TAMILO X: EIN SONG FÜR SIE. DER ANFANG FÜR IHN.
Wie aus einem persönlichen Liebesgeständnis ein Musikprojekt wurde, zwischen Ausbildung, eigenen Texten, Suno und dem Mut zur ersten Veröffentlichung.
Text: WILD Redaktion ·

Tamilo X kann den Beginn seiner musikalischen Reise auf einen Tag genau benennen. Im WILD MIC CHECK erzählt der 18-Jährige von seinem Einstieg ohne Hilfe, dem Rückhalt seiner Crew und einem kreativen Prozess, der mit einem Gedanken beginnt. Es geht um spontane Songs, hohe Ansprüche und die Erfahrung, die eigenen Worte plötzlich im Leben anderer Menschen wiederzufinden.
🟨 Ein Gefühl, für das ein Satz nicht reichte
Am 26. Juli 2026 bekam Musik für Tamilo Peschke einen neuen Stellenwert. Er wollte einer besonderen Freundin seine Gefühle gestehen, doch ein einfaches „Ich liebe dich“ erschien ihm dafür nicht ausreichend. Also schrieb er einen Song für sie. Was ihn daran faszinierte, war die Möglichkeit, etwas hörbar zu machen, das er im Gespräch nicht so ausdrücken konnte, wie er es empfand.
Diesen ersten Versuch beschreibt er als intensiv und aufregend. Mit seinen Texten und Beats zeigte er eine verletzliche Seite, zugleich fühlte sich dieser Schritt für ihn richtig an. Heute tritt der zum Zeitpunkt des Interviews 18-Jährige als Tamilo X auf. Außerhalb der Musik macht er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker und absolviert zusätzlich ein Jahr Schweißen.
🟨 Erst allein, dann mit Rückhalt
Der Einstieg verlangte ihm Geduld ab. Tamilo musste sich zunächst ohne Hilfe mit der Technik vertraut machen und herausfinden, wie aus einer Vorstellung ein fertiger Track wird. Wenn die Umsetzung nicht gelang, kamen schnell Zweifel an den eigenen Fähigkeiten auf. Gerade diese Anfangsphase nennt er als seine bisher schwierigste Zeit als Künstler.
Später kamen Menschen hinzu, die ihn unterstützten. Er nennt Nufia, Jens und die Crew einer Show, bei der er inzwischen dabei ist. Einen entscheidenden Anstoß zur Veröffentlichung gab ihm NoFear: Nachdem dieser einen seiner Songs gehört hatte, ermutigte er ihn, ihn herauszubringen. Tamilo folgte diesem Rat und ist heute froh darüber.
Auch die Zusammenarbeit mit Nordherz Musik gab ihm wichtige Impulse. Inzwischen arbeitet er wieder eigenständig, weiß aber, dass seine Crew bei Fragen für ihn da ist. Als die ersten Tracks fertig waren und er selbst ihre Qualität sowie die hineingesteckte Arbeit wahrnahm, entstand der Wunsch, über ein Hobby hinauszugehen. Der Rückhalt aus seinem Umfeld bestärkte ihn darin.
🟨 Ein Beat, der trägt, und eine Melodie, die bleibt
Seinen Sound beschreibt Tamilo als Verbindung von Energie und Atmosphäre. Ein tragender Beat und eine einprägsame Melodie gehören für ihn zu den wesentlichen Bestandteilen eines Songs. Besonders häufig zieht es ihn zu treibenden, modernen Rhythmen und atmosphärischen Synthesizerklängen. Darin findet er den Platz für seine Stimme und seine Texte.
Melodie und Worte übernehmen für ihn unterschiedliche Aufgaben: Die Melodie vermittelt unmittelbar ein Gefühl, der Text erschließt dessen Hintergrund. Entscheidend ist, dass die Dynamik des Tracks zu seiner jeweiligen Stimmung passt. Eine feste Genregrenze möchte er sich dabei nicht setzen. Wenn ein Klang für ihn funktioniert, verwendet er ihn unabhängig davon, welcher musikalischen Richtung er zugeordnet wird.
