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SOUNDCLOUD IST NICHT MEHR DER HINTERHOF: 100 PROZENT ROYALTIES UND DAS PROBLEM MIT DEN ERFOLGSREGELN

SoundCloud zahlt Künstlern seit November 2025 seinen vollständigen Monetarisierungs- und Distributionsanteil aus und baut sich zur umfassenden Artist-Plattform um. Doch beim Thema Discovery verschwimmen offizielle Produktregeln, Marketingversprechen und Wachstumstipps schneller, als es für Künstler angenehm ist.

Text: WILD Redaktion ·

SOUNDCLOUD IST NICHT MEHR DER HINTERHOF: 100 PROZENT ROYALTIES UND DAS PROBLEM MIT DEN ERFOLGSREGELN

100 Prozent Royalties, Distribution zu anderen Streamingdiensten, Fan-Powered Royalties, Spotlight, Analytics und ein eigenes Empfehlungssystem: SoundCloud will längst mehr sein als die Plattform für Demos, Remixe und erste Uploads. Gleichzeitig kursieren immer mehr Anleitungen dazu, wie Künstler ihre Profile für maximale Discovery optimieren sollen. WILD DEEP DIVE hat geprüft, was SoundCloud selbst tatsächlich bestätigt, welche Tipps von Distributoren stammen und wo aus belegbaren Funktionen plötzlich vermeintliche Algorithmusregeln werden.

Es gibt eine alte Vorstellung von SoundCloud, die sich erstaunlich hartnäckig hält. Man lädt einen Track hoch, schickt den Link ein paar Leuten, bekommt vielleicht einige Kommentare und hofft darauf, dass irgendjemand beim Scrollen hängen bleibt. Für Demos, Remixe, DJ-Sets und experimentelle Veröffentlichungen war die Plattform lange ein Ort, an dem Musik erscheinen konnte, bevor sie den großen Streamingdiensten überhaupt begegnete.

Dieses Bild passt 2026 nur noch teilweise. SoundCloud bietet inzwischen eigene Distribution, Monetarisierung, Promotion, detaillierte Insights und verschiedene Werkzeuge zur Fanbindung an. Seit November 2025 wirbt die Plattform zusätzlich damit, Künstlern 100 Prozent ihrer Monetarisierungs- und Distributionsroyalties weiterzugeben.

Genau in diesem Moment wird eine andere Frage wichtiger. Wenn SoundCloud nicht mehr nur Uploadplattform, sondern gleichzeitig Distributor, Vermarktungswerkzeug und Discovery-System sein möchte, müssen Künstler verstehen können, nach welchen Regeln dieses System funktioniert. Und genau dort beginnt eine Informationslandschaft, die deutlich komplizierter ist, als ein einfacher Ratgeber vermuten lässt.

🟨 100 PROZENT ROYALTIES KLINGEN EINFACHER, ALS DAS MODELL IST

SoundCloud kündigte sein neues All-in-One-Angebot am 30. Oktober 2025 an. In den aktualisierten Monetarisierungsbedingungen wurde der bisherige Distributionsanteil von 20 Prozent auf 0 Prozent reduziert. Seit dem Abrechnungszeitraum November 2025 erhalten Künstler laut SoundCloud 100 Prozent der entsprechenden Einnahmen aus SoundCloud-Monetarisierung und der Distribution zu anderen Plattformen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Einnahme ohne irgendeinen Abzug auf dem Konto landet. SoundCloud definiert seine Anteile auf Basis der jeweiligen Nettoeinnahmen, außerdem erhebt der externe Auszahlungspartner je nach Auszahlungsmethode eine Bearbeitungsgebühr. Diese beginnt laut SoundCloud bei 0,50 US-Dollar und kann abhängig von Land und Zahlungsweg deutlich höher liegen.

