PEER & PAUL VON ICHPROMPTESONGS
Zwei musikalische Lebenswege, ein gemeinsamer Blick auf KI und die Frage, warum Technik allein noch lange keinen guten Song macht
Text: Andreas Arndt ·

Wer bei „IchPrompteSongs“ zuerst an einen Kanal denkt, auf dem zwei Menschen erklären, wie man möglichst effizient einen guten Suno-Prompt schreibt, greift deutlich zu kurz. Hinter dem Projekt stehen mit Peer und Paul zwei Musiker, Produzenten und Vermittler, deren musikalische Wege lange vor generativer KI begonnen haben.
Beide kommen aus unterschiedlichen Richtungen, beide beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit Musik und beide eint eine Haltung, die in der oft aufgeheizten KI-Debatte angenehm differenziert wirkt.
Peer beschreibt sich selbst als Mischung aus Musiknerd, Ingenieur und Philosoph. Er kann sich stundenlang in einen Mix, ein neues KI-Tool oder ein technisches Detail verbeißen und danach genauso intensiv über Songwriting, Psychologie oder Meditation sprechen. Hinter vielem steht für ihn dieselbe Frage: Warum berührt uns etwas? Paul wiederum lebt schon so lange mit Musik, dass sich Beruf und Hobby kaum voneinander trennen lassen. Er produziert, schreibt, spielt Instrumente, unterrichtet und hat sichtbar Spaß daran, komplexe Dinge so zu erklären, dass andere sie wirklich verstehen können.
Dass Paul neben der Musik gern Sudokus mit Sonderregeln entwirft, passt dabei fast schon erstaunlich gut ins Bild. Beide zerlegen gern Systeme, suchen Zusammenhänge und wollen verstehen, warum etwas funktioniert. Nur dass es bei Peer häufiger ein Klang, ein Tool oder eine neue Idee ist und bei Paul neben Musik eben auch mal ein Sudoku.
MUSIK WAR LANGE VOR DER KI DA
Bei Peer beginnt die Geschichte in einer sehr musikalischen Familie im Münchner Raum. Sein Großvater Georg Breier war professioneller Pauker und bildete professionelle Musiker aus. Musikunterricht konnte deshalb schon einmal an ungewöhnlichen Orten stattfinden. Beim Wandern zeigte er Peer beispielsweise mit Wanderstöcken, wie man Triolen läuft.
Auch sein Vater war tief in der Musik verankert. Er war Konzertpianist und Dirigent, arbeitete am Theater und komponierte später Kindermusicals. Peer sang bereits als Kind Hauptrollen in diesen Musicals und sammelte früh Bühnenerfahrung. Mit ungefähr zehn Jahren bekam er seine ersten Congas und Bongos zu Weihnachten, danach saß er stundenlang im Keller und trommelte.
Viele Jahre Schlagzeugunterricht, Klavierunterricht und später Gitarre folgten. Gitarre wurde schließlich sein Hauptinstrument auf Bühnen. Mit Mitte zwanzig nahm Peer zusätzlich klassischen Gesangsunterricht beim Opernsänger Eberhard Francesco Lorenz. Trotzdem sieht er sich heute stärker als Produzent denn als Instrumentalist.
Für ihn geht es weniger darum, auf einem Instrument möglichst virtuos zu sein. Wichtiger ist, damit eine Idee ausdrücken zu können. Genau diese Haltung zieht sich später auch durch seinen Umgang mit KI.
Paul kam musikalisch auf einem anderen Weg. Er wuchs in Chemnitz auf, studierte später in Dresden und arbeitet seit rund zehn Jahren in Leipzig. Mit 13 begann er zu rappen und eigene Beats zu produzieren. Dazu kamen sieben Jahre Klavierunterricht und drei Jahre Musiktheorie-Unterricht.
Später folgten Gesang, Bands, Recording, Mixing, Live-Sound und Sounddesign. Musikproduktion war für Paul deshalb schon sehr früh mehr als Software. Sie war immer auch Musikpraxis, Instrument, Bühne, Aufnahme und Technik.
Seit 2015 vermittelt er Musikproduktion über YouTube, seit 2016 über MeinHomestudio.de. Dort arbeitet er als Produzent, Autor und Dozent und beschäftigt sich seit Jahren damit, Wissen möglichst verständlich weiterzugeben.
DER INGENIEUR, DER SONGS SCHREIBEN WOLLTE
Peers beruflicher Weg sieht auf dem Papier zunächst nach einer ganz anderen Richtung aus. Er studierte Ingenieurwissenschaften und Computational Mechanics an der TU München und beschäftigte sich dort bereits intensiv mit Machine Learning. Später absolvierte er zusätzlich einen MBA. Musik war währenddessen trotzdem nie verschwunden.
