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TOUCH2SOUL: 60 Jahre Leben. Und endlich der eigene Sound.

Artur aus Bielefeld verbindet Clubkultur, biografische Songs und politische Haltung. Im WILD MIC CHECK erzählt er von schwierigen Lebensphasen, seinem Einstieg mit Suno und dem Wunsch, mit Musik etwas zu bewegen.

Text: WILD Redaktion ·

TOUCH2SOUL: 60 Jahre Leben. Und endlich der eigene Sound.

Nächtelang tanzen konnte er schon lange. Die eigene Musik kam erst mit Suno. Als TOUCH2SOUL verarbeitet Artur heute Erinnerungen, gesellschaftliche Sorgen und ein Leben, das ihn durch schwere Krisen geführt hat. Ein ausführliches Porträt über einen 60-jährigen Musikmacher, der an seinem Sound arbeitet, im Viertel mit anpackt und ziemlich genau weiß, warum er etwas zu sagen hat.

🟨 Wenn der eigene Track die Beine übernimmt

Ob ein Clubtrack für ihn etwas taugt, merkt Artur manchmal direkt vor dem Computer. Wenn er dort zu seiner eigenen Musik tanzt, ist etwas gelungen. Für den 60-Jährigen aus Bielefeld ist das ein vertrauter Maßstab, denn Tanzflächen gehören seit Jahrzehnten zu seinem Leben. Neu ist, dass die Musik, die ihn heute in Bewegung bringt, auch aus seinem eigenen Projekt stammen kann: TOUCH2SOUL.

Hinter diesem Namen steht ein Mann, der seine künstlerische Entwicklung offen beschreibt. Er sucht noch nach seinem unverwechselbaren Sound, baut seine Reichweite auf und probiert aus, wie viel von seiner Geschichte in einen Track passt. Zugleich ist ihm längst klar, was er mit Musik erreichen möchte. Sie soll etwas auslösen, eine Erinnerung, ein Gefühl, eine Bewegung oder auch eine Diskussion.

Im Gespräch mit WILD erzählt Artur von durchgetanzten Nächten, Spielsucht, Depressionen, Therapien und dem Wunsch, als schwuler Mann selbstverständlich frei leben zu können. Er spricht über Filme, über KI, über musikalische Vorbilder und über Nachbarschaftsfeste in Bielefeld. Diese Themen gehören für ihn zusammen, weil sie alle etwas mit seinem Blick auf Menschen zu tun haben. TOUCH2SOUL wächst aus diesem Alltag und aus Erfahrungen, die lange vor dem ersten eigenen Song da waren.

🟨 Der Wunsch war schon da, das Werkzeug kam später

Musik hatte für Artur schon immer einen hohen Stellenwert. Sie begleitete ihn durch schwierige Situationen und durch Nächte, in denen er stundenlang tanzte. Techno und House nennt er als prägende musikalische Heimat. Die Erfahrung, selbst Musik zu machen, begann für ihn allerdings erst, als er Suno kennenlernte.

Sein erster Gedanke war, dass KI eine Verbindung zwischen seinen Vorstellungen und einem hörbaren Ergebnis herstellen könnte. Er wollte sich ausdrücken und anderen zeigen, was Musik auslösen kann. Noten lesen kann er nach eigener Aussage nicht, und auch Singen zählt er nicht zu seinen Fähigkeiten. Was er mitbringt, ist ein Gespür für Sounds, Wortwitz und dafür, ein Thema auf den Punkt zu bringen.

Manchmal möchte er eine klare Aussage formulieren, manchmal ein Gefühl mit möglichst wenigen Worten transportieren. In dieser Mischung erkennt er den Kern von TOUCH2SOUL. Der Zugang über KI hat ihm die Möglichkeit eröffnet, solche Ideen musikalisch auszuarbeiten. Dass er diesen Weg offen benennt, zieht sich durch seine Antworten.

