Cass W: Aus einem Spaß wurde absolute Leidenschaft
Vom ersten Suno-Versuch zum eigenen Hardstyle-Mix.
Text: Andreas Arndt ·

Im Mai 2025 begann Katrin Schmidt aus Gosheim in Baden-Württemberg Musik zu machen. Nicht Jahre zuvor, nicht irgendwann in ihrer Jugend, sondern erst vor etwas mehr als einem Jahr.
Heute veröffentlicht die 55-Jährige als Cass W eigene Songs zwischen Hardstyle-Mix, Hardstyle, EDM und Balladen, experimentiert mit ungewöhnlichen Genreverbindungen und arbeitet daran, ihre älteren Stücke nach und nach neu entstehen zu lassen. Angefangen hat all das mit einem Spaß in einer Walker-Gruppe und einem ersten Song, der ihr so gut gefiel, dass sie weitermachen wollte.
AUS EINEM SPASS WIRD MUSIK
Der Ausgangspunkt war Alan Walker. Seine Musik gehört bis heute zu den wichtigsten Inspirationen von Cass W, und selbst der Schal mit dem Walker-Logo vor ihrem Gesicht ist eine sichtbare Verbindung dazu. In einer Walker-Gruppe entstand im Mai 2025 aus einem Spaß heraus die Idee, Songs umzuschreiben und sie mit Suno in einer musikalischen Richtung entstehen zu lassen, die ihr gefiel. Cass bezeichnet sich selbst als sehr wählerisch, wenn es um Musik geht. Nachdem sie Suno zunächst einfach ausprobiert hatte, kam deshalb der Gedanke auf, selbst einmal etwas zu machen, das ihrem eigenen Geschmack entspricht.
Der erste Song veränderte etwas. Nicht, weil damit sofort ein großer Plan verbunden gewesen wäre, sondern weil Cass das Ergebnis schlicht richtig gut gefiel. Genau dieser Moment war für sie der Punkt, an dem sie wusste, dass sie mit Musik weitermachen wollte. Aus dem ersten Versuch wurden weitere Songs, und schon am 22. Mai 2025 erschien mit „Und vielleicht vielleicht“ ihre erste Veröffentlichung.
Auch musikalisch blieb Cass nicht ausschließlich bei der Richtung, mit der alles angefangen hatte. Nach und nach entwickelte sie ihren eigenen Hardstyle-Mix aus verschiedenen Genres, der heute den größten Teil ihrer Songs prägt. Dazu kamen reine Hardstyle-Stücke und inzwischen auch Balladen. Weil sie gerne an Themenabenden teilnimmt, entstanden darüber hinaus bereits ganz andere Kombinationen, darunter Country oder Klassik in Verbindung mit EDM. Für Cass besteht ihr eigener Stil gerade aus dieser Mischung unterschiedlicher Genres. Einen Grund, sich deshalb über andere Künstler zu stellen, sieht sie nicht. Ihre Haltung dazu ist einfach: „Eigentlich nichts, denn jeder Künstler ist auf seine Weise gut.“
DER MOMENT, IN DEM DIE MUSIK NACH DRAUSSEN GEHT
Songs entstehen zu lassen war das eine, sie öffentlich zu zeigen das andere. Cass nennt genau diesen Schritt als eine der Herausforderungen auf ihrem bisherigen Weg. Sie musste sich erst überwinden, ihre Musik online zu stellen. Als sie es schließlich tat, kam irgendwann über TikTok eine Nachricht, die für sie zu einem besonderen Meilenstein wurde. Jemand fragte, ob er einen ihrer Songs für ein Spiel verwenden dürfe. Für Cass war damit plötzlich klar, dass es tatsächlich Menschen außerhalb ihres eigenen Umfelds gibt, denen ihre Musik gefällt.
Ein weiterer Song, auf den sie besonders stolz ist, ist ihr „Erlkönig Hardstyle“. Gerade dieser Titel kam auf Spotify sehr gut an und wurde damit für sie zu einem der bisherigen Erfolgsmomente ihres noch jungen musikalischen Weges. Dass dabei ausgerechnet ein Stoff wie der Erlkönig in ihrer Hardstyle-Welt landet, passt zu einer Künstlerin, die ohnehin gerne unterschiedliche Richtungen ausprobiert und nicht jeden Song nach demselben Muster entstehen lassen möchte.