Vor etwa fünf Jahren wollte Peer seine eigenen Fähigkeiten in der Musikproduktion ernsthaft verbessern und landete bei MeinHomestudio. Er schrieb das Team an und aus diesem Kontakt entstanden schnell erste Kundenprojekte. Peer hatte damals gesagt, dass er besonders gern Songs schreibt, gleichzeitig gab es mehr Anfragen als verfügbare Producer.
So konnte er praktisch vom ersten Tag an loslegen und lebt seitdem von Musik. Besonders wichtig war für ihn die Lernkultur innerhalb des Teams. Wenn jemand etwas besser konnte, wurde das Wissen geteilt. Genau dadurch entwickelten sich seine Produktionen und sein Songwriting über die Jahre deutlich weiter.
Über diesen Weg lernte Peer auch Paul kennen. Aus Zusammenarbeit wurde ein kontinuierlicher Austausch, bei dem unterschiedliche Stärken nicht als Konkurrenz verstanden wurden, sondern als Möglichkeit voneinander zu lernen. Dieser Gedanke prägt auch IchPrompteSongs bis heute.
ZWEI MUSIKGESCHMÄCKER, DIE NICHT IN SCHUBLADEN PASSEN
Peer nennt Alternative, Indie und Singer-Songwriter-Musik als wichtige Einflüsse. Bon Iver ist wahrscheinlich sein größtes musikalisches Vorbild. Gleichzeitig hört er bewusst breit und möchte sich musikalisch gerade nicht festlegen.
Burna Boy, Hozier, Oehl, Chico Buarque, Klangkarussell, Cro, Vanessa da Mata, The Weeknd, The Lumineers, Anitta, J Balvin, Silva, Jolle, Clueso oder Josh Ritter können für ihn problemlos nebeneinander auftauchen. Besonders brasilianische Musik hat ihn geprägt, weil er viel Zeit in Brasilien verbracht hat.
Wenn Peer sich auf ein Genre festlegen müsste, wäre es wahrscheinlich Indie. Eigentlich interessiert ihn aber vielmehr, warum andere Menschen Musik lieben, die er selbst zunächst vielleicht nicht versteht.
„Wenn unglaublich viele Menschen eine Musik feiern, die ich erstmal nicht verstehe, frage ich mich lieber: Was hören die darin, was ich gerade noch nicht höre?“
Musikgeschmack darf sich für ihn entwickeln. Wer nur nach Bekanntem sucht, verpasst womöglich etwas. Paul hört privat besonders gern Lofi Hip Hop, fasziniert sich aber genauso für cinematische orchestrale Musik.
Unterschiedliche Meinungen über Musik gibt es zwischen beiden durchaus. Interessanter finden sie jedoch die Frage, warum ein Song für jemanden funktioniert. Man muss ein Stück nicht selbst lieben, um anerkennen zu können, dass darin etwas sehr gut gemacht ist.
ALS KI-MUSIK ZU GROSS WURDE, UM NEBENBEI MITZULAUFEN
Generative KI kam bei Peer und Paul über unterschiedliche Wege ins Blickfeld. Paul stellt für seine Producer-Community seit Jahren neue Software, Plugins und Produktionswerkzeuge vor. Entsprechend früh bekam er auch die ersten KI-Systeme mit, deren Qualität damals allerdings noch weit von professioneller Produktion entfernt war.
Peer lernte frühe Versionen von Udio und Suno über einen Freund kennen, der seine Doktorarbeit im Bereich generative KI-Musik geschrieben hatte. Bei ihm sprang der Funke sofort über. Irgendwann wurde das Thema zu groß, um es nur gelegentlich in einzelnen MeinHomestudio-Videos zu behandeln.
Beide erkannten früh, dass hier nicht einfach das nächste Plugin entstand. Aus ihrer Sicht verändert generative KI grundlegend, wie Menschen Musik schreiben, produzieren und überhaupt Zugang zu Musik bekommen können.
„Wir wollten einen Ort schaffen, an dem wir genau das praktisch untersuchen können, ohne daraus entweder eine Werbeveranstaltung oder einen Weltuntergang zu machen.“
Hinzu kam die Beobachtung, dass Menschen, die mit KI-Musik arbeiten, nicht zwangsläufig Teil einer klassischen Producer-Community sind. Deshalb entstand die Idee, ein eigenes Projekt aufzubauen, in dem Peer den KI-Bereich stärker verkörpert.
JODELNDE PATRONUS-SONGS UND DIE ERSTE ERKENNTNIS
Peers erste Experimente mit KI-Musik hatten dabei wenig mit futuristischer Hochkultur zu tun. In seiner WG entstand bei einem Spaßquiz die Frage, welchen Patronus aus Harry Potter jeder am Tisch hätte. Peer machte daraus spontan Songs.