🟨 „Drifting Away“ und der Blick auf ein intensives Leben

Der erste Song hieß „Drifting Away“. Artur beschreibt ihn als eine Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, Loslassen und der melancholischen Rückschau auf ein intensives, freiheitsliebendes Leben. Damit setzte er schon am Anfang bei einem Thema an, das ihn persönlich betrifft. Die biografische Seite seines Projekts war von Beginn an vorhanden.

Eine frühe Ermutigung kam von seinem Ex-Freund, einem ausgebildeten Opernsänger. Der fand faszinierend, was sich mit KI musikalisch auf die Beine stellen lässt. Artur sagt, dass ihm diese Reaktion damals gutgetan habe. Sie war für ihn eine positive Rückmeldung aus dem Umfeld eines Menschen, der selbst eine klassische musikalische Ausbildung mitbringt.

Ob aus TOUCH2SOUL irgendwann mehr als ein Hobby wird, lässt Artur offen. Er möchte zunächst einmal Musik machen. Sollte daraus etwas Größeres wachsen, würde er sich freuen, doch er erklärt das nicht zur Voraussetzung für die Fortsetzung. Der Wunsch, weiterzumachen, ist bereits da.

🟨 Hamburg, Berlin und die musikalischen Spuren der Tanzflächen

Wenn Artur seine musikalischen Einflüsse beschreibt, führen sie auf die Tanzflächen der Achtziger und Neunziger. Hamburgs Clubs und die rauen Berliner Nächte nach dem Mauerfall gehören zu den Erfahrungen, die er dafür nennt. An dieser frühen Clubkultur faszinieren ihn Härte, Melancholie und körperliche Energie. Sie prägt bis heute seine Vorstellung davon, wie Musik wirken kann.

Front 242 und DAF stehen in seiner Aufzählung für die harte elektronische Seite. Depeche Mode verbindet er mit Melancholie, später kamen Faithless und Underworld hinzu. Aus diesen Einflüssen lässt sich verstehen, weshalb er seinen eigenen Sound als dunkel, direkt und mit Reibung beschreibt. Clubmusik ist für ihn mit Erinnerungen und einer bestimmten Intensität verbunden.

Privat hört Artur aber ebenso Kate Bush, Lo-Fi und Soul. Neben dunklen Clubklängen braucht er den organischen Freiraum, den er in anderer Musik findet. Seine Vorstellung von Qualität lässt sich deshalb nicht auf ein Genre reduzieren. Musik muss für ihn Seele und Reibung besitzen, Perfektion allein reicht ihm nicht.

🟨 Die eigene Handschrift ist noch in Arbeit

Nach seinem musikalischen Erkennungszeichen gefragt, behauptet Artur nicht, die Suche bereits abgeschlossen zu haben. Er arbeitet daran. Im Vordergrund stehen derzeit Clubmusik und biografische Stücke, also sowohl die körperliche Wirkung als auch das persönliche Erzählen. Die Verbindung dieser beiden Interessen bildet den Ausgangspunkt für seine weitere Entwicklung.

Eine Grenze zieht er beim Schlager. Damit wertet er nach eigener Aussage niemanden ab, sondern beschreibt, was nicht zu ihm passt. Für TOUCH2SOUL sucht er einen Ausdruck, der seine eigene Haltung trägt. Dunkelheit und Direktheit gehören dazu, ebenso die Bereitschaft, Unbequemes stehen zu lassen.

🟨 Ein Gedanke, ein Bild und manchmal fünfzig neue Anläufe

Am Anfang eines Songs steht bei Artur meistens ein Gedanke. Auslöser können Nachrichten sein, alte Fotos oder etwas, das ihm beim Scrollen durch Facebook begegnet. Irgendetwas trifft ihn, und anschließend sucht er nach dem passenden Klang. Die Frage nach der musikalischen Umsetzung folgt auf einen persönlichen Impuls.

Aus diesem ersten Impuls kann eine ausgedehnte Arbeit am Material werden. Artur erzählt, dass er sich gern in einen Song verenne. Fünfzigmal neu abzumischen sei für ihn keine Seltenheit. Diese Zahl nennt er als Beispiel dafür, wie schwer ihm das Aufhören an einem einzelnen Stück manchmal fällt.

