöner.

Das klingt nach einem kleinen Detail, ist journalistisch aber wichtig. Bei neuen Produkten werden Spezifikationen schnell voneinander abgeschrieben und aus einer falschen Angabe entsteht innerhalb weniger Stunden scheinbar eine bestätigte Tatsache. Genau deshalb gehört bei WILD LAB der Blick in die tatsächlichen technischen Daten dazu.

Die neun Treiber der Beam Ultra bestehen also nicht aus vier Up-Firing-Komponenten. Entscheidend ist vielmehr, dass Sonos innerhalb der kompakten Beam-Baureihe überhaupt echte Höhenkanäle integriert und damit einen wichtigen Unterschied zur bisherigen Generation schafft.

🟨 KI SOLL DIALOGE VERSTÄNDLICHER MACHEN

Die Beam Ultra setzt außerdem auf AI Speech Enhancement. Das System soll menschliche Stimmen erkennen und Dialoge gezielter gegenüber anderen Bestandteilen einer Film- oder Serienmischung hervorheben. Vier Stufen lassen sich über die Sonos-App einstellen, sodass die Sprachverstärkung nicht nur ein- oder ausgeschaltet werden muss.

Das kann im Alltag durchaus sinnvoll sein. Moderne Filmtonmischungen besitzen teilweise enorme Dynamik, während Dialoge gleichzeitig vergleichsweise leise oder tief in der Gesamtmischung liegen. Eine intelligente Sprachverstärkung könnte deshalb gerade bei niedriger Lautstärke helfen.

Ob Sonos hier tatsächlich einen deutlich hörbaren Fortschritt gegenüber bisherigen Sprachverbesserungen erreicht, lässt sich ohne eigenen Test allerdings nicht seriös beurteilen. Der Begriff KI allein macht eine Funktion schließlich nicht automatisch besser. Entscheidend ist, ob Stimmen natürlicher verständlich werden, ohne den restlichen Klang hörbar zu beschädigen.

🟨 SONOS 27VOICE WILL NATÜRLICHE SPRACHE VERSTEHEN

Der technologisch größte Sprung könnte in Sonos 27voice stecken. Die neue Sprachsteuerung erweitert Sonos Voice Control um Large-Language-Model-Technologie und soll dadurch weniger starre Befehle benötigen. Nutzer müssen dann nicht mehr zwingend einen exakt formulierten Songtitel oder eine bestimmte Anweisung kennen.

Stattdessen soll das System auch natürliche Beschreibungen verstehen können. Wer beispielsweise einen Titel nicht kennt, sich aber an Künstler, Stimmung oder andere Details erinnert, soll seine Anfrage freier formulieren können. Auch zusammenhängende Gesprächsschritte und Rückfragen sind vorgesehen.

Damit nähert sich Sonos den modernen KI-Assistenten an, ohne Sprachsteuerung nur als zusätzliche Chatfunktion auf einem Display zu verstehen. Genau das passt grundsätzlich gut zu Audiohardware. Bei einem Lautsprecher sollte intelligente Steuerung schließlich möglichst stattfinden, ohne dass man dafür zuerst wieder das Smartphone aus der Tasche holen muss.

🟨 DER KI-ASSISTENT BRAUCHT TROTZDEM DIE CLOUD

Beim Thema Datenschutz lohnt sich allerdings ein genauer Blick. Sonos betont, dass 27voice mit Blick auf Datenschutz entwickelt wurde und einfache Aufgaben möglichst effizient verarbeitet werden sollen. Gleichzeitig nennt die Support-Dokumentation eine Cloud-Verbindung als Voraussetzung für die neue Sprachsteuerung.

Damit wäre es falsch, Sonos 27voice als vollständig lokal arbeitendes KI-System darzustellen. Für komplexere Funktionen und größere Modelle wird zumindest teilweise Cloud-Infrastruktur benötigt. Welche Informationen dabei in welcher Form verarbeitet werden, ist deshalb ein wichtiger Punkt für die endgültige Bewertung des Systems.

Gerade bei dauerhaft vorhandenen Mikrofonen im Wohnraum sollte Sonos hier möglichst transparent kommunizieren. Komfort allein reicht bei moderner Sprach-KI nicht mehr aus. Nutzer wollen zunehmend wissen, wohin ihre Daten gehen und welche Verarbeitung tatsächlich auf dem Gerät stattfindet.

🟨 SONOS 27MCP ÖFFNET DIE TÜR FÜR EXTERNE KI

Noch interessanter für technisch versierte Nutzer ist möglicherweise Sonos 27mcp. MCP steht für Model Context Protocol und ermöglicht kompatiblen KI-Systemen, auf freigegebene Funktionen anderer Dienste zuzugreifen. Sonos stellt dafür einen eigenen MCP-Server bereit.

Damit könnte ein Nutzer sein Sonos-System künftig direkt aus einem kompatiblen KI-Assistenten heraus steuern. Ein Assistent könnte beispielsweise bei einer Musikrecherche helfen und anschließend die gewünschte Wiedergabe auf einem bestimmten Sonos-Gerät starten, sofern die entsprechenden Funktionen freigegeben und unterstützt werden.

