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TAoAI

Als ein Brief die Tür zu einer neuen musikalischen Welt öffnete

Text: Andreas Arndt ·

TAoAI

Manchmal beginnt eine musikalische Geschichte nicht in einem Studio, nicht auf einer Bühne und auch nicht mit dem großen Traum von einer Karriere. Manchmal beginnt sie mit einem Brief an eine Kindertagesstätte.

Für Stefanie war genau dieser Moment der unerwartete Ausgangspunkt einer Entwicklung, die ihr Leben innerhalb weniger Monate spürbar verändert hat. Im Januar 2026 begann sie, Musik mit künstlicher Intelligenz zu gestalten. Wenig später folgte ein Labelvertrag. Am 15. August 2026 erscheint mit „The Ancient Path“ bereits ihr neues Album, ein Werk mit zwölf Songs zwischen Medieval, Celtic, Pagan und New Age.

Wer darin allerdings die Geschichte einer Frau vermutet, die erst durch KI zur Musik gefunden hat, liegt völlig falsch. Musik begleitet Stefanie seit ihrer Kindheit. Sie sang in Chören, war in Brauchtumsgruppen aktiv und arbeitet seit fast drei Jahrzehnten in einem Beruf, in dem Musik zu ihrem Alltag gehört. KI hat diese Verbindung nicht erschaffen. Sie hat Stefanie lediglich eine neue Möglichkeit gegeben, all das, was längst in ihr vorhanden war, in eigene Klangwelten zu verwandeln.

Ihr Künstlername bringt diesen Anspruch auf den Punkt: TAoAI steht für „The Art of Artificial Intelligence“, die Kunst in der künstlichen Intelligenz.

Doch selbst dieser Name ist älter als ihre Musik.

Ein Künstlername, der schon vor der Musik existierte

TAoAI entstand nicht erst, als Stefanie im Januar 2026 ihre ersten KI-Songs produzierte.

Bereits ungefähr zwei Jahre zuvor beschäftigte sie sich unter diesem Gedanken mit KI-generierten Bildern. Irgendwann wurden ihr die Beschränkungen dabei jedoch zu groß und die Freude an dieser Form der Gestaltung ging verloren. Der Name blieb trotzdem bestehen. Als die Musik später in ihr Leben trat, erhielt er eine neue Bedeutung.

Stefanie ist 48 Jahre alt, Jahrgang 1978, stammt ursprünglich aus Niedersachsen und lebt seit gut 20 Jahren in Brandenburg. Dort arbeitet sie als Erzieherin in einer Kita in einem sozialen Randgebiet. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Sprache und Inklusion.

Musik ist dabei kein gelegentliches Element ihres Berufs. Sie gehört für Stefanie seit fast 30 Jahren zum täglichen Leben mit den Kindern. Auch persönlich reicht ihre musikalische Geschichte weit zurück. Mit 15 Jahren lernte sie ihr erstes Instrument. Sie spielt fließend Flöte, darunter Bassrecorder und Altflöte, außerdem Metallophon und Marimba. Hinzu kommen Grundkenntnisse an Piano beziehungsweise Keyboard und Akkordeon.

Stefanie beschreibt den Ursprung ihrer Musik deshalb denkbar direkt: „Ich mich selber. Mein ganzes Leben war von Musik geprägt. Ich spiele mehrere Instrumente. Ich arbeite in einem Beruf, in dem es ohne Musik nicht geht und ich kann mir ein Leben ohne Musik auch irgendwie nicht vorstellen.“

Der Schritt zur KI-Musik war dennoch nicht geplant. Er entstand aus einer Situation, die mit künstlerischer Selbstverwirklichung zunächst wenig zu tun hatte.

Der ungewöhnliche Weg von der Kita zur KI-Musik

Nach dem Sommerfest 2025 erhielt der Träger von Stefanies Einrichtung Post von der GEMA.

Stefanie schildert, dass sich daraus für die Arbeit in der Kita erhebliche Einschränkungen ergeben hätten. Nach ihrer Darstellung durften bei Festen nicht einfach Kinderlieder gespielt, Auszubildenden keine Notenblätter oder Songtexte ausgehändigt und Eltern keine Texte zum gemeinsamen Üben für kleine Vorführungen mitgegeben werden.