Die Aussage „100 Prozent Royalties“ ist deshalb nicht falsch, sie muss nur richtig gelesen werden. SoundCloud behält keinen eigenen prozentualen Distributionsanteil mehr ein. Kosten, die vorher oder nachher durch Plattformen, Steuern oder Zahlungsdienstleister entstehen, verschwinden dadurch nicht.

🟨 AUS EINER UPLOADPLATTFORM WIRD EIN KOMPLETTES ARTIST-SYSTEM

Das neue Modell ist mehr als eine einzelne Änderung bei der Ausschüttung. SoundCloud versucht, mehrere Bereiche zusammenzubringen, für die unabhängige Künstler normalerweise unterschiedliche Dienste benötigen. Upload, Monetarisierung auf SoundCloud, Distribution zu Spotify, Apple Music und weiteren Plattformen, Analytics, Promotion und Fan-Kommunikation sitzen zunehmend unter einem Dach.

Die aktuellen Artist-Pläne zeigen, wie weit dieser Umbau inzwischen geht. Der Artist-Tarif kostet bei jährlicher Zahlung derzeit 39 US-Dollar pro Jahr und erlaubt unter anderem die Distribution und Monetarisierung von zwei Tracks pro Monat. Artist Pro kostet 99 US-Dollar jährlich und hebt diese Grenzen weitgehend auf.

Auch beim Profil unterscheiden sich die Pläne. Artist kann einen Track über Spotlight hervorheben, Artist Pro bis zu fünf Tracks oder Playlists. Dazu kommen bei Pro unter anderem tiefere Insights, unbegrenzte Distribution und Monetarisierung sowie weitere Promotion-Werkzeuge.

SoundCloud verdient damit nicht mehr zwingend an einem prozentualen Anteil jeder Distribution. Ein Teil des Geschäftsmodells verschiebt sich in Richtung bezahlter Artist-Werkzeuge und Abonnements. Für unabhängige Musiker ist das ein durchaus bemerkenswerter Strategiewechsel.

🟨 DER RATGEBER, DER DEN DEEP DIVE AUSGELÖST HAT

Ausgangspunkt dieser Recherche war ein Artikel von Randi Zimmerman bei Symphonic Distribution. Der Beitrag erschien ursprünglich am 28. Juli 2026 im Symphonic Blog und wurde am 1. September von Hypebot unter der Überschrift „The Indie Artist’s Guide to Maximizing Discovery With SoundCloud“ erneut veröffentlicht.

Der Leitfaden empfiehlt Künstlern unter anderem einen einheitlichen Display-Namen, ein gut erkennbares Profilbild, einen aktuellen Banner, eine knappe Bio und funktionierende Links. Tracktitel sollen sauber benannt, Beschreibungen mit Kontext versehen und Genres sowie Tags möglichst präzise gewählt werden.

Zusätzlich empfiehlt Symphonic, Playlists als Navigation durch den eigenen Katalog zu nutzen. Eine „Start Here“-Playlist mit fünf bis zehn repräsentativen Tracks soll neuen Besuchern zeigen, womit sie beginnen können. Über Spotlight können wichtige Veröffentlichungen anschließend prominent über dem normalen chronologischen Profilverlauf platziert werden.

Das alles ist vernünftig. Und Symphonic versteckt seine Herkunft nicht. Hypebot kennzeichnet klar, dass der Text von Randi Zimmerman von Symphonic stammt.

🟨 DIE URSPRÜNGLICHE KRITIK HÄLT SO NICHT

Die zunächst naheliegende These lautete: Die besten Anleitungen zur SoundCloud-Optimierung kommen von einem Distributor und nicht von SoundCloud selbst. Nach aktueller Recherche stimmt das so nicht mehr.

SoundCloud betreibt inzwischen selbst einen ausführlichen offiziellen Guide unter dem Titel „How to promote music on SoundCloud“. Dort empfiehlt die Plattform ebenfalls ein konsistentes Künstlerprofil, ein quadratisches Profilfoto, einen passenden Banner, eine kurze Bio, aktuelle Links und den Einsatz von Spotlight.