Mit der Veröffentlichung ihrer Musik kamen allerdings nicht nur positive Reaktionen. Cass kennt auch jemanden, der sie immer wieder dafür kritisierte, dass sie KI-Musik macht. Einen Gedanken ans Aufgeben löste das bei ihr nicht aus. Ihre Reaktion darauf war vielmehr: jetzt erst recht. Daraus hat sich eine Haltung entwickelt, die sie heute auch anderen mitgeben möchte. Wer an etwas Spaß hat, soll sich diesen Spaß nicht von anderen nehmen lassen.
Gleichzeitig bedeutet Weitermachen für Cass nicht, alles nur für sich allein zu machen. Gerade der Austausch mit anderen Künstlern ist ihr wichtig, weil sie darin eine Möglichkeit sieht, weiterzulernen. Normalerweise arbeitet sie alleine, doch wenn jemand fragt und sich ein gemeinsames Projekt ergibt, macht sie gerne mit. So entstand bereits ein Album gemeinsam mit M.A.R, außerdem hat sie zwei gemeinsame Songs mit dem neuen Künstler Dentixmusik gemacht.
ZWISCHEN HARDSTYLE, BALLADEN UND PERSÖNLICHEN GESCHICHTEN
Bei der Entstehung ihrer Musik beginnt Cass meistens mit dem Text. Erst danach kommt die Musik dazu, abhängig davon, welche Richtung für den jeweiligen Song besser passt. Sie schreibt gerne Texte um, wenn ihr Songs gefallen, und entwickelt auf dieser Grundlage ihre eigene Fassung. Danach entscheidet sich, wie das Ganze musikalisch klingen soll.
Dass inzwischen auch Balladen zu ihrer Musik gehören, erweitert diese Möglichkeiten noch einmal. Cass möchte dabei zeigen, dass eine Ballade nicht automatisch traurig sein muss. Ihre Songs sollen Freude auslösen können und im besten Fall auch ein bisschen Gänsehaut. Gleichzeitig interessiert sie der Gedanke, mit Musik etwas aufzugreifen, das andere Menschen vielleicht selbst gerade fühlen.
Einer ihrer persönlich wichtigsten Songs ist „Halt mich nicht fest“, den sie inzwischen neu als Ballade umgesetzt hat. Hinter diesem Stück steht eine Erfahrung aus ihrem eigenen Leben. Ihr Mann ging wegen einer Arbeit rund 700 Kilometer weit weg, während Cass mit seinen kleinen Kindern zu Hause blieb. Nach ungefähr zwei Jahren kam er schließlich wieder ganz nach Hause. Gerade deshalb bedeutet ihr dieser Song besonders viel.
Nicht jeder Titel muss dabei ausschließlich von einer persönlichen Geschichte handeln. Musik darf für Cass auch eine Botschaft transportieren. Bei „Wir stehen auf“ geht es ihr darum zu zeigen, dass Menschen gemeinsam gegen Mobbing stehen können. Der Wunsch, anderen etwas zu geben, das ihnen gefällt oder etwas ausdrückt, das sie vielleicht selbst gerade fühlen, gehört für sie zu den Dingen, die sie beim Schreiben und Produzieren inspirieren.
KI ALS WERKZEUG, DIE VORSTELLUNG KOMMT VON CASS
Cass spricht offen darüber, welche Rolle künstliche Intelligenz bei ihrer Musik spielt. Für sie ist sie sehr wichtig, weil sie damit Songs umsetzen kann, die sie allein nach eigener Einschätzung nicht so hinbekommen würde. Ihre zentrale Produktionsplattform ist Suno, für das Mastering nutzt sie Moises. Außerdem arbeitet sie mit ChatGPT und Grok. FL Studio besitzt sie ebenfalls, sagt aber selbst, dass sie damit bisher noch nicht richtig klarkommt.