Für das Team war das ein Problem. Stefanie gehört in ihrer Kita zum Event-Team und übernahm die Aufgabe, nach einer Lösung zu suchen. Das Laternenfest verging, die Kinderweihnacht rückte näher und sowohl der Kuchenbasar als auch der Spielbereich sollten mit weihnachtlicher Musik begleitet werden.

Also suchte sie auf YouTube nach lizenzfreier Weihnachtsmusik. Das Ergebnis überzeugte sie nicht. Damit hätte die Geschichte bereits enden können, wäre da nicht ihr Urlaub nach Weihnachten gewesen.

Bis Mitte Januar hatte Stefanie frei. Beim Stöbern auf YouTube entdeckte sie eines Tages den Song „The Wolf Rides With Me“ von Bonefield. Sie abonnierte den Kanal und bemerkte, dass dort täglich zwei oder drei Songs erschienen. Diese Geschwindigkeit machte sie neugierig.

Eine Suche brachte schließlich die Erklärung: Hinter dem Projekt stand ein KI-Creator.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Stefanie geglaubt, KI-Musik sei vor allem etwas für große Unternehmen oder Hollywood. Sie hatte sich nie näher damit beschäftigt und auch nicht gezielt danach gesucht. Damals war sie noch tief in der Gaming-Szene verwurzelt. Seit Januar hat sich das grundlegend verändert.

Die Spiele rührt sie heute nur noch selten an. Das Experimentieren mit Tags und Styles, das Erfinden von Geschichten und die Entwicklung eigener Texte bereiten ihr inzwischen deutlich mehr Freude.

Aus einem praktischen Problem im Kita-Alltag war eine neue kreative Leidenschaft entstanden.

Kein starrer Plan, sondern die Freiheit der Idee

Stefanie selbst würde TAoAI nicht einmal als fest umrissenes Musikprojekt bezeichnen.

„Ich habe keine Projekte. Ich mache, was mir Spaß macht. Wenn es nichts wird, dann wandert es in den Trash“, sagt sie über ihre Arbeitsweise.

Das klingt spontan, bedeutet aber nicht, dass ihre Musik planlos entsteht. Häufig beginnt sie mit einer Idee, führt in eine völlig andere Richtung und entwickelt sich plötzlich zu einem Album. Dann arbeitet Stefanie gezielt weiter oder beendet das Vorhaben, wenn es sie nicht mehr überzeugt. Zum Zeitpunkt ihrer Antworten lagen auf ihrem Rechner zwei fertige Alben und vier weitere, bei denen noch offen war, ob und wann sie daran weiterarbeiten würde.

Ihre bevorzugten Richtungen sind Goth und Folk in unterschiedlichen Variationen. Durch ihren Beruf nehmen Kinderlieder ebenfalls einen festen Platz ein. Jazz hört sie selbst sehr gern und würde sich diesem Genre gerne noch stärker widmen, empfindet es aber als anspruchsvoll. Dazu kommen Wettbewerbe, für die Musik in sehr unterschiedlichen Stilen und zu wechselnden Themen entsteht.

Fast alles kann für Stefanie interessant werden. Nur bei Schranz zieht sie ihre persönliche Grenze.

Was ihre verschiedenen Arbeiten verbindet, ist weniger ein einzelnes Genre als die Art, wie sie Geschichten erzählt.

„Ich liebe das visuelle und emotionale Geschichtenerzählen, egal in welchem Gewand. Ob ich in der Goth- und keltischen Musik dunkle, mystische Atmosphären webe, im Jazz Geschichten von Melancholie oder Spontaneität erzähle oder in den Kinderliedern kleine, bunte Welten erschaffe: Im Kern geht es mir immer darum, ein Gefühl auf den Punkt zu bringen. Meine Musik lebt von starken Bildern und einer Prise Dramatik, mal düster, aber manchmal auch verspielt.“

Erst die Idee, dann die Geschichte

Am Anfang eines neuen Songs steht bei TAoAI meistens ein Gedanke: „Man könnte ja mal …“ oder „Was wäre, wenn …?“

Die Auslöser dafür können überall liegen. Stefanie sieht, liest oder hört etwas und beginnt, die Idee in ihrem Kopf weiterzudenken.