Strategisch ist das bemerkenswert. Sonos baut nicht nur einen eigenen KI-Assistenten, sondern öffnet Teile seines Systems für externe Modelle. Gerade in einem ansonsten stark kontrollierten Hardware-Ökosystem ist diese Offenheit eine der interessanteren Entscheidungen rund um Sonos 27.

🟨 FÜR CREATOR KÖNNTE MCP BESONDERS SPANNEND WERDEN

Für Musiker, Produzenten und Creator liegt hier wahrscheinlich der interessanteste WILD-LAB-Aspekt. Sonos wird dadurch nicht plötzlich zu einem professionellen Studiowerkzeug, aber Audio kann stärker Bestandteil größerer digitaler Workflows werden.

Ein KI-Assistent könnte theoretisch Recherche, Arbeitsorganisation und Audiowiedergabe miteinander verbinden. Ein Creator könnte sich Musikreferenzen suchen lassen, Informationen zu Künstlern abrufen und anschließend bestimmte Inhalte direkt auf einem Sonos-System wiedergeben. Wie weit solche Workflows tatsächlich reichen, hängt davon ab, welche Funktionen Sonos über MCP freigibt und welche Möglichkeiten die jeweiligen KI-Systeme anbieten.

Genau deshalb ist Sonos 27mcp konzeptionell interessanter als ein weiterer proprietärer Sprachassistent. Statt Nutzer vollständig an eine einzelne KI zu binden, schafft Sonos zumindest technisch die Möglichkeit, unterschiedliche Systeme anzubinden.

🟨 CUSTOM AGENTS MACHEN AUS DEM LAUTSPRECHER EINE KI-FIGUR

Noch experimenteller sind die sogenannten Custom Agents. Sonos hat demonstriert, wie Nutzer eigene KI-Agenten mit unterschiedlichen Stimmen, Persönlichkeiten, Aktivierungswörtern und Aufgaben erstellen könnten. Gezeigt wurden unter anderem ein französischer Koch, ein Musikkurator und ein Trivia-Agent.

Damit würde sich die Sprachsteuerung deutlich von klassischem „Licht an, Musik aus“ entfernen. Unterschiedliche Agenten könnten innerhalb desselben Systems verschiedene Rollen übernehmen und nicht mehr nur einfache Gerätebefehle ausführen.

Allerdings ist hier Zurückhaltung angebracht. Custom Agents sind 2026 noch kein fertiges Produkt, sondern eine Technologie-Vorschau. Eine vollständige Veröffentlichung ist erst für 2027 vorgesehen. Bis dahin können sich Funktionsumfang, unterstützte KI-Modelle, Datenschutzkonzept und möglicherweise auch Kosten noch deutlich verändern.

🟨 SONOS VERSUCHT KI OHNE ZUSÄTZLICHEN BILDSCHIRM

Interessant ist die grundsätzliche KI-Strategie von Sonos. Viele Hersteller integrieren generative KI momentan vor allem über Chatfenster oder zusätzliche Bedienoberflächen. Sonos versucht dagegen, künstliche Intelligenz stärker unsichtbar in das bestehende Audio-Erlebnis einzubauen.

KI soll Musik finden, Sprache verstehen, Geräte steuern und möglicherweise externe Assistenten mit dem heimischen Audiosystem verbinden. Der Nutzer soll nicht zwingend merken müssen, welches Modell gerade im Hintergrund arbeitet. Entscheidend ist vielmehr, ob eine gewünschte Aktion schneller und einfacher ausgeführt wird.

Genau dort liegt allerdings auch das Risiko. Eine intelligente Sprachsteuerung ist nur dann besser als ein klassischer Befehl, wenn sie zuverlässig versteht, was gemeint ist. Wenn Räume verwechselt, falsche Titel gestartet oder Befehle falsch interpretiert werden, entsteht nicht weniger, sondern mehr Reibung.

🟨 ALTE GERÄTE BEKOMMEN NICHT AUTOMATISCH ALLE FUNKTIONEN

Eine der wichtigsten offenen Fragen betrifft die Kompatibilität. Sonos 27 arbeitet innerhalb der aktuellen Sonos-Generation und neue KI-Funktionen sind nicht automatisch für ältere Systeme verfügbar, die auf der früheren S1-Plattform verbleiben.

Auch innerhalb aktueller Sonos-Systeme kann nicht jedes Gerät jede neue Funktion erhalten. Das ist technisch nicht ungewöhnlich. Mikrofone, Prozessorleistung, Sensoren, Funkmodule oder andere Hardwarevoraussetzungen können bestimmen, ob eine bestimmte Funktion überhaupt möglich ist.

Für Kunden bleibt trotzdem entscheidend, wie transparent Sonos diesen Übergang gestaltet. Wer über Jahre mehrere Räume mit Sonos-Hardware ausgestattet hat, möchte ziemlich genau wissen, welche vorhandenen Geräte welche neuen Funktionen erhalten. Ein Audio-Betriebssystem ist nur dann attraktiv, wenn seine Nutzer nicht bei jeder neuen Generation rätseln müssen, welche Teile ihres Systems zurückbleiben.