Er arbeitet deshalb auch daran, loszulassen. In seinen Antworten zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach einem treffenden Ergebnis und dem Drang, immer noch etwas zu verändern. Gerade weil ihm der Inhalt etwas bedeutet, fällt die Entscheidung für eine endgültige Fassung offenbar nicht immer leicht. Einen fertigen Track zu akzeptieren, gehört damit ebenfalls zu seinem Lernprozess.

🟨 Ein Leben, das nach Ausdruck gesucht hat

Artur spricht ungewöhnlich offen über Belastungen in seiner Biografie. Er nennt Spielsucht in unterschiedlichen Facetten, sechs Monate Therapie und Depressionen. In seiner Rückschau spricht er außerdem von zehn Therapeuten und davon, seit 35 Jahren „trocken“ zu sein. Auch der Alkoholismus seiner Mutter gehört zu den Erfahrungen, die er als prägend beschreibt.

Aus diesen Angaben entsteht keine lückenlose Lebenschronik, wohl aber ein Eindruck davon, welches Gewicht seine persönlichen Themen haben. Artur verknüpft sie mit der Frage, weshalb Musik für ihn so wichtig geworden ist. Besonders in einer schweren depressiven Phase und in der dunkelsten Zeit seiner Spielsucht habe sie ihm geholfen, durchzuhalten. Er erzählt das als eigene Erfahrung mit Musik in einer sehr belastenden Zeit.

Seine Suche nach Ausdruck begann jedoch lange vor TOUCH2SOUL. Pantomime, Tanzen, Schauspielerei und Theater nennt er als weitere Stationen. Er hat also schon auf unterschiedlichen Wegen versucht, Empfindungen und Erfahrungen nach außen zu tragen. Heute ist Musik für ihn der Ort, an dem diese Seiten zusammenkommen.

🟨 Lieber dreißig Stunden am Tag

Einen wirklich schweren Wendepunkt als Künstler hat Artur nach eigener Einschätzung noch nicht erlebt. Er sieht sich noch nicht im Vollprofi-Modus und beschreibt seine bisherige Entwicklung entsprechend nüchtern. Ans Aufhören denkt er allerdings nicht. Wenn ihm mehr Geld zur Verfügung stünde, würde er nach eigener Aussage gern richtig durchstarten.

Als großes Vorbild nennt er Farbwende. Was ihn an der eigenen Arbeit besonders überrascht hat, ist die Lust, sehr viel Zeit dafür aufzuwenden. Musik sei eines der wenigen Dinge, für die er gern dreißig Stunden am Tag hätte. In dieser etwas unmöglichen Zeitrechnung steckt ziemlich anschaulich, wie viel Energie das Projekt bei ihm freisetzt.

🟨 „NORMAL“ und die Angst um ein selbstverständliches Leben

Unter seinen bisherigen Veröffentlichungen hat „NORMAL“ für Artur einen besonderen Stellenwert. Er bezeichnet das Projekt als EP und verbindet es mit seiner Sorge um die Demokratie. Im Interview verweist er auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und auf den politischen Erfolg einer Partei, die er als rechtsextrem bezeichnet. Er erlebt diese Entwicklung als historischen Einschnitt und sieht darin beunruhigende Parallelen zur Vergangenheit.

Entscheidend für das Verständnis seiner Musik ist dabei die persönliche Angst, die er schildert. Als schwuler Mann habe er jahrelang darum gekämpft, normal leben zu können. Nun sorge er sich darum, ob er sich künftig weiterhin frei bewegen und selbstverständlich so leben könne, wie er ist. Der Titel „NORMAL“ bekommt vor diesem Hintergrund eine sehr konkrete Bedeutung.

Artur möchte politische Themen musikalisch erzählen, ohne dass die Stücke nach seiner Vorstellung zwangsläufig politisch klingen müssen. Ihn interessieren Storytelling, Clubklänge und Crossover-Produktionen. Eine gesellschaftliche Aussage darf bei ihm deshalb über ein Gefühl oder eine musikalische Situation vermittelt werden. Für ihn beginnt sie bei der Frage, was eine Entwicklung im eigenen Leben auslöst.