Einen einzelnen Künstler als maßgebliches Vorbild nennt er nicht. Privat hört er, was ihn emotional erreicht, und entdeckt auch über Social Media Musik, deren Stimmungen gelegentlich unbewusst in seine Arbeit einfließen. Eine wichtige Veränderung war für ihn, sich weniger an Trends zu orientieren und stärker darauf zu achten, was ihn und die Menschen in seinem Umfeld berührt. Mit wachsender Produktionserfahrung und neuen Erlebnissen wird sein Sound nach eigener Einschätzung präziser und kraftvoller.
🟨 Vom Gedanken zu ungefähr sechs Versionen
Am Anfang steht bei Tamilo meistens ein Gedanke. Daraus entsteht der Text, anschließend das Lied. Ideen kommen ihm an unterschiedlichen Orten, etwa unterwegs oder beim Einkaufen. Besonders kreativ fühlt er sich spätabends und nachts, wenn es ruhig wird und sich aus einem Gedanken bereits Zeilen und eine mögliche Songstruktur entwickeln.
Ob eine Idee trägt, entscheidet er nach seinem Bauchgefühl. Manchmal ist ein Song innerhalb eines Tages fertig, manchmal arbeitet er eine Woche daran. Häufig entstehen ungefähr sechs Versionen, wobei diese Zahl keine feste Vorgabe ist. Welche Instrumente oder welcher Beat passen, entscheidet sich während der Arbeit.
Veröffentlicht wird erst, wenn das Ergebnis seinen persönlichen Ansprüchen entspricht. Dieser Maßstab kann ihn allerdings auch ausbremsen: Während seine Spontanität hilft, Ideen schnell einzufangen, führt sein Perfektionismus gelegentlich dazu, dass er sich selbst blockiert. Das ist eine Schwierigkeit, die er an seinem eigenen Arbeitsprozess klar benennt.
🟨 Welche Aufgaben Suno übernimmt
Tamilo nutzt Suno, um Instrumente und Beats für seine Ideen zu generieren. Die musikalische Begleitung kann er dadurch flexibel an seinen Text anpassen. Seine Gedanken und Worte bringt er selbst ein, außerdem arbeitet er nach eigener Aussage mit seiner eigenen Stimme. Welcher Beat und welche Struktur verwendet werden und wie seine Stimme darauf klingt, entscheidet er selbst.
Ein technisch überzeugendes Ergebnis reicht ihm dafür nicht. Trifft eine Generierung die Stimmung des Textes nicht, verwirft er sie. Den wesentlichen Vorteil der Technik sieht er darin, unabhängig arbeiten und spontane Einfälle unmittelbar umsetzen zu können. Er muss dafür nicht erst darauf warten, dass jemand anderes Zeit hat.
Die Sorge, KI könne Musik unpersönlicher machen, kann Tamilo nachvollziehen. Eine pauschale Abwertung lehnt er jedoch ab, weil die Technik aus seiner Sicht auch neue Möglichkeiten für unabhängige Künstler eröffnet. Für ihn entsteht der persönliche Charakter eines Songs durch Gedanken, Text und Stimme. Er erwartet, dass KI ein fester Bestandteil der Musikproduktion wird, hält die menschlichen Entscheidungen dabei aber weiterhin für ausschlaggebend.
🟨 Was zwischen den Zeilen steckt
Inhaltlich beschäftigt sich Tamilo mit seinem Alltag, inneren Gedanken und Situationen, in denen man sich durchkämpfen muss. Enttäuschungen, Ängste und große emotionale Momente lassen sich für ihn im Song leichter ansprechen als im direkten Gespräch. Das Schreiben und spätere Einsingen helfen ihm, den Kopf freizubekommen und schwierige Phasen zu verarbeiten. Er selbst vergleicht diese Wirkung mit einer Therapie.