Auch Tags, Genres, Tracktitel, Beschreibungen, Playlists, Community-Aktivität und Analytics werden dort ausführlich behandelt. Einige der Empfehlungen unterscheiden sich kaum vom Symphonic-Artikel.

Das eigentliche Problem ist deshalb nicht das Fehlen offizieller Informationen. Es liegt darin, zu unterscheiden, welche Aussagen echte dokumentierte Plattformfunktionen beschreiben und welche lediglich strategische Empfehlungen darüber sind, wie Künstler diese Funktionen angeblich am besten einsetzen sollten.

🟨 WAS SOUNDCLOUD TATSÄCHLICH OFFIZIELL BESTÄTIGT

Bei einigen Punkten ist die Dokumentation eindeutig. SoundCloud bestätigt beispielsweise, dass Genres und Tags helfen, Musik zu kategorisieren und in der Suche auffindbar zu machen. Die Plattform weist ausdrücklich darauf hin, dass Tracks mit passenden Genre-Tags bei entsprechenden Suchanfragen besser auffindbar sind.

Auch die Idee, möglichst viele ähnliche Tags einzutragen, wird offiziell zurückgewiesen. Mehrere ähnliche Genrebegriffe verbessern laut SoundCloud das Suchergebnis nicht automatisch. Der erste Tag beziehungsweise das angegebene Hauptgenre besitzt eine besondere Bedeutung für die Kategorisierung.

Spotlight ist ebenfalls klar dokumentiert. Artist-Nutzer können einen Track hervorheben, Artist-Pro-Nutzer bis zu fünf Tracks oder Playlists. SoundCloud empfiehlt selbst, dort besonders wichtige Veröffentlichungen oder Playlists zu platzieren und diese Auswahl regelmäßig zu aktualisieren.

Das sind keine geheimen Algorithmustricks. Das sind Funktionen, deren Einsatz die Plattform selbst beschreibt.

🟨 BEI DISCOVERY WIRD ES DEUTLICH KOMPLIZIERTER

SoundCloud besitzt inzwischen mehrere parallele Discovery-Systeme. Der Discover-Feed empfiehlt öffentliche Tracks anhand ihrer Ähnlichkeit zu Musik, die ein Hörer bereits hört oder mag. Das Unternehmen setzt außerdem auf automatische Audioanalyse und AI-Tagging durch die Technologie von Musiio, die SoundCloud 2022 übernommen hat.

Dazu kommt ein Empfehlungsweg für neue Uploads, den SoundCloud heute rund um First Fans beziehungsweise Amplify beschreibt. Artist-Pro-Künstler können geeignete Tracks analysieren und zunächst ungefähr 100 Hörern empfehlen lassen, deren bisheriges Hörverhalten zum jeweiligen Sound passt.

Wenn diese ersten Hörer stark reagieren, kann die Empfehlung auf bis zu ungefähr 1.000 weitere Nutzer ausgeweitet werden. Besonders erfolgreiche Tracks können anschließend für sogenannte Buzzing Playlists relevant werden.

Hier nennt SoundCloud konkrete Signale: Plays, erneutes Anhören, Engagement und Playlist-Hinzufügungen gehören zu den Faktoren, anhand derer die Reaktion dieser Testgruppe bewertet wird. Das ist wesentlich belastbarer als die üblichen pauschalen Ratschläge darüber, was angeblich „der Algorithmus“ wolle.

🟨 AUS EINEM FAKT WIRD SCHNELL EINE ALGORITHMUSREGEL

Problematischer wird es bei Empfehlungen, die sehr konkret klingen, aber nicht dieselbe Dokumentationstiefe besitzen. SoundCloud schreibt in seinem eigenen Promotion-Guide beispielsweise, starke Interaktion innerhalb der ersten 48 Stunden könne die weitere Verbreitung begünstigen. Ebenfalls empfohlen werden Dienstag und Mittwoch als besonders günstige Upload-Tage vor einem Freitag-Zyklus redaktioneller Playlists.