Ein Beispiel ist „Silver Moon“ vom neuen Album „The Ancient Path“. Der Song entstand, nachdem Stefanie gelesen hatte, dass Enyas Produzent verstorben war. Weil sie Enya zu ihren Lieblingssängerinnen zählt, beschäftigte sie die Vorstellung, dass es womöglich keine neue Musik mehr von ihr geben könnte. Daraus entwickelte sich die Frage, ob sie selbst einen Song in einer vergleichbaren musikalischen Welt gestalten könne.

Wenige Tage später war „Silver Moon“ entstanden.

Stefanie hatte zuvor nicht geglaubt, einen solchen Song umsetzen zu können. Erst recht hatte sie nicht damit gerechnet, daraus einmal ein ganzes Album in dieser Richtung zu entwickeln.

Ganz anders begann „Misanthropika“ vom Album „Darker Vol. 1“. Morgens lief „MFG“ von den Fantastischen Vier im Radio. Stefanie fragte sich, wie eine Gothic-Version dieser Grundidee funktionieren könnte, allerdings nicht mit Abkürzungen, sondern mit negativen Begriffen aus der Gothic-Welt. Der Gedanke ließ sie während der Arbeit kaum los. In jeder freien Minute dichtete sie innerlich weiter und setzte Textteile zusammen.

Solche Momente zeigen, wie stark Stefanie ihre Umgebung beobachtet. Nicht zufällig nennt sie sich selbst phantasievoll, romantisch und beobachtend.

Warum ein Song bei TAoAI nicht mit einem einzigen Klick entsteht

Nach der ersten Idee beginnt für Stefanie ein Arbeitsprozess, der deutlich umfangreicher ist als das verbreitete Bild vom schnell eingegebenen Prompt.

Zunächst öffnet sie ein Textdokument und schreibt frei drauflos. Diese ersten Textblöcke dürfen einen tagebuchartigen Charakter haben und müssen noch nicht besonders poetisch sein. Wichtig ist zunächst, eine erkennbare Reihenfolge und damit die Geschichte des Songs zu finden.

Anschließend nimmt sie einzelne Sätze aus diesen Blöcken und versucht, daraus einen gereimten Songtext zu entwickeln. Manchmal gelingt das schnell, manchmal nimmt dieser Teil viel Zeit in Anspruch. Erst wenn eine vollständige Fassung steht, gibt sie den Text zum ersten Mal in Suno ein.

Beim Anhören zeigt sich, welche Stellen verändert werden müssen und ob der Text in deutscher Sprache überhaupt zur vorgesehenen Musik und zu ihrer in Suno gespeicherten Stimme passt. Wenn das nicht funktioniert, lässt sie den Inhalt ins Englische übertragen und reimen. Weil sie ihre eigenen Englischkenntnisse als nicht besonders stark einschätzt, nutzt sie dafür nach eigener Aussage YouTube.

Danach widmet sie sich der Melodie. Für ein Thema lässt sie sich ungefähr zehn Varianten erstellen. Diejenige, die sie am stärksten überzeugt, wird ausgewählt. Text und Song werden zusammengeführt und für eine erste Rohfassung geremixt. Anschließend arbeitet Stefanie so lange mit Metatags und Styles, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist.

Ein wichtiger Teil ihres Klangs ist ihre eigene Stimme. Bei fast allen Stimmen gibt sie diese als Grundlage mit an. Die gewöhnlichen Suno-Stimmen gefallen ihr nicht, deshalb nutzt sie lieber ihre hochgeladene eigene Stimme für die Generierung.

Mit der fertigen Rohfassung ist der Weg noch immer nicht beendet.