Die Vorstellung davon, wie ihre Songs klingen sollen, kommt dabei von ihr. ChatGPT setzt sie unter anderem ein, um Texte ins Englische oder Spanische zu übersetzen und zunächst passende Prompts für ihre musikalischen Ideen zu finden. Diese Vorgaben verändert sie anschließend nach Bedarf weiter, bis das Ergebnis zu ihrer Vorstellung passt.
Für Cass ist dieser Prozess längst zu einem festen Teil ihres Musikmachens geworden. Gleichzeitig sieht sie die Entwicklung noch lange nicht am Ende. KI-Musik werde immer besser und eröffne immer mehr Möglichkeiten, gute Musik zu machen. Für die Zukunft hofft sie vor allem darauf, dass KI-Musik irgendwann stärker akzeptiert wird.
Gerade weil sie selbst erlebt hat, wie negativ manche Menschen auf diese Form der Musikproduktion reagieren, bleibt für sie dabei eine Sache entscheidend: Der Spaß an der eigenen Musik darf nicht davon abhängig werden, ob andere die verwendeten Werkzeuge akzeptieren.
MUSIK, DIE MENSCHEN ERREICHEN SOLL
Der Kontakt zu ihren Hörern ist Cass sehr wichtig. Mit einigen schreibt sie auch privat und tauscht gerne ein paar liebe Worte aus. Kommentare und Nachrichten bedeuten ihr viel, weil sie ihr zeigen, dass es Menschen gibt, denen gefällt, was sie macht. Besonders nahe gehen ihr Rückmeldungen, in denen jemand schreibt, ein Song habe Gänsehaut ausgelöst.
Für Cass entsteht damit etwas, das über das eigentliche Produzieren hinausgeht. Sie möchte Musik machen, die anderen Freude bereitet, vielleicht ein Gefühl aufgreift, das jemand selbst kennt, oder bei bestimmten Themen eine gemeinsame Haltung ausdrückt. Genau deshalb gehören sowohl ein Hardstyle-Song wie der „Erlkönig“ als auch eine persönliche Ballade wie „Halt mich nicht fest“ oder ein Song gegen Mobbing wie „Wir stehen auf“ zu ihrem Musikprojekt.
Auch in ihrem privaten Leben spielt Familie eine große Rolle. Cass ist Mutter von vier Kindern, zwei davon sind bereits erwachsen. Ihre beiden jüngeren Kinder sind Jerry und Jamie. Jamie ist 14 Jahre alt und kam mit einem Genfehler zur Welt. Besonders die ersten Jahre beschreibt Cass als sehr anstrengend, inzwischen laufe vieles deutlich besser.
Und dann ist da Jerry, der inzwischen selbst angefangen hat, eigene Songs zu schreiben.
UND DANN MACHT JERRY SEINE EIGENE MUSIK
Jerry ist 15 Jahre alt und wird im Oktober 16. Als sein Song „Hölle voller Angst“ bei René im Livestream vorgestellt wurde, lag zunächst die Vermutung nahe, dass es sich dabei vielleicht um ein gemeinsames Projekt mit seiner Mutter handeln könnte. Jerry selbst macht jedoch sehr deutlich, dass das nicht der Fall war.
Den Text zu „Hölle voller Angst“ hat er selbst geschrieben. Eine persönliche Hintergrundgeschichte steckt nach seiner Aussage nicht dahinter. Es war ein Gedanke, der ihm zufällig kam und den er anschließend immer weiter ausgearbeitet hat. Auch die musikalische Umsetzung übernahm Jerry selbst. Von seiner Mutter nutzte er lediglich das Suno-Abonnement.
Dabei war „Hölle voller Angst“ nicht einmal sein erster eigener Song. Zuvor hatte Jerry bereits „Wunderbar“geschrieben und ebenfalls mit Suno umgesetzt. Seine Freunde fanden den Song gut, und genau das brachte ihn dazu, es noch einmal zu versuchen.
Für „Hölle voller Angst“ entwickelte Jerry seine Prompts selbst und probierte verschiedene Varianten aus. Vieles gefiel ihm zunächst nicht, weshalb er weiter testete. Gegen Ende entstanden mehrere Ergebnisse, die ihm so gut gefielen, dass die Auswahl der richtigen Version sogar schwierig wurde. Er beschreibt seine Vorgehensweise selbst ziemlich unkompliziert: Er dachte sich die Prompts aus und probierte einfach aus, was damit passiert.