Einer davon hieß ungefähr „Im Garten mit Rainers Patronus“ und handelte jodelnd von einer süßen Maus. Einige Freunde singen ihn bis heute als Insider zur Begrüßung. Musikalisch nennt Peer das selbstironisch sein größtes Meisterwerk.
Interessanter war für ihn jedoch, was dahintersteckte. Eine spontane Idee konnte innerhalb weniger Minuten zu einem Song werden. Genau dieses unmittelbare Übersetzen von Vorstellung in hörbares Material fühlte sich neu an.
Die Reaktion von Peer und Paul war damals ähnlich. Sie glaubten nicht, dass Cubase am nächsten Morgen überflüssig sein würde. Dafür war die Qualität noch viel zu schwach. Trotzdem war für beide klar, dass sich hier etwas Grundsätzliches verändert.
WARUM „ICHPROMPTESONGS“?
Der Name entstand gemeinsam beim Brainstorming. Peer und Paul wollten keinen aufgeblasenen Tech-Namen und keine künstliche Zukunftsmarke. Der Name sollte sofort verständlich machen, worum es geht, und zugleich ein bisschen selbstironisch wirken.
„IchPrompteSongs“ war irgendwann so offensichtlich, dass sie einfach aufgehört haben weiterzusuchen. Das Konzept dahinter stand ebenfalls früh. Sie wollten ausprobieren, zeigen, erklären und gleichzeitig Menschen dazu bringen, selbst kreativ zu werden.
Dabei soll KI nicht das Ende des Lernens markieren. Im Gegenteil, sie soll möglichst der Einstieg in tieferes Songwriting und Musikproduktion sein. Genau das ist bis heute eines ihrer wichtigsten Ziele.
KI-MUSIK IST FÜR SIE EIN ZU GROBER BEGRIFF
Mit dem Begriff „KI-Musik“ haben Peer und Paul inzwischen selbst Schwierigkeiten. Ein komplett aus einem einzigen Satz generierter Song und eine klassische Cubase-Produktion, in der nur ein einzelnes Element mit KI entstanden ist, werden häufig gleich bezeichnet.
Für beide sind das kreativ vollkommen unterschiedliche Prozesse. Deshalb interessiert sie viel stärker, was tatsächlich mit KI gemacht wurde und welche Entscheidungen der Mensch getroffen hat.
KI kann für sie je nach Situation Instrument, Assistent, Sparringspartner, Demo-Musiker oder Sounddesigner sein. Manchmal liefert sie Material, das später fast vollständig auseinandergenommen und neu aufgebaut wird. Gerade diese Vielseitigkeit macht sie spannend.
KREATIVITÄT BEGINNT NICHT BEIM FINALEN PROMPT
Die kreative Leistung des Menschen beginnt für Peer und Paul deutlich früher als beim vermeintlich perfekten Prompt. Sie beginnt bei der Idee, bei Auswahl und Verwerfen, beim Geschmack und bei der Entscheidung, dass etwas zwar beeindruckend klingt, aber nicht das Richtige erzählt.
„Wir erzeugen inzwischen extrem leicht Material. Das macht individuelle Entscheidungen wertvoller.“
Prompting ist für beide trotzdem ein lernbares Handwerk. Man lernt, wie Sprache musikalische Ergebnisse beeinflusst, welche Wirkung Instrumentierung, Performance, Ära, Produktion, Energie oder Struktur haben. In Teilen erinnert das für sie daran, einem Studiomusiker ein gutes Briefing zu geben.
Mystifizieren wollen sie Prompting jedoch nicht. Ein guter Prompt ersetzt keinen Geschmack. Ein einfacher Prompt beschreibt vielleicht ein Genre. Ein wirklich guter Produktions-Prompt beschreibt eine konkrete musikalische Vision.
Wie spielt das Schlagzeug? Wie verhält sich die Stimme? Welche Instrumente tragen das Arrangement? Wie dicht soll die Produktion sein? Welche Ästhetik soll die Aufnahme haben? Genau diese Fragen machen für Peer und Paul den Unterschied.
WARUM 100 GENERATIONEN KEIN SCHEITERN SIND
Trial and Error gehört für beide selbstverständlich zur Arbeit. Auch klassische Musikproduktion besteht aus Anhören, Vergleichen, Verwerfen und Entscheiden. KI beschleunigt diesen Zyklus nur enorm.
Das erste Ergebnis ist deshalb selten das endgültige. Manchmal enthält die erste Generation aber genau eine Idee, wegen der die nächsten zwanzig Versuche überhaupt entstehen.
Bei komplexen Projekten können sehr viele Generationen zusammenkommen. Peer nennt ungefähr 100 Generationen als Standard für wirklich komplizierte Songs. Der Vorteil liegt für ihn gerade darin, dass Verwerfen plötzlich billig wird.