Mit zeitlichem Abstand verändert sich auch sein Blick auf die entstandenen Lieder. Ein Song aus einer traurigen Phase kann sich beim späteren Hören weniger schwer anfühlen und stattdessen Stolz auslösen, weil er diese Zeit überstanden hat. Seine Veröffentlichungen versteht er deshalb als eine Art vertontes Tagebuch. Hinter scheinbar allgemeinen Zeilen können dabei sehr konkrete, flüchtige Alltagserlebnisse stecken.
Persönliche Songs zu veröffentlichen, kostet ihn weiterhin Überwindung. Bei vielen der Stücke, die ihm besonders wichtig sind, fragt er sich vorher, wie viel er von sich zeigen möchte. Diesen Schritt ans Mikrofon und anschließend ins Internet hält er für einen Teil seiner Arbeit, nach dem bislang kaum jemand gefragt hat. Dass er die Songs trotzdem öffentlich macht, hat nach seiner Erfahrung sein Selbstbewusstsein deutlich gestärkt.
🟨 Lernen, ohne jeden Umweg zu bereuen
Nicht jede Veröffentlichung bekam die erhoffte Aufmerksamkeit. Das konnte seine Motivation drücken, ernsthaft aufhören wollte Tamilo deshalb aber nicht. Auch Projekte oder Kooperationen verliefen mitunter anders als geplant. Rückblickend sieht er darin Erfahrungen, durch die er unabhängiger wurde und lernte, sich stärker auf seine Fähigkeiten zu verlassen.
An seiner ersten Veröffentlichung bemerkt er heute sowohl stimmlich als auch technisch, wie viel er seither gelernt hat. Trotzdem hört er sie mit Stolz, weil sie den Anfang markiert. Besonders wichtig sind ihm außerdem Arbeiten, bei denen Nordherz Musik ihn unterstützte, und Songs mit sehr persönlichen Gedanken. Wer ihn heute kennenlernen möchte, dem würde er seinen aktuellsten Track vorspielen, weil dieser seinen gegenwärtigen Entwicklungsstand am besten zeigt.
Beim Einstieg würde er sich inzwischen weniger Sorgen machen und gelassener mit Fehlern umgehen. Gleichzeitig möchte er die gemachten Erfahrungen nicht streichen. Auf die selbst gestellte Frage, ob er alles noch einmal genauso machen würde, antwortet er: „Ja. Jeder Fehler und jeder Umweg haben mich genau zu dem Sound und dem Künstler gemacht, der ich heute als Tamilo X bin.“
🟨 Zwischen Reichweite und eigenem Rhythmus
YouTube und TikTok sind Tamilos wichtigste Wege, seine Musik zu teilen. Dabei übernimmt er mehrere Aufgaben: Er singt seine Texte, erstellt Videos und steuert das Projekt mithilfe seiner Werkzeuge. Einen festen Druck, ständig neue Inhalte liefern zu müssen, möchte er daraus nicht entstehen lassen. Seine Songs lassen sich für ihn nicht unabhängig von den Gedanken erzwingen, aus denen sie hervorgehen.
Wie unterschiedlich Veröffentlichungen ankommen, überrascht ihn regelmäßig. Ein spontan an einem Tag geschriebener Song kann viel Zuspruch erhalten, während ein Stück mit deutlich längerer Arbeitszeit weniger beachtet wird. Streamingzahlen empfindet er als Bestätigung, sie stehen für ihn aber nicht an erster Stelle. Erfolg bedeutet zunächst, aus einer eigenen Idee Musik zu machen und damit Menschen zu erreichen.
Schwierigkeiten sieht er in der Menge neuer Veröffentlichungen und einer aus seiner Sicht sinkenden Aufmerksamkeitsspanne. Ihn beschäftigt, dass Songs im Internet oft innerhalb weniger Sekunden überzeugen müssen. Für unabhängige Künstler wünscht er sich bessere Chancen auf Reichweite ohne großes Budget. Sich unter diesen Bedingungen Gehör zu verschaffen, verlangt seiner Einschätzung nach vor allem Geduld.