Musik interessiert Jerry auch unabhängig von Suno. Er hört viel und sehr gerne Musik und lernt derzeit Gitarre, was ihm nach eigener Aussage viel Spaß macht. Zu den Künstlern und Richtungen, die ihn interessieren, gehören SDP, Die Toten Hosen und Die Ärzte im Punk- und Rockbereich, außerdem Romantic Touch, der Singer-Songwriter Yu sowie GReeeN und Alligatoah.
Einen festen Plan, daraus sofort mehr zu machen, hat Jerry nicht. Neue Songs entstehen für ihn dann, wenn ihn eine Idee packt. Aktuell denkt er bereits wieder über mögliche Texte nach, bislang gibt es aber noch keine Idee, mit der er wirklich etwas anfangen möchte.
Auch der Weg von „Hölle voller Angst“ zu René entstand weitgehend über Jerry selbst. Seine Mutter hatte ihm immer wieder von René erzählt. Dann tauchte René nach Jerrys Erinnerung gleich fünfmal auf seiner TikTok-For-You-Seite auf. Daraufhin entschied er sich, seinen Song dort einzureichen. Den Livestream mit der Vorstellung verpasste er allerdings, weil er ihn verschlief. Sollte irgendwann auch „Wunderbar“ vorgestellt werden, möchte Jerry dieses Mal definitiv selbst dabei sein.
So stehen innerhalb derselben Familie inzwischen zwei ganz unterschiedliche Wege zur Musik nebeneinander. Cass arbeitet an ihrem eigenen Projekt weiter, Jerry schreibt seine eigenen Texte und Songs, wenn ihm eine Idee kommt. Gemeinsam ist ihnen dabei vor allem das Werkzeug, das Jerry über das Suno-Abonnement seiner Mutter nutzen konnte.
DER BLICK NACH VORNE
Für Cass ist ihre musikalische Reise längst nicht abgeschlossen. Aktuell arbeitet sie daran, ihre älteren Songs aus dem vergangenen Jahr nach und nach neu zu machen. „Time for Love“ wurde bereits neu umgesetzt und soll noch als deutsche Ballade sowie auf Spanisch erscheinen. Gleichzeitig kündigt sie weitere Balladen und EDM-Songs an.
Auch gemeinsame Projekte sollen weiterhin eine Rolle spielen. Cass würde gerne wieder mit M.A.R und Dentixmusik arbeiten und schließt ebenso wenig aus, dass irgendwann neue Songs mit anderen Künstlern entstehen.
Ein kompliziertes langfristiges Ziel formuliert sie für die kommenden Jahre nicht. Sie möchte schlicht noch sehr viele schöne Songs machen. Genau darin liegt für sie inzwischen das Entscheidende.
Wenn sie ihrem jüngeren Ich heute einen Rat geben könnte, wäre es: früher anfangen, sich für Musik zu interessieren.
Die drei Begriffe, mit denen sie sich selbst beschreibt, lauten hilfsbereit, herzlich und tolerant. Kaffee gewinnt gegen Tee, Musik kann tagsüber genauso entstehen wie nachts, und zwischen Perfektionismus und Spontaneität sieht sie sich klar auf der spontanen Seite, allerdings mit einem wichtigen Zusatz: Sie macht trotzdem so lange weiter, bis es passt.
Und wenn Cass W Musik am Ende in nur einem Satz beschreiben soll, braucht sie dafür keine lange Erklärung.
Für sie ist Musik absolute Leidenschaft.
CASS W ONLINE
TikTok:https://www.tiktok.com/@cassw70
Instagram:https://www.instagram.com/cass_walker_161263
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Spotify:https://open.spotify.com/intl-de/artist/0NRUl9HrtkNMYh0RFzwxhb
Amazon Music:https://music.amazon.de/artists/B0F49XV1V6/cass-w
SoundCloud:https://soundcloud.com/cassy-25723759
Für Apple Music wurde in den übermittelten Angaben kein direkter Künstlerlink genannt. Der übermittelte YouTube-Link führte zu Instagram und wurde deshalb nicht als YouTube-Verlinkung aufgenommen.