Früher konnten viele Stunden Produktionsarbeit in einer Richtung stecken, bevor klar wurde, dass sie eigentlich nicht funktioniert. Heute lassen sich Varianten deutlich früher testen und gegeneinander abwägen.
WIE KI DEN KUNDENWORKFLOW VERÄNDERT HAT
Peer merkte besonders früh in Kundenproduktionen, dass daraus mehr werden konnte als ein Spielzeug. Vor einer eigentlichen Produktion begann er, mit Artists zunächst einfache KI-Demos auszutauschen.
So konnten zehn komplett unterschiedliche Richtungen getestet werden, bevor zwanzig Stunden Arbeit in einer Version steckten, an der plötzlich alle emotional festhielten. Für Peer war das ein entscheidender Schritt.
Der Workflow wurde dadurch für ihn nicht weniger menschlich. Im Gegenteil, er konnte stärker auf den jeweiligen Artist zugeschnitten werden. Ideen ließen sich früher verwerfen und neu denken, bevor technische Produktionsarbeit den kreativen Weg unnötig festlegte.
SUNO, VON DER SPIELEREI ZUM PRODUKTIONSWERKZEUG
An Suno fasziniert Peer und Paul vor allem die Geschwindigkeit zwischen Vorstellung und hörbarem Ergebnis. Musikalische Hypothesen, für die früher Musiker, Studiozeit oder viele Stunden Arrangement nötig gewesen wären, können in kurzer Zeit ausprobiert werden.
Am Anfang war Suno für beide eher Spielzeug. Danach wurde es Demo-Werkzeug. Heute kann es je nach Projekt Ideengeber, Arrangeur, Soundquelle oder Ausgangspunkt einer Produktion sein.
Mit besseren Modellen verschiebt sich dabei die entscheidende Frage. Früher ging es darum, ob die KI etwas überhaupt kann. Heute geht es stärker darum, wie viel Kontrolle über das Ergebnis möglich ist.
WAS SUNO GUT KANN UND WO ES NOCH NERVT
Besonders stark finden Peer und Paul die Fähigkeit, sehr schnell ein erstaunlich vollständiges musikalisches Bild zu erzeugen. Arrangement, Atmosphäre und grobe Energie eines Songs können innerhalb kurzer Zeit überzeugend entstehen.
Die größten Schwächen sehen sie dagegen bei Kontrolle und Konsistenz. Man bekommt manchmal etwas Geniales, aber nicht zwingend noch einmal exakt dasselbe mit nur einer kleinen gewünschten Änderung.
Genau das wäre eine Funktion, die sie sich wünschen. Alles soll gleich bleiben, nur dieses eine Gitarrenvoicing, dieser Drum-Fill oder eine einzelne Gesangsphrase sollen sich verändern.
Nach längerer Arbeit mit Suno hören sie außerdem typische Tendenzen immer wieder. Peer bringt es ziemlich eindeutig auf den Punkt:
„Oh man, ich höre Suno-Stimmen aus zehn Kilometern Entfernung. Es wird Zeit für ein Update in dieser Richtung.“
„MACH MIR EINEN GUTEN POPSONG“ IST NOCH KEINE IDEE
Einen der größten Fehler bei Einsteigern sehen beide darin, die kreative Verantwortung zu früh an die KI abzugeben. Ein Prompt wie „Mach mir einen guten Popsong“ kann technisch beeindruckende Ergebnisse liefern.
Wenn aber die eigene Vorstellung fehlt, entsteht schnell Musik, die auch von vielen anderen stammen könnte. Peer und Paul hören nach eigener Aussage immer wieder Songs, die als großes neues Meisterwerk gefeiert werden und für sie trotzdem genauso klingen wie zahlreiche Stücke davor.
Ihre Haltung dazu ist klar. Profis sind nicht so schnell zufrieden. Wenn ein Song technisch gut klingt, emotional aber nicht funktioniert, ist er für sie nicht gut.
Dann wird gesucht. Vielleicht liegt das Problem in der Perspektive, im Text, in der Dynamik, in der Melodie oder im Arrangement. Technische Qualität und musikalische Qualität sind für sie nicht dasselbe.
Ein glasklar produzierter langweiliger Song bleibt langweilig.
UND DANN LANDET DER SONG DOCH WIEDER IN CUBASE
IchPrompteSongs arbeitet keineswegs ausschließlich innerhalb von KI-Plattformen. Sobald aus einer Idee eine professionelle Produktion werden soll, führt der Weg schnell wieder in Cubase.
Stems werden bearbeitet, Arrangements verändert, eigene Aufnahmen ergänzt, Sounddesign betrieben, gemischt und manchmal Teile komplett neu produziert. KI ersetzt in dieser Arbeitsweise nicht klassische Musikproduktion.