Dass seine Absicht beim Publikum nicht automatisch genauso ankommt, merkt er ebenfalls. Viele hätten das Konzept hinter „NORMAL“ noch nicht so verstanden, wie er es entwickelt habe. Daraus zieht er die Schlussfolgerung, dass es noch viel zu erzählen gibt. Die Veröffentlichung ist für ihn damit auch der Beginn eines Gesprächs über die Gedanken hinter den Songs.

🟨 Persönliche Geschichten und Impulse für den Club

Artur sagt, dass er bisher noch nicht sehr viel veröffentlicht habe. Ein Teil seiner Musik findet sich auf SoundCloud, weitere Veröffentlichungen bringt er über DistroKid auf die Streamingplattformen. Die Wege nach draußen sind also vorhanden, während das Projekt noch wächst. Eine ausformulierte Erfolgsgeschichte macht er daraus nicht.

Bei den biografischen Tracks steht nach seiner Beschreibung immer eine Geschichte dahinter. Clubstücke beginnen häufiger mit einem Impuls von außen. Beide Arbeitsweisen können ihn zu Musik führen, in der er sich wiederfindet. Bei den tanzbaren Stücken bleibt die Reaktion vor dem Computer ein besonders unmittelbarer Gradmesser.

🟨 Filme liefern die inneren Szenen

Artur denkt beim Musikmachen stark in Bildern. Filme bezeichnet er sogar als seine wichtigste Inspirationsquelle. Er nennt „Clockwork Orange“, „Sue, eine Frau in New York“ und dystopische Stoffe. Wenn er Tracks entwickelt, stellt er sich Filmszenen vor.

Das erklärt, weshalb ihm Atmosphäre und Storytelling so wichtig sind. Eine musikalische Idee kann für ihn aus einer gedanklichen Szene heraus wachsen, bevor ihre konkrete Form feststeht. Gegenwärtig begeistern ihn besonders Clubsounds und Produktionen, die unterschiedliche Ausdrucksweisen zusammenbringen. Seine filmischen Bezugspunkte geben einen Einblick in die Bildwelten, aus denen solche Ideen entstehen.

🟨 Was er selbst entscheiden möchte

Seinen Blick auf das Ergebnis vergleicht Artur mit dem Fotografieren. Wie anstrengend der Weg dorthin war, ist für ihn nicht das entscheidende Kriterium. Jede Note und jeder Beat sollen am Ende zu einem Hörerlebnis beitragen, das packt. Der Aufwand erhält seinen Sinn dadurch, dass die Musik etwas vermittelt.

Ehrlichkeit im Text bildet für ihn das Fundament. Entsprechend wichtig ist ihm die Kontrolle darüber, wie er sich ausdrückt. Wenn Artur über die Zukunft seines Projekts spricht, formuliert er seine Unabhängigkeit deutlich: kein Label, kein Verlag und keine Kompromisse bei seinem Ausdruck. Er möchte selbst bestimmen können, was TOUCH2SOUL sagt und wofür der Name steht.

Den Projektnamen versteht er als ein persönliches Versprechen. Bevor ein Stück jemand anderen erreicht, muss es ihn selbst berührt haben. Diese Vorstellung verbindet seine Auswahlentscheidungen mit seinem Anspruch an Glaubwürdigkeit. Er will etwas veröffentlichen, hinter dem er mit seinen eigenen Empfindungen stehen kann.

🟨 KI, die eigene Idee und das entscheidende Nein

Wann wird ein mit KI entstandenes Stück für Artur zu seinem Song? Seine Antwort setzt bei der Reihenfolge an: Die Emotion muss vor dem Prompt da gewesen sein. Der Gedanke, das Konzept und die Aussage kommen aus seiner Sicht von ihm. Suno übernimmt die klangliche Umsetzung.