Der gleiche Guide behauptet außerdem, externe eingebettete Plays würden als eigenes Signal externer Nachfrage interpretiert. Solche Aussagen klingen schnell wie technische Regeln eines Empfehlungssystems.

Doch der offizielle Artikel selbst verweist bei einigen dieser Punkte auf externe Websites und nicht auf technische SoundCloud-Dokumentation. Andere konkrete Angaben lassen sich im Help Center nicht in derselben Form wiederfinden.

Damit entsteht ein ungewöhnliches Problem. Selbst eine Seite auf soundcloud.com kann gleichzeitig offizielle Produktinformation, Marketingtext, strategische Empfehlung und zusammengetragene Drittinformation enthalten.

🟨 DAS IST DER EIGENTLICHE QUELLENKNACKPUNKT

Die entscheidende Grenze verläuft deshalb nicht einfach zwischen „SoundCloud“ und „nicht SoundCloud“. Sie verläuft zwischen unterschiedlichen Arten von Aussagen.

Wenn das Help Center sagt, dass Spotlight fünf Tracks für Artist Pro erlaubt, ist das eine überprüfbare Produktfunktion. Wenn SoundCloud erklärt, dass passende Genre-Tags in entsprechenden Suchergebnissen höher ranken können, ist das eine konkrete Aussage zur Suchfunktion.

Wenn dagegen jemand sagt, Dienstag sei grundsätzlich der beste Upload-Tag oder eine bestimmte Menge Engagement innerhalb eines exakt definierten Zeitfensters sei nötig, wird daraus eine strategische Empfehlung. Solche Aussagen können sinnvoll sein, sie sollten aber nicht automatisch wie unveränderliche Plattformgesetze behandelt werden.

Genau diese Trennung fehlt in vielen Artist-Ratgebern. Eine Mischung aus belegten Funktionen, Erfahrungswerten und Marketingwissen wird anschließend als einheitliche „SoundCloud-Strategie“ weitergereicht.

🟨 SYMPHONIC IST DESHALB NICHT AUTOMATISCH EINE SCHLECHTE QUELLE

Symphonic Distribution ist ein etabliertes unabhängiges Distributions- und Artist-Services-Unternehmen, gegründet 2006 von Jorge Brea. Das Unternehmen arbeitet mit unabhängigen Künstlern und Labels und ist Mitglied der American Association of Independent Music, kurz A2IM.

Natürlich besitzt Symphonic ein kommerzielles Interesse daran, dass Musiker digitale Plattformen strategisch einsetzen und professionelle Distribution nutzen. Das bedeutet aber nicht, dass ein Ratgeber des Unternehmens automatisch falsch oder manipulativ ist.

Im konkreten SoundCloud-Guide sind viele Empfehlungen sogar erstaunlich nah an dem, was SoundCloud inzwischen selbst veröffentlicht. Ein sauberer Künstlername, aktuelle Links, präzise Genres, eine klare Bio und ein sinnvoll eingesetztes Spotlight sind weder geheim noch kontrovers.

Der Fehler wäre eher, aus einem Branchenratgeber eine technische Dokumentation des SoundCloud-Algorithmus zu machen. Genau dafür ist er nicht gedacht.

🟨 DAS PROFIL IST KEIN ALGORITHMUS-HACK, SONDERN EINE LANDINGPAGE

Der sinnvollste Gedanke aus beiden Ratgebern ist vielleicht der unspektakulärste. Ein SoundCloud-Profil muss einem neuen Besucher möglichst schnell erklären, wer der Künstler ist und welchen Track er zuerst hören sollte.

Das hat zunächst wenig mit geheimen Ranking-Signalen zu tun. Wenn ein Hörer über einen Repost, eine Empfehlung, einen Kommentar oder einen externen Link auf einem Profil landet und dort alte Links, ein unpassendes Banner und einen chaotischen Katalog vorfindet, verliert die Plattform den Besucher möglicherweise genauso schnell wieder.