Im Gegenteil, sie kann Interesse daran überhaupt erst auslösen. Genau das beobachten Peer und Paul auch in ihrer Community.
DER WICHTIGSTE SKILL HEISST HÖREN
Wenn beide eine Fähigkeit nennen müssten, die Creator heute zusätzlich brauchen, landen sie nicht bei irgendeinem Tool. Sie landen beim Hören.
Genau hinhören, einen eigenen Geschmack entwickeln, erkennen, was funktioniert, was stört und was ein Song braucht. Dazu braucht es genug musikalisches und technisches Wissen, um auf diese Wahrnehmung reagieren zu können.
Diese Fähigkeit wird für sie eher wichtiger als unwichtiger. Je leichter Material erzeugt werden kann, desto entscheidender wird die Frage, wer beurteilen kann, welches Material überhaupt etwas wert ist.
VOM PROMPT ZUM PRODUZENTEN
Genau deshalb wollen Peer und Paul vermitteln, dass KI ein Einstieg in Musik sein kann, aber nicht das Ende des Lernens. Besonders schön finden sie es, wenn jemand mit Suno startet und einige Monate später plötzlich wissen möchte, warum ein Akkord funktioniert, wie Vocals aufgenommen werden oder was ein Kompressor macht.
Für Einsteiger öffnet KI eine Tür. Für erfahrene Produzenten entsteht ein neuer Werkzeugkasten. Beide Gruppen können davon profitieren, nur auf unterschiedlichen Ebenen.
Arrangement, Rhythmus, Harmonie, Songwriting, Dynamik, Klang und aktives Hören bleiben wichtige Grundlagen. Niemand muss alles gleichzeitig lernen. Aber jedes bisschen Wissen erhöht die eigene Kontrolle.
TUTORIALS, DIE NICHT NUR ZUM ZUSCHAUEN DA SIND
Bei ihren Tutorials ist Peer und Paul wichtig, dass Zuschauer danach tatsächlich etwas ausprobieren können. Sie wollen nicht nur erklären, was eine Funktion tut, sondern wann sie kreativ sinnvoll ist.
Deshalb bauen sie Prompts und Beispiele so, dass Menschen sie direkt selbst testen und weiterentwickeln können. Ein besseres Modell bedeutet für beide nicht automatisch bessere Musik.
Technische Qualität und musikalische Qualität bleiben getrennte Dinge. Ein perfekter Klang rettet keine schwache Idee.
WENN KI ERST NEUGIER AUF MUSIKTHEORIE MACHT
Gerade innerhalb ihrer Community beobachten Peer und Paul einen Effekt, der vielen Vorurteilen gegenüber KI-Musik widerspricht. Menschen beginnen mit einem Generator und stellen danach plötzlich Fragen, die klassische Musikproduktion betreffen.
Warum klingt dieses Arrangement größer? Was macht diese Bassline? Warum funktioniert dieser Akkord? Dinge, die vorher abstrakt wirkten, bekommen plötzlich einen konkreten Bezug.
Für beide ist das gerade nicht musikalische Verdummung. Es ist ein möglicher Einstieg in tieferes Verständnis.
EINE COMMUNITY, DIE VOM PRODUZENTEN BIS ZUM KOMPLETTEN EINSTEIGER REICHT
Die Community von IchPrompteSongs ist entsprechend gemischt. Produzenten, Musiker, Songwriter und KI-Nerds gehören genauso dazu wie Menschen, die sich wenige Monate zuvor selbst als komplett unmusikalisch bezeichnet hätten.
Viele Fragen drehen sich um Kontrolle, einen eigenen Sound und professionelle Weiterbearbeitung. Dazu kommen Fragen zu Rechten, Stimmen und Veröffentlichungen.
Auch Ängste begegnen Peer und Paul von zwei Seiten. Manche Menschen denken, sie seien nicht musikalisch genug. Andere fürchten, dass jahrelang erlerntes Handwerk plötzlich wertlos werden könnte.
Beide Sorgen halten sie für verständlich, aber nicht vollständig für richtig.
WENN JEMAND NACH 30 JAHREN PLÖTZLICH SONGS MACHT
Besonders wichtig sind Peer und Paul Nachrichten von Menschen, die durch ihre Inhalte überhaupt erst anfangen, Musik zu machen. Genau diese Rückmeldungen berühren sie stärker als Reichweite oder große Zahlen.
„Ich dachte 30 Jahre lang, Musik machen ist nichts für mich. Jetzt mache ich jeden Abend Songs.“
Für beide zeigt eine solche Nachricht, welche Tür KI öffnen kann. Darauf sind sie stolz, aber ausdrücklich nicht darauf, dass Menschen möglichst viel KI benutzen.