Im Magix Video Pro 17 entfernt Stefanie das Rauschen. Danach bearbeitet sie den Song in BandLab, um ihm mehr Tiefe und Druck zu geben. Anschließend geht es zurück zu Audacity, wo sie die Lautstärke reduziert und die Datei je nach Verwendungszweck als MP3 oder WAV ausgibt.

Auch die visuelle Ebene gehört für sie zum Song. Für die Gestaltung nutzt sie Gemini und Photoshop. Wenn ein Video entstehen soll, greift sie auf lizenzfreies Material von Pexels zurück. Von dort stammten auch die verwendeten Aufnahmen für den Clip zu „Drowning“.

Online arbeitet sie mit Suno, OnBeats, Gemini und BandLab. Auf dem Rechner nutzt sie Magix Video Pro 17, Audacity, OpenOffice und Photoshop.

Stefanie weiß selbst, dass ihr Ablauf umständlich wirken kann. Die einzelnen Schritte entstanden nach und nach durch Hinweise anderer Menschen. Sie behauptet nicht, jedes Programm perfekt zu beherrschen. Stattdessen beschreibt sie ihren Umgang mit den Werkzeugen mit entwaffnender Ehrlichkeit: „In Wirklichkeit mache ich irgendwas und hoffe, dass es wird. Und wenn es nichts wird, dann geht es in den Trash.“

Dann ergänzt sie trocken: „Aber offensichtlich hat es gefallen, sonst hätte ich nicht den Labelvertrag bekommen.“

Ein Labelvertrag, für den die Zeit zunächst noch nicht reif war

Der bislang größte Meilenstein ihrer jungen Zeit als KI-Musik-Creatorin ist der Labelvertrag, doch selbst diese Geschichte verlief anders, als man vielleicht erwarten würde.

Stefanie wurde zweimal gefragt, ob sie den Vertrag haben möchte.

Beim ersten Angebot war sie noch nicht bereit. Sie war gerade erst zu KiBeats gekommen und kaum einen Monat auf der Plattform, als das erste Telefonat stattfand. Zu diesem Zeitpunkt machte sie erst seit ungefähr zwei Monaten Musik mit KI. Alles war neu und sie wusste noch nicht, ob diese Begeisterung anhalten oder sich als kurze Phase erweisen würde. Auch die Gaming-Szene hatte damals noch einen festen Platz in ihrem Alltag.

Deshalb lehnte sie zunächst ab.

Als die Anfrage ein zweites Mal kam, hatte Stefanie bereits begonnen, Informationen zusammenzutragen. Es folgte ein weiterer Anruf, danach ging alles sehr schnell.

Bemerkenswert ist, wie wenig sie diesen Vertrag zur großen Karriereerzählung aufbläst. Sie weiß, dass andere KI-Artists von einer solchen Möglichkeit träumen und darauf sehr stolz wären. Für Stefanie bleibt die Musik trotzdem ein Hobby.

Nach einem harten Arbeitstag möchte sie abschalten. Musik hilft ihr nicht nur dabei, sondern gibt ihr Entspannung und neue Energie für den nächsten Tag. Genau darin liegt für sie der eigentliche Wert ihres kreativen Schaffens.

Zwischen Vorurteilen, „Slop“ und echter Arbeit

Die größten Herausforderungen erlebt Stefanie dort, wo Menschen KI-Musik beurteilen, ohne sich mit ihrer Entstehung zu beschäftigen.

Viele reagieren offen ablehnend und sagen ihr direkt, dass sie KI-Musik nicht mögen. Dahinter steht nach ihrer Erfahrung häufig dieselbe Vorstellung: Sie sitze am Computer, gebe den Auftrag für einen Gothic-Song zu einem bestimmten Thema ein und drücke anschließend nur noch auf einen Knopf.

Wenn Stefanie erklärt, dass in einem einzelnen Song durchaus mehrere Tage Arbeit stecken können, reagieren viele überrascht. Für sie liegt ein zentrales Problem darin, dass häufig wiederholt wird, was andere über KI-Musik sagen, ohne die Arbeitsweisen und Qualitätsunterschiede selbst zu prüfen.