Zur eigenen Handschrift zählt er ausdrücklich auch das Verwerfen. Er wirft viel Material weg, weil er sich darin nicht wiedererkennt. Das Nein zu einem Ergebnis ist für ihn eine künstlerische Entscheidung. Seine Auswahl soll sicherstellen, dass ein Track zu seiner Vorstellung und zu TOUCH2SOUL passt.

Artur fasst seine Arbeitsteilung mit dem Werkzeug knapp zusammen: „Suno macht den Sound.“ Was dahintersteckt, ordnet er seiner eigenen Erfahrung, Emotion und Vorstellung zu. Die Nutzung der KI versteckt er nicht. Für ihn gehört die Transparenz darüber zu einem ehrlichen Umgang mit dem Projekt.

Die Kritik von Musikern, die über Jahre ein Handwerk erlernt haben, respektiert er. Ungerecht findet er den pauschalen Vorwurf, KI-Musik könne keine Kreativität enthalten. Prompten ist für ihn ein kreativer Vorgang, weil er Vision, Emotion und Konzept einbringt. Diese Position formuliert er als sein Verständnis des eigenen Schaffens.

🟨 Erfolg beginnt bei einem Menschen, den ein Song erreicht

Streamingzahlen sind für Artur kein zentraler Antrieb. Erfolg bedeutet zunächst, Musik zu machen, die er selbst gern hört. Hinzu kommt der Wunsch, jemanden zu erreichen, dem ein Stück etwas bedeutet. Wenn ein Track irgendwo auf der Welt einen Menschen in einem bestimmten Moment begleitet, wäre das für ihn bereits ein Erfolg.

Einen wirklich überraschenden Moment durch Reichweite oder Resonanz hat er nach eigener Aussage bisher noch nicht erlebt. Dafür ist sein Publikum noch zu klein. Er erzählt das ohne große Ausschmückung und mit Zuversicht, dass ein solcher Moment noch kommen kann. Seine Erwartungen lassen Raum für eine Entwicklung, die gerade erst Gestalt annimmt.

Auch die Community ist noch im Aufbau. Es gibt bislang keinen umfangreichen direkten Austausch, wie ihn ein bekannteres Projekt vielleicht erlebt. Artur möchte diese Verbindung dennoch herstellen, über Gefühle, Erinnerungen und Gespräche, die seine Musik anstößt. Dass er dabei noch am Basteln ist, empfindet er als einen stimmigen Teil seines jetzigen Standes.

🟨 Der Mann, der sich um sein Viertel kümmert

Ein perfekter freier Tag hat für Artur mit Ruhe und persönlichem Kontakt zu tun. Ehrenamtlich engagiert er sich bei der AWO im Quartiersbüro Am Lehmstich in Bielefeld. Dort geht es darum, Menschen zusammenzubringen und Nachbarschaft mitzugestalten. Diese Arbeit gibt ihm nach eigener Aussage genauso viel wie die Musik.

Sein Ideal lässt sich ziemlich konkret beschreiben: morgens einen Track fertigstellen und nachmittags mit Menschen zusammen sein. Demokratie leben, nennt er das. Damit bekommt seine gesellschaftliche Haltung einen Platz im Alltag. Sie zeigt sich für ihn auch darin, wie Menschen vor Ort miteinander umgehen.

Was andere an ihm überraschen könnte, ist nach seiner Einschätzung seine Bodenständigkeit. TOUCH2SOUL mag nach einer großen Bühne klingen, doch Artur organisiert ebenso Nachbarschaftsfeste und kümmert sich um seinen Kiez. Zum Lachen bringen ihn ehrliche, unverstellte Menschen, die ohne Scheu sie selbst sind. Diese Offenheit schätzt er im persönlichen Kontakt ebenso wie in seiner Musik.

🟨 MR. TOUCH2SOUL und die Bilder zum Projekt

Zum eingereichten Dossier gehören Beschreibungen eines Logos, eines künstlerischen Avatars und verschiedener Cover. Die Wortmarke „TOUCH2SOUL RECORDS“ wird als schwarzes, minimalistisches Logo auf hellem Hintergrund beschrieben. Eine große, zentrierte Zwei verbindet dabei die Elemente TOUCH und SOUL, darunter steht RECORDS. Der gewünschte Eindruck ist sauber, zeitlos und vielseitig einsetzbar.