Sie sind stolz darauf, dass Menschen durch ihre Arbeit kreativ werden.
DIE COMMUNITY SOLL NOCH WICHTIGER WERDEN
IchPrompteSongs soll künftig noch stärker um Community herum wachsen. Besonders Lives und regelmäßige gemeinsame Challenges interessieren Peer und Paul.
Nicht nur sie selbst sollen zeigen, was möglich ist. Sie wollen sehen, was andere Menschen mit denselben Werkzeugen bauen.
Gleichzeitig lernen sie selbst permanent von ihrer Community. Bei einer Technologie, die sich so schnell verändert, wäre alles andere für sie arrogant.
Was sie an vielen KI-Diskussionen nervt, ist deshalb weniger Kritik an sich. Problematisch wird es, wenn Menschen ihre Position festlegen, bevor sie sich ernsthaft mit der Technologie beschäftigt haben. Das gilt für Gegner genauso wie für Befürworter.
DIE SIEBEN TAGE KREATIV CHALLENGE
Die „7 Tage Kreativ Challenge“ entstand aus genau diesem Gedanken. Peer und Paul wollten weg von Tutorials, die man interessiert anschaut und danach nie ausprobiert.
Jeden Tag soll eine kleine kreative Entscheidung getroffen werden. Ausgehend von einer Songidee entstehen Schritt für Schritt Hook und Chorus, Artist-Identität, musikalischer Style, Verse, Arrangement und eine visuelle Welt.
Sieben Tage sind bewusst gewählt. Kurz genug, um dranzubleiben, aber lang genug, damit aus einem Experiment ein kleiner kreativer Prozess wird.
Im Mittelpunkt steht nicht die Technik. Im Mittelpunkt steht, Menschen ins Machen zu bringen.
WARUM SIE KRITIK AN KI-MUSIK VERSTEHEN
Peer und Paul betrachten die emotionale Debatte um KI-Musik nicht von oben herab. Musik ist für viele Menschen Identität, Lebenswerk und Einkommen.
Wenn sich Produktionsbedingungen innerhalb weniger Jahre massiv verändern, darf das für sie emotional sein. Auch Kritik traditioneller Musiker können beide nachvollziehen.
Wer zwanzig Jahre lang ein Instrument trainiert hat und dann sieht, wie etwas Ähnliches per Knopfdruck entsteht, muss nicht automatisch begeistert reagieren. Berechtigte Kritik sehen sie besonders bei Training, Vergütung, Urheberrecht, Stimmenimitation, Transparenz und der unfairen Nutzung bestehender Künstleridentitäten.
Das sind für sie keine Nebenthemen.
WO DIE DEBATTE FÜR SIE ZU EINFACH WIRD
Problematisch wird es dort, wo allein aus der verwendeten Technologie auf den künstlerischen Wert geschlossen wird. Ein schlechter Song wird nicht gut, nur weil ein echter Gitarrist darauf spielt.
Umgekehrt wird ein Song nicht automatisch bedeutungslos, nur weil irgendwo KI beteiligt war. Gleichzeitig bedeutet technische Möglichkeit für Peer und Paul nicht, dass alles automatisch legitim ist.
Creator tragen Verantwortung. Nicht alles sollte getan werden, nur weil es technisch möglich ist.
KENNZEICHNUNG IST KOMPLIZIERTER ALS EIN EINFACHES „KI“
Beim Thema Kennzeichnung von KI-Musik haben Peer und Paul bewusst noch keine endgültige gemeinsame Position. Genau das finden sie in Ordnung.
Schon die Definition wirft Fragen auf. Eine vollständig generierte Aufnahme ist etwas anderes als ein klassischer Song, in dem vielleicht nur ein einzelner Background-Sound mit KI entstanden ist.
Transparenz halten beide für wichtig. Gleichzeitig kann ein pauschales Label „KI“ aus ihrer Sicht mehr verschleiern als erklären, wenn nicht klar ist, was genau damit gemeint ist.
„IST KI-MUSIK ECHTE MUSIK?“ IST FÜR SIE FAST DIE FALSCHE FRAGE
Eine Frage können Peer und Paul inzwischen kaum noch hören: Ist KI-Musik echte Musik?
Wenn Menschen beim Hören etwas empfinden, hören sie aus ihrer Sicht offensichtlich Musik. Interessanter ist für sie, welche menschliche kreative Leistung dahintersteht und wie diese bewertet wird.
Auch die Frage, ob Entstehung oder Wirkung wichtiger ist, beantworten sie nicht mit einem Entweder-oder. Beides zählt. Urheberschaft, Kunstgeschichte und die Geschichte hinter Songs sind nicht bedeutungslos.
Gleichzeitig kann man die Wirkung eines Songs nicht wegdiskutieren, nur weil einem seine Entstehungsweise nicht gefällt.