Sie bestreitet nicht, dass schnell und lieblos erzeugte Inhalte existieren. Sie wehrt sich jedoch dagegen, jede KI-gestützte Musik mit diesem „Slop“ gleichzusetzen. Zwischen einem hastig generierten Ergebnis und einem Song, der über viele Arbeitsschritte entwickelt, ausgewählt, verändert und nachbearbeitet wurde, liegt für sie ein deutlicher Unterschied.

Eine weitere negative Erfahrung machte sie mit dem Video zu „Drowning“ auf YouTube. Dabei ging es nicht um den Song, sondern um die verwendeten Filmaufnahmen. Stefanie erhielt eine Copyright-Kennzeichnung, legte Widerspruch ein und wies nach, dass das Material lizenzfrei war. Die Kennzeichnung wurde daraufhin entfernt, doch der Vorgang dauerte einen Monat.

Danach zog sie sich von YouTube zurück. Heute veröffentlicht sie ihre Musik nach eigener Aussage exklusiv bei KiBeats. Dort findet sie die Community, in der sie sich wohlfühlt, keinen Stress erlebt und ihre Arbeit wertgeschätzt sieht.

Inspiration kann schön, düster oder überraschend sein

Stefanies Musik entsteht aus Büchern, Songs, Erlebnissen bei der Arbeit, Gesundheit, Sexualität und ihrer eigenen Phantasie.

Zu den KI-Künstlerinnen, denen sie bereits seit mehreren Jahren folgt, gehört Kelly Eldridge Boesch. Besonders deren Musik und Videos empfindet sie als beeindruckend. Stefanie sagt offen, sie wünsche sich, selbst irgendwann auch nur annähernd dieses Niveau zu erreichen.

Musikalisch inspiriert sie außerdem Enya. Sie schätzt deren weibliche Gesangsstimme und die Fähigkeit ihrer Songs, die Gedanken in phantasievolle Welten abdriften zu lassen.

Doch Phantasie allein reicht Stefanie nicht immer. Wenn ein Thema Wissen verlangt, recherchiert sie.

Für die keltischen Texte auf „The Ancient Path“ musste sie sich beispielsweise mit keltischen Gottheiten beschäftigen. Sie wusste, dass sie einen Song über eine solche Figur schreiben wollte, kannte zuvor aber keine. Für einen Titel des Albums „Darker“ recherchierte sie wiederum in der BDSM-Szene, weil sie eine konkrete Idee hatte, aber kaum Kenntnisse über das Thema.

Ihr trockenes Fazit dazu lautet: „Manchmal kann Recherche, sagen wir mal, interessant werden.“

Die Botschaften ihrer Songs fallen wegen des breiten Repertoires unterschiedlich aus. Ein gemeinsamer Gedanke bleibt trotzdem bestehen: Die Menschen sollen beim Hören Spaß haben und entspannen. Wer mitsingen möchte, soll es tun. Für Stefanie kann das Stress reduzieren und Körper und Seele guttun.

„The Ancient Path“ führt durch sechs Sprachen und mehrere Klangwelten

Am 15. August 2026 veröffentlicht TAoAI ihr neues Album „The Ancient Path“.

Die zwölf Songs bewegen sich zwischen Medieval, Celtic, Pagan und New Age. Zwei Stücke sind vollständig instrumental. Bei den übrigen wurde Stefanies eigene Stimme als Grundlage für die Generierung verwendet.

Auch sprachlich ist das Album ungewöhnlich breit angelegt. Zu hören sind Englisch, Deutsch, Münster Platt, Irisches Gälisch, Schottisches Gälisch und „Quenja“, die Sprache der Hochelben aus den Büchern von „Der Herr der Ringe“.

„Silver Moon“ gehört zu diesem Album und steht zugleich beispielhaft für Stefanies gesamte Entwicklung. Aus der Frage, ob sie einen bestimmten Klang überhaupt umsetzen könne, wuchs nicht nur ein einzelner Song, sondern ein vollständiges Werk.

Dabei ist „The Ancient Path“ nur eines von mehreren Vorhaben.