Playlists und Spotlight können deshalb als Navigation verstanden werden. Nicht jeder neue Hörer möchte durch fünfzig Demos, Remixe, alternative Versionen und alte Uploads scrollen, um den einen Track zu finden, der den aktuellen Künstler am besten repräsentiert.

Für Künstler mit umfangreichem SoundCloud-Katalog ist das keine kleine kosmetische Aufgabe. Es ist Teil der Präsentation.

🟨 TAGS SOLLTEN BESCHREIBEN, NICHT TRICKSEN

Bei Tags wird die Grenze zwischen Optimierung und Wunschdenken besonders deutlich. SoundCloud selbst empfiehlt, das tatsächliche Hauptgenre zu verwenden und zusätzliche Begriffe nur dann einzusetzen, wenn sie den Sound wirklich beschreiben.

Ein Ambient-Track wird nicht automatisch erfolgreicher, weil zusätzlich Pop, Tech House oder ein bekannter Künstlername in die Metadaten geschrieben wird. Symphonic formuliert diesen Gedanken drastisch, aber richtig: Tags sollten ehrlich und nicht optimistisch gewählt werden.

Der technische Grund ist nachvollziehbar. SoundCloud verwendet Metadaten zur Kategorisierung und kombiniert diese mit Hörverhalten und automatischer Audioanalyse. Falsche Metadaten können deshalb eher dafür sorgen, dass Musik in einem unpassenden Kontext erscheint.

Discovery beginnt damit nicht bei einem geheimen Trick. Sie beginnt bei einer möglichst korrekten Beschreibung dessen, was tatsächlich hochgeladen wurde.

🟨 DIE TRANSPARENTSTE DISCOVERY-FUNKTION HEISST AMPLIFY

Interessanterweise ist SoundCloud dort am transparentesten, wo Künstler aktiv in ein Empfehlungssystem einsteigen können. Über Amplify beziehungsweise das First-Fans-System beschreibt SoundCloud relativ konkret, was nach einem Upload passiert.

Ein geeigneter Artist-Pro-Track wird zunächst einer Gruppe von ungefähr 100 realen Hörern empfohlen, die anhand ihres bisherigen Hörverhaltens zum Song passen könnten. Gute Reaktionen können die Reichweite auf ungefähr 1.000 weitere Hörer erhöhen.

Buzzing Playlists greifen diese Ergebnisse anschließend auf. Die Auswahl orientiert sich laut SoundCloud unter anderem an Plays, Replays, Playlist-Adds und Engagement der getesteten Hörer.

Das ist wesentlich hilfreicher als vage Versprechen über „mehr Sichtbarkeit“. Künstler wissen zumindest grundsätzlich, wo die ersten Empfehlungen herkommen und welche Reaktionen dort beobachtet werden.

🟨 SOUNDCLOUD VERKAUFT HEUTE NICHT NUR STREAMS, SONDERN INFRASTRUKTUR

Hier schließt sich der Kreis zum neuen Geschäftsmodell. SoundCloud möchte gleichzeitig Ort der Veröffentlichung, Discovery-Plattform, Fan-Netzwerk, Analytics-System und Distributor sein.

Ein Künstler kann einen Track direkt hochladen, ihn monetarisieren, über die Plattform zu anderen Streamingdiensten verteilen, Daten über seine Hörer auswerten und bestimmte Songs innerhalb von SoundCloud zusätzlich promoten. Das ist deutlich näher an einem kompletten Artist-Backend als an dem alten Image einer reinen Uploadplattform.

Die 100-Prozent-Royalties sind dabei ein starkes Verkaufsargument. Der wirtschaftliche Tausch dahinter lautet zunehmend: SoundCloud verzichtet auf seinen früheren Distributionsanteil, Künstler bezahlen stattdessen für den Zugang zu einem größeren Werkzeugkasten.