„Ihr müsst sie nicht mögen. Aber wenn ihr Musik liebt, lohnt es sich zu verstehen, was gerade passiert.“
WELCHE FÄHIGKEITEN IN ZUKUNFT WICHTIGER WERDEN
Wenn Peer und Paul darüber sprechen, welche Fähigkeiten in Zukunft wichtiger werden, landen sie bei Begriffen, die erstaunlich wenig nach Technologie klingen.
Geschmack, Konzept, Kommunikation und Emotion stehen weit oben. Dazu kommt die Fähigkeit, aus nahezu unendlich vielen Möglichkeiten eine klare Entscheidung zu treffen.
Repetitive und zeitintensive Schritte könnten stärker automatisiert werden. Demos, Editing, Sound-Suche, Varianten, Teile von Arrangements und vielleicht auch Mixing könnten deutlich schneller werden.
Damit verschiebt sich der Wert menschlicher Arbeit nicht zwingend weg von Kreativität. Er verschiebt sich stärker hin zu Richtung, Auswahl und Bedeutung.
MUSIKPRODUKTION 2030
Für Peer und Paul könnte Musikproduktion im Jahr 2030 viel weniger spektakulär „KI-mäßig“ aussehen, als es heute wirkt. KI wird ihrer Einschätzung nach einfach überall eingebaut sein.
Direkt in DAWs und Produktionswerkzeugen, ähnlich wie heute virtuelle Instrumente oder digitale Tonhöhenkorrektur selbstverständlich geworden sind. Vielleicht wird auch der Begriff „KI-Musik“ dadurch an Bedeutung verlieren.
Bei vollständig generierten Werken könnte er bestehen bleiben. Bei normaler Musikproduktion vielleicht immer weniger. Schließlich sagt heute auch kaum jemand „Computer-Musik“, nur weil Cubase beteiligt war.
MEHR MUSIK, ABER NICHT AUTOMATISCH MEHR ORIENTIERUNG
Dass künftig deutlich mehr Menschen Musik veröffentlichen werden, halten Peer und Paul für sicher. Das passiert ihrer Beobachtung nach bereits.
Darin steckt ein interessanter Widerspruch. Gute Musik zu produzieren könnte leichter werden, gute Musik zu finden dagegen schwieriger.
Streamingdienste werden deshalb aus ihrer Sicht stärker filtern müssen. Empfehlungssysteme, Vertrauen und möglicherweise auch menschliche Kuratoren könnten dadurch sogar wichtiger werden.
WAS SIE BEGEISTERN WÜRDE UND WAS IHNEN SORGEN MACHT
Die Entwicklung, die Peer und Paul wirklich begeistern würde, ist nicht einfach ein noch besserer Generator. Sie wünschen sich, dass KI Menschen nicht nur schneller Musik erzeugen lässt, sondern sie tatsächlich musikalischer macht.
Wenn jemand wegen KI anfängt und fünf Jahre später ein großartiger Songwriter oder Producer geworden ist, wäre das für beide eine fantastische Entwicklung.
Sorgen macht ihnen dagegen eine Welt, in der Musik nur noch massenhaft erzeugter Füllstoff für Algorithmen wird. Nicht weil KI beteiligt ist, sondern weil irgendwann niemand mehr etwas ausdrücken möchte.
PEER ÜBER PAUL
Peer muss nicht lange überlegen, wenn es darum geht, was Paul besser kann. Reimen gehört dazu. Und Cubase, nach Peers eigener Aussage „leider ziemlich deutlich Cubase“.
Außerdem kann Paul sich an eine Maschine von Native Instruments setzen und einfach losjammen, während Peer vermutlich zuerst irgendein Setup optimieren würde. Besonders wichtig ist für Peer jedoch Pauls Erfahrung.
In vielen Bereichen hat Paul viele Jahre Vorsprung. Wenn Peer sich in einer neuen Idee verliert, kann Paul schnell einschätzen, was daran wirklich relevant ist. Peer sagt selbst, dass Paul ihm viel über Produktion, Cubase, Didaktik und Pragmatismus beigebracht hat.
PAUL ÜBER PEER
Pauls Antwort auf die Frage, was Peer besser könne, fällt zunächst etwas trockener aus:
„Im Lotus sitzen.“
Wichtiger ist für ihn aber Peers Fähigkeit dranzubleiben. Rückschläge steckt Peer aus seiner Sicht gut weg, gleichzeitig testet er neue Werkzeuge extrem neugierig und teilweise bis zu ziemlich absurden Anwendungsideen.
Paul sagt, Peer habe ihm beigebracht, neue Technologien zunächst neugierig auszuprobieren, bevor man entscheidet, wofür sie taugen. Dieser Spieltrieb führt manchmal zu Ideen, die in einem rein klassischen Producer-Workflow vermutlich nie entstanden wären.