Der Avatar trägt den Namen MR. TOUCH2SOUL. In den Beschreibungen erscheint er als markanter Mann mit Salz-Pfeffer-Bart, blauen Augen und grauem Haar. Diese Figur ist ausdrücklich die künstlerische Darstellung des Projekts. Die vier geschilderten Szenen zeigen unterschiedliche Seiten der Bildwelt, die Artur damit verbindet.

Im Club steht der Avatar in blau-rotem Licht und Rauch, mit dunklem offenem Hemd und intensivem Blick in die Kamera. Auf einer Wiese liegt er entspannt zwischen Wildblumen, trägt ein dunkles Leinenhemd und ist von Sommerlicht umgeben. Am nebligen Bergsee sitzt er in der Dämmerung und schaut nachdenklich ins Wasser. Eine vierte Szene zeigt ihn lachend mit zwei älteren Menschen auf einer Parkbank, in Jacke und Jeans, warm und nahbar.

Die Motive reichen damit von Clubenergie über Ruhe und Melancholie bis zur Begegnung mit anderen Menschen. Das passt zu den unterschiedlichen Interessen, die Artur im Interview beschreibt. Seine Außendarstellung soll offenbar Platz für mehr als eine Stimmung bieten. Die Beschreibungen der Bilder ergänzen so das Porträt eines Musikmachers, der Tanzen, Nachdenken und Nachbarschaft gleichermaßen wichtig nimmt.

🟨 Die Coverwelt zwischen Widerstand und Verletzlichkeit

Auch die beschriebenen Artworks führen durch sehr unterschiedliche Stimmungen. Für „NORMAL“ nennt das Dossier eine Plattenbauszenerie im Regen, einen roten Stuhl auf nassem Kopfsteinpflaster und weiße sowie rote Schrift. Das Bild wird dort als politisch und eindringlich charakterisiert. Es ergänzt die persönlichen Sorgen, die Artur mit der EP verbindet.

Ein weiteres Artwork trägt im eingereichten Dossier die Schreibweise „TODSUNEDEN“. Beschrieben werden sieben Lichtstrahlen in Regenbogenfarben und ein athletischer Tänzer im Zentrum. „KEINEN METER“ arbeitet laut Unterlagen mit Konzert-Silhouetten, psychedelischen Wellen und einer bunt-aggressiven Gestaltung. Für dieses Motiv nennt das Dossier Energie und Widerstand als zentrale Eindrücke.

„SILICON OVERDRIVE“ führt in einen roten Serverraum mit leuchtendem Schriftzug und einer digitalen Explosion. Bei „JUCKT MICH NULL“ steht eine Frau mit Kaugummiblase vor einem asiatisch geprägten Hintergrund in farbigem Licht. Das erste Motiv wird als dunkel und technoid, das zweite als unbeschwerter Trotz beschrieben. Die Gegenüberstellung zeigt, wie weit die visuelle Stimmung innerhalb des Projekts reichen soll.

„HERZGEBROCHEN UND AM ARSCH“ verbindet eine Frau am Bahnhof mit einem Mann an einer Graffitiwand und der Stimmung eines Sonnenuntergangs. „GENERATION WATTEBAUSCH“ setzt dagegen auf einen explodierenden Wattebausch vor schwarzem Hintergrund. Für „DAS LAUTESTE SCHWEIGEN“ nennt die Beschreibung einen alten Mann in einer Ruine, einen Flügel und ein Cello. Hier stehen urbane Melancholie, eine reduzierte Provokation und eine dunkle, filmische Szenerie nebeneinander.

Spielerischer wird die Bildsprache bei „BARBRA WHO“, dessen Cover eine Discokugel mit Gesicht in rot-blauer Clubatmosphäre zeigt. „EYE TO EYE“ wird als extreme Nahaufnahme eines Hundeauges beschrieben, mit einer Herzschlaglinie in der Spiegelung der Pupille. „IN MEMORY OF MARIANNE FAITHFULL“ arbeitet laut Dossier mit einem blauen Porträt und einem Hommage-Text. Diese Motive ergänzen Ironie, emotionale Nähe und Erinnerung als weitere Facetten der visuellen Welt von TOUCH2SOUL.