Ob sich dieses Modell für jeden Musiker lohnt, hängt deshalb nicht nur von der Royalties-Zahl ab. Entscheidend ist, ob die zusätzlichen Discovery-, Analytics- und Distributionsfunktionen tatsächlich genutzt werden.

🟨 SELBST DIE OFFIZIELLEN SEITEN SIND NICHT IMMER VOLLKOMMEN EINHEITLICH

Ein kleiner, aber bezeichnender Punkt zeigt, wie vorsichtig Künstler mit einzelnen Angaben umgehen sollten. SoundCloud spricht auf unterschiedlichen aktuellen Produktseiten teilweise von Distribution zu mehr als 50 Plattformen, an anderer Stelle von mehr als 60 Plattformen.

Das muss kein grundlegender Widerspruch sein. Partnerlisten können sich verändern, unterschiedliche Seiten werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten aktualisiert und Marketingangaben werden häufig gerundet.

Es zeigt aber, warum aktuelle Produktbedingungen, Pricing-Seiten und Help-Center-Einträge wichtiger sind als Screenshots oder Ratgeber, die Monate später noch durchs Netz wandern. Bei Plattformen, die ihre Angebote laufend umbauen, kann selbst eine korrekte Anleitung schnell altern.

🟨 WAS KÜNSTLER AUS ALL DEM MITNEHMEN SOLLTEN

Wer SoundCloud heute strategisch nutzen möchte, sollte Informationen in drei Kategorien trennen. Produktfunktionen und Tarifgrenzen gehören ins offizielle Help Center und auf die aktuelle Pricing-Seite. Dort wird geklärt, was Spotlight kann, wie viele Tracks distribuiert werden dürfen oder welche Insights ein Tarif enthält.

Strategische Ideen können dagegen sehr gut von Symphonic, Hypebot, anderen Künstlern oder Marketingexperten kommen. Sie sollten als Empfehlungen gelesen werden, nicht als geheime Bedienungsanleitung eines Algorithmus.

Und dann gibt es die eigene Realität. SoundCloud stellt inzwischen genügend Insights bereit, um zu beobachten, welche Tracks tatsächlich neue Hörer erreichen, woher Plays kommen und welche Fans zurückkehren. Für einen Künstler ist diese Information am Ende wertvoller als die hundertste Liste mit vermeintlich perfekten Upload-Zeiten.

Man muss SoundCloud 2026 nicht mehr wie einen digitalen Hinterhof behandeln. Man sollte es aber auch nicht wie eine Maschine betrachten, deren Erfolg sich durch zehn versteckte Schalter erzwingen lässt.

🟨 DER WIRKLICHE WANDEL IST GRÖSSER ALS EIN PROFIL-UPDATE

SoundCloud versucht derzeit, sich an einer ungewöhnlichen Stelle im Musikmarkt zu positionieren. Spotify und Apple Music sind primär Streamingdienste. Klassische Distributoren bringen Musik auf diese Dienste. Marketingplattformen kümmern sich um Promotion und Analytics.

SoundCloud möchte Teile all dieser Rollen miteinander verbinden und gleichzeitig das behalten, was die Plattform immer von vielen Wettbewerbern unterschied: Künstler können direkt hochladen, unfertige Ideen teilen, Kommentare bekommen, Nischen finden und eine Community aufbauen, bevor ein Song überhaupt in einer klassischen Releasekampagne steckt.

Deshalb ist SoundCloud tatsächlich nicht mehr der Hinterhof, als der die Plattform gelegentlich noch behandelt wird. Aber die neue Rolle verlangt auch eine neue Medienkompetenz von Künstlern.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur: Wie optimiere ich mein SoundCloud-Profil?

Sie lautet: Welche Information über diese Plattform ist eine dokumentierte Funktion, welche ist Marketing, welche ist Erfahrung und welche wird nur oft genug wiederholt, bis sie wie eine Regel klingt?