🟨 BARRIEREFREIHEIT BLEIBT EIN PRÜFSTEIN

Gerade wegen der Erfahrungen von 2024 muss Sonos bei der Barrierefreiheit besonders genau beobachtet werden. Nach dem problematischen App-Start veröffentlichte das Unternehmen mehrere Verbesserungen für VoiceOver und TalkBack und arbeitete weiter an der Zugänglichkeit der Bedienoberfläche.

Das ist wichtig, ändert aber nichts daran, dass Barrierefreiheit bei einem großen Plattformumbau nicht erst nach Beschwerden repariert werden sollte. Neue Navigation, Presets, virtuelle Bedienelemente, Sprachfunktionen und KI-Assistenten müssen von Beginn an für möglichst viele Nutzer zugänglich sein.

Bei Sonos 27 wird deshalb nicht nur spannend, was die Plattform technisch kann. Es wird ebenso wichtig sein zu sehen, ob Sonos seine neuen Bedienkonzepte diesmal von Anfang an konsequent barrierefrei entwickelt und dokumentiert.

🟨 DIE HARDWARE IST NICHT BILLIG

Mit 449 Euro für den Ace Ultra und 699 Euro für die Beam Ultra bleibt Sonos klar im Premiumsegment. Sonos 27 selbst kommt als Plattformentwicklung für kompatible Geräte, aber der vollständige Funktionsumfang hängt teilweise von neuer beziehungsweise bestimmter Hardware ab.

Headphone Linking benötigt beispielsweise den Ace Ultra. Portable Surrounds setzt kompatible Lautsprecher und eine passende Heimkino-Konfiguration voraus. Wer bereits ein großes Sonos-System besitzt, bekommt deshalb nicht automatisch sämtliche neuen Möglichkeiten nur durch ein Softwareupdate.

Das ist grundsätzlich normal bei einem Ökosystem, in dem Software und Hardware eng miteinander verbunden sind. Trotzdem sollte Sonos möglichst klar kommunizieren, welche Funktionen mit vorhandener Technik möglich sind und welche tatsächlich den Kauf neuer Geräte voraussetzen.

🟨 WAS BRINGT SONOS 27 MUSIKERN UND CREATOREN?

Für professionelle Musikproduktion wird Sonos 27 kein Studiomonitor-System ersetzen. Weder Ace Ultra noch Beam Ultra werden als neutrale Referenzwerkzeuge für Mixing oder Mastering positioniert, und ohne eigene Messungen wäre eine solche Empfehlung ohnehin nicht seriös.

Interessant können die Geräte dennoch für Referenzchecks und normales Musikhören sein. Musik wird am Ende nicht ausschließlich über Studiomonitore gehört, sondern über Kopfhörer, Soundbars, Smart Speaker und Multiroom-Systeme. Gerade deshalb kann es für Produzenten sinnvoll sein zu wissen, wie eine Produktion auf typischer hochwertiger Consumer-Hardware wirkt.

Für Creator liegt der spannendere Punkt allerdings wahrscheinlich in der Software. MCP, Sprachsteuerung und flexible Gerätekonfigurationen zeigen eine Richtung, in der Audio stärker Teil automatisierter digitaler Workflows werden könnte. Sonos 27 ist deshalb für WILD LAB weniger wegen eines einzelnen Lautsprechers interessant als wegen der Frage, wie sich ein klassisches Audio-Ökosystem durch KI verändert.

🟨 DER EIGENTLICHE TEST BEGINNT ERST JETZT

Auf dem Papier gehört Sonos 27 zu den größten strategischen Veränderungen des Unternehmens seit Jahren. Portable Surrounds macht bestehende Geräte flexibler, Headphone Linking bindet Kopfhörer enger an das Multiroom-System, Beam Ultra erweitert die kompakte Soundbar um echte Höhenkanäle und Sonos 27voice versucht, klassische Sprachsteuerung mit generativer KI zu verbinden.

Dazu kommt mit MCP eine überraschend offene Schnittstelle für externe KI-Systeme. Zusammen betrachtet ergibt das keine einzelne spektakuläre Funktion, sondern den Versuch, Sonos von einem Lautsprecherhersteller zu einer umfassenderen Audio-Plattform weiterzuentwickeln.

Doch genau deshalb wäre es verfrüht, Sonos 27 bereits als gelungenen Neustart zu feiern. Mehrere zentrale Funktionen befinden sich im Early Access oder sogar noch in der Vorschau. Entscheidend wird nicht sein, wie beeindruckend die Demonstrationen aussehen, sondern wie zuverlässig das System in echten Wohnungen mit bestehenden Geräten funktioniert.

Nach dem Jahr 2024 dürfte Sonos ziemlich genau wissen, was auf dem Spiel steht. Der nächste große Fehler wäre nicht einfach ein weiteres misslungenes Update. Er würde die Frage aufwerfen, ob das Vertrauen in ein geschlossenes Audio-Ökosystem überhaupt noch gerechtfertigt ist.