🟨 „STILL HIM“ wartet, die Suche geht weiter

Zum Zeitpunkt seiner Antworten ist „NORMAL“ nach Arturs Angaben bereits erschienen, während „STILL HIM“ noch wartet. Über einen Termin oder nähere Inhalte des nächsten Projekts macht er keine Angaben. Er beschreibt seine Gegenwart als Arbeit am Sound, an der Reichweite und an sich selbst als Künstler. Diese Entwicklung möchte er bewusst fortsetzen.

Musikalisch hat er dafür eine konkrete Richtung im Kopf. Er möchte sich von den für ihn typischen Suno-Rhythmen entfernen und zu etwas kommen, das eindeutig nach TOUCH2SOUL klingt. Darin steckt der Wunsch, seine bisherigen Entscheidungen weiter zu schärfen. Das Werkzeug hat ihm den Einstieg ermöglicht, nun sucht er nach einem Ausdruck, den er stärker als seinen eigenen erkennt.

Den Moment, in dem sich für ihn alles gelohnt hätte, beschreibt er über eine mögliche Rückmeldung. Jemand könnte ihm sagen, dass sein Song durch eine Situation geholfen habe, die allein kaum zu bewältigen gewesen wäre. Weil Artur selbst erlebt hat, wie wichtig Musik in schweren Phasen sein kann, besitzt dieser Wunsch für ihn besonderes Gewicht. Er möchte etwas weitergeben, das er selbst einmal gebraucht hat.

🟨 Was bleiben soll

Wirklich kreativ fühlt sich Artur, wenn der Gedanke bereits vor der Arbeit mit dem Tool vorhanden ist. Häufig missverstanden fühlt er sich dort, wo KI-Musik grundsätzlich eine eigene Aussage abgesprochen wird. Bei ihm komme die Aussage zuerst, erklärt er, anschließend werde sie mithilfe der KI umgesetzt. Stolz ist er darauf, Themen anzupacken, die andere vermeiden.

Von seiner Musik soll nach seinem Wunsch vor allem die Ehrlichkeit bleiben. Ein Mensch soll einen Track hören und spüren, dass Artur das tatsächlich so gemeint hat. Als drei Begriffe für sich selbst nennt er ehrlich, bodenständig und berührend. Außerdem beschreibt er sich als empathisch und merkt an, dass diese Empfindsamkeit manchmal auch ein Fluch sein könne.

Seinem jüngeren Ich würde er raten, einfach anzufangen. Man müsse nicht erst gut genug sein oder auf die perfekten Werkzeuge warten. Die Tools würden kommen, der Sound könne sich entwickeln, doch den ersten Schritt müsse man selbst machen. Dieser Rat passt zu einem Projekt, dessen Beginn für ihn lange nach den ersten intensiven Musikerfahrungen lag.

🟨 Die Frage nach dem Mut

Zum Abschluss spricht Artur eine Frage an, die ihm nach eigener Aussage zu selten gestellt wird. Wie viel Mut kostet es, Musik unter eigenem Namen zu veröffentlichen, wenn man weiß, dass manche den Entstehungsprozess ablehnen? Oft werde über das Verfahren gesprochen, während das persönliche Erleben der Menschen dahinter wenig Raum bekomme. Er wünscht sich mehr Interesse daran, wie es sich anfühlt, mittendrin zu stehen.

Für Artur ist Musik der ehrlichste Weg, etwas auszudrücken, wofür Worte allein nicht reichen. Wenn dadurch auch nur ein Mensch das Gefühl bekommt, verstanden zu werden, hat sich die Arbeit für ihn gelohnt. Das ist der Anspruch, an dem er TOUCH2SOUL misst. Seine Suche nach dem eigenen Sound trägt deshalb von Anfang an eine sehr persönliche Absicht.