🟨 Wenn ein fremder Mensch sich wiederfindet
Die erste freundliche Rückmeldung eines Menschen, den er überhaupt nicht kannte, blieb Tamilo besonders in Erinnerung. Dass sich jemand Zeit für seine Musik genommen hatte, gab ihm einen großen Motivationsschub. Noch stärker berühren ihn Nachrichten von Hörern, denen ein Text in einer schwierigen Lebensphase geholfen hat. Auch wenn jemand darin die eigenen Gefühle wiedererkennt, bedeutet ihm das viel.
Dabei erwartet er nicht, dass jeder seine Songs genauso versteht wie er selbst. Unterschiedliche Deutungen gehören für ihn zur Kunst, weil Menschen ihre eigenen Erfahrungen mitbringen. Im Austausch auf TikTok und YouTube interessiert ihn deshalb, was seine Zeilen bei anderen auslösen. Sein Wunsch ist, dass Hörer sich mit ihren Gedanken und Zweifeln weniger allein fühlen.
🟨 Haltung mit einer klaren Grenze
Tamilo möchte zeigen, dass man Schwächen haben und Gefühle offen ansprechen darf. Nicht jeder Song müsse eine Botschaft tragen, für sein eigenes Projekt ergeben sich persönliche Aussagen und Stimmungen jedoch aus dem Schreiben. Dabei möchte er vor allem Verständnis vermitteln und seine Sicht auf Dinge teilen. Eine Rolle zu spielen, um anderen zu gefallen, kommt für ihn nicht infrage.
Die Freiheit der Kunst endet für ihn dort, wo Respekt verloren geht. Musik darf anecken, sollte aber niemanden grundlos verletzen. Diese Haltung passt zu dem, was er auch privat von Menschen erwartet: Offenheit und die Bereitschaft, direkt zu sagen, was man denkt.
🟨 Der Mensch abseits der Songs
Wer von seinen ernsten Texten auf seinen gesamten Alltag schließt, könnte eine andere Seite übersehen. Tamilo beschreibt sich privat als locker und humorvoll, als jemanden, der gern lacht und Spaß versteht. Spontaner Humor und lustige Situationen bringen ihn zuverlässig zum Lachen. An einem freien Tag verbringt er am liebsten Zeit mit Freunden oder seiner Crew, ohne sofort wieder produktiv sein zu müssen.
Bewusster geworden ist ihm, wie wertvoll Zeit ist und mit wem er sie verbringen möchte. Als Künstler hat er außerdem Disziplin und Durchhaltevermögen an sich entdeckt. Auf seinen Lernprozess ist er unabhängig von jeder Streamingzahl stolz. Sich selbst beschreibt er mit den drei Begriffen spontan, zielstrebig und emotional.
🟨 Neue Singles und ein Blick nach vorn
Zum Zeitpunkt des Interviews arbeitet Tamilo kontinuierlich an neuen Singles und Videos. Seine Abläufe hat er inzwischen für sich gefunden, musikalisch möchte er weiterhin experimentieren. Dazu gehören neue Klangwelten in Suno ebenso wie ungewöhnliche Gesangsstile. Sich früh auf eine unveränderliche Form festzulegen, entspricht nicht seinem Verständnis von künstlerischer Entwicklung.
Für die nächsten drei Jahre wünscht er sich eine größere, beständige Community. Auch feste Plätze in großen Playlists gehören zu seinen Zielen. Das Gefühl, dass sich die Arbeit lohnt, erlebt er allerdings schon dann, wenn ein fertiger Song online geht und die ersten positiven Rückmeldungen eintreffen. Sollte seine Musik irgendwann weiterleben, ohne dass jemand seinen Namen kennt, wäre ihm vor allem wichtig, dass sie noch jemanden berührt, tröstet oder motiviert.