Streiten können die beiden deshalb weniger über große musikalische Glaubensfragen. Es geht eher darum, wann ein Experiment noch spannende Forschung ist und wann Peer vielleicht einfach schlafen gehen sollte.
Und dann wären da noch zwei Details, die man bei beiden vielleicht nicht sofort erwarten würde. Paul schreibt seine Bücher gern im Zoo Leipzig. Peer liebt Animes.
WORAUF SIE WIRKLICH STOLZ SIND
Wenn Peer und Paul über die schönsten Momente ihres Projekts sprechen, landen sie wieder bei den Menschen, die durch ihre Inhalte selbst anfangen, Musik zu machen.
Kooperationen oder große Zahlen stehen dabei nicht im Vordergrund. Wichtiger sind Nachrichten von Menschen, die sich ihr Leben lang für unmusikalisch hielten und plötzlich eigene Songs schreiben.
Darauf sind beide stolz. Nicht darauf, möglichst viele Menschen dazu zu bringen, möglichst viel KI einzusetzen.
Sondern darauf, Menschen kreativ werden zu sehen.
KRITIK, DIE SIE SELBST ERNST NEHMEN
Nicht jede Kritik an KI-Musik weisen Peer und Paul zurück. Besonders die Kritik, dass KI-Musik schnell oberflächlich oder austauschbar werden kann, hat sie selbst zum Nachdenken gebracht.
Sie sagen klar, dass daran teilweise etwas dran ist. Genau deshalb beschäftigt sie zunehmend die Frage, wie Persönlichkeit und bewusste Entscheidungen wieder stärker in den Prozess zurückgebracht werden können.
Auch hier landet die Diskussion am Ende wieder beim Menschen und nicht bei der Maschine.
SONGIDEE VOR PROMPT
In der Schnellrunde zeigt sich ihre Haltung noch einmal sehr kompakt. Prompt zuerst oder Songidee zuerst? Für beide lautet die Antwort: Songidee.
Peer entscheidet sich zwischen Tutorial und Experiment für das Experiment. Paul wählt das „Tutorial über ein Experiment“. Wenn sie sich zwischen einem großartigen Song und zehn guten entscheiden müssten, nehmen beide den einen großartigen.
Bei Peer wechselt der privat meistgehörte Song zu schnell, um eine dauerhafte Antwort zu geben. Bon Iver taucht aber zuverlässig immer wieder in seinen Playlists auf. Paul nennt „Game of Survival“ von Ruelle.
Bei KI-Werkzeugen außerhalb von Musik begeistert Paul besonders Codex. Nach eigener Aussage entdeckt er damit jede Woche neue Möglichkeiten, sein Leben leichter zu machen.
NEUE TECHNOLOGIEN VERSTEHT MAN MANCHMAL AM BESTEN MIT UNSINN
Wenn Peer erzählen soll, was er in noch keinem Interview gesagt hat, landet er wieder bei seinen jodelnden Patronus-Songs.
Sein erster ernsthafter KI-Musikweg begann eben nicht mit einem futuristischen Kunstprojekt, sondern mit völligem Unsinn in seiner WG. Im Rückblick findet er genau das passend.
Neue Technologien versteht man manchmal am besten, wenn man zuerst spielt, ausprobiert und Dinge macht, die überhaupt keinen großen Zweck erfüllen müssen.
DER ERSTE SONG MUSS NICHT ERFOLGREICH SEIN
Wer zum ersten Mal einen Musikgenerator öffnet, sollte nach Meinung von Peer und Paul nicht sofort versuchen, den Song zu bauen, von dem er glaubt, dass er erfolgreich sein könnte.
Besser ist etwas, das einen selbst zum Lachen bringt, überrascht oder neugierig macht. Wer das schafft, hat für beide bereits einen wichtigen Teil dessen verstanden, was an der Technologie spannend ist.
Neugier kommt vor Strategie. Idee vor Optimierung. Und bei ihnen ganz eindeutig: Songidee vor Prompt.
WAS ALS NÄCHSTES KOMMT
IchPrompteSongs soll weiter wachsen, aber nicht einfach als nächster Kanal für KI-News. Peer und Paul wollen ihre Lives ausbauen, regelmäßige Challenges entwickeln, ihre Lernangebote erweitern und weiter neue Workflows und Werkzeuge ausprobieren.
Vor allem soll die Community stärker eingebunden werden. Menschen sollen nicht nur zuschauen, sondern selbst ausprobieren, entscheiden, scheitern, weiterbauen und lernen.
Ihr Ziel bleibt dabei erstaunlich klar:
„Wir wollen Menschen zeigen, wie KI sie nicht weniger, sondern mehr zu Musikern machen kann.“
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