Für die Kinder ihrer Kita arbeitet Stefanie an einem Herbst-Winter-Doppelalbum mit insgesamt 40 Songs. Es soll ab September in zwei Teilen erscheinen, wobei sie selbst offenlässt, ob sie den Zeitplan einhalten kann. Ein endgültiger Arbeitstitel stand zum Zeitpunkt ihrer Antworten noch nicht fest.

Zur Wintersonnenwende ist außerdem das keltische Winteralbum „Frostweaver’s Dream“ geplant. Für das Frühjahr soll mit „Darker Vol. 2“ ein neues Gothic-Album folgen. Ebenfalls für das Frühjahr ist die erotische Jazz-Single „Seduction . AI ~ Sax & Sin“ vorgesehen.

Wer bei dieser Liste große Karrierepläne vermutet, trifft erneut auf Stefanies trockenen Humor.

„Unter einem Grammy gebe ich mich nicht zufrieden“, sagt sie zunächst, bevor sie die Aussage sofort als Scherz auflöst. Konkrete Ziele habe sie nicht. Sie möchte einfach weiter Musik machen und so lange wie möglich Freude daran haben.

Der Alltag hinter TAoAI

So phantasievoll ihre Musikwelten sind, so unspektakulär beschreibt Stefanie ihren Alltag.

Seit ungefähr 20 Jahren folge ihr Leben im Wesentlichen demselben Rhythmus: arbeiten gehen, nach Hause kommen, Hausarbeit erledigen, Zeit im Internet verbringen, schlafen und am nächsten Tag wieder aufstehen und arbeiten.

Unterbrochen wird dieser Ablauf gelegentlich durch Einkäufe und Krankenhausaufenthalte. Stefanie lebt mit Folgeerkrankungen einer Sepsis. Nach ihrer Aussage kann sie das bis an ihr Lebensende begleiten.

Sie erzählt diesen Teil ihrer Geschichte ohne große Inszenierung und mit demselben Humor, der auch an anderen Stellen immer wieder durchscheint. Erst kündigt sie scherzhaft an, nun würden all ihre dunklen Geheimnisse aufgedeckt. Dann sagt sie über sich selbst, sie sei eigentlich nichts Besonderes, eher langweilig und bei ihr passiere nie wirklich etwas.

Doch vielleicht liegt gerade in diesem scheinbaren Widerspruch etwas Wesentliches: Tagsüber prägen Verantwortung, Sprache, Inklusion und die Arbeit mit Kindern ihr Leben. Nach Feierabend entstehen keltische Gottheiten, Gothic-Geschichten, Kinderlieder, Jazzideen und Alben in mehreren Sprachen.

Stefanies drei Begriffe für sich selbst passen deshalb sehr genau: phantasievoll, romantisch, beobachtend.

Community statt Haifischbecken

Anderen Menschen, die ernsthaft KI-Musik gestalten, gibt Stefanie vor allem einen Rat: Bleibt mit euren Songs in der Community.

Sie liest häufig von Creatorn, die frustriert sind, weil sie weder Aufmerksamkeit erhalten noch Geld verdienen. Nach ihrer Erfahrung kommt man innerhalb einer Gemeinschaft schneller weiter als draußen im großen Haifischbecken der Musikbranche.

Dabei verbindet sie ihren Rat mit einer sehr bodenständigen Warnung vor zu großen Erwartungen: „Ich bin nicht Madonna“ oder „Ich bin nicht Mercury“ seien Sätze, die sich jeder Creator in finanzieller Hinsicht immer wieder sagen sollte. Denn je größer die Erwartungen sind, desto größer kann am Ende auch die Enttäuschung werden.

Diese Haltung zieht sich durch ihre gesamte Geschichte. Stefanie besitzt einen Labelvertrag, macht daraus aber kein Versprechen auf Ruhm. Sie veröffentlicht mehrere Alben, nennt die Musik aber weiterhin ihr Hobby. Sie arbeitet mit künstlicher Intelligenz, verschweigt jedoch weder ihre Unsicherheiten noch die vielen Schritte, die notwendig sind, bis ein Song ihren eigenen Vorstellungen entspricht.

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