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THOMAS FOSTER

Der Mann, dessen Musik Millionen hören, ohne seinen Namen zu kennen

Text: Andreas Arndt ·

THOMAS FOSTER

Seine Musik begleitet Nachrichtensendungen, läuft bei Radio- und Fernsehstationen auf der ganzen Welt und erreicht ein Millionenpublikum.

Gleichzeitig veröffentlicht Thomas Foster unter seinem eigenen Namen Musik, vermittelt sein Wissen an eine große Community und beschäftigt sich intensiv mit einer Technologie, die gerade dabei ist, die Musikproduktion erneut zu verändern: künstliche Intelligenz.

Doch die Geschichte von Thomas Foster beginnt lange vor Streaming, Social Media, DAWs und KI. Sie beginnt mit der Plattensammlung seines Vaters, den Beatles und einem Jungen von fünf oder sechs Jahren, der erstaunlich früh wusste, in welcher Welt er einmal leben wollte.

ALS DIE BEATLES DIE RICHTUNG VORGABEN

Thomas Foster war fünf oder sechs Jahre alt, als er die Plattensammlung seines Vaters durchstöberte und bei den Beatles hängen blieb. Warum gerade diese Musik etwas in ihm auslöste, kann er heute selbst nicht genau erklären. Aber ihm wurde ziemlich schnell klar, dass dies die Welt war, in der er einmal leben wollte.

Damals dachte er noch stärker daran, selbst Sänger und Musiker im Rampenlicht zu sein. Erst später stellte sich heraus, dass seine eigentliche Stärke vor allem im Komponieren und Produzieren lag. Der Wunsch, sein Leben mit Musik zu verbringen, blieb.

Die ersten musikalischen Erfahrungen machte Thomas gemeinsam mit seiner Schwester und seinem Vater in der Kirche. Sein Vater textete Beatles-Songs um. Aus „Oh, I Need Your Love Babe“ wurde beispielsweise „Oh Herr, du bist heilig“. Thomas kümmerte das offenbar wenig. Er saß am Schlagzeug und fühlte sich wie Ringo Starr.

Nach einer Messe kam ein junger Mann namens Peter Kent auf ihn zu. Peter schlug einen Deal vor: Wenn er auf Thomas' Schlagzeug spielen dürfe, könne Thomas dafür auf seiner Orgel spielen. Aus dieser Begegnung entstand wenig später die erste gemeinsame Band. Thomas und Peter waren ungefähr sieben Jahre alt, der Name ihrer Band war Flying Potatoes.

Viele Jahre später gründeten die beiden Foster Kent. Die Verbindung, die als Kinder mit Schlagzeug und Orgel begonnen hatte, sollte damit zu einem wichtigen Teil von Thomas' beruflichem Leben werden.

DER SONG, DEN DAS RADIO NICHT WOLLTE

Eine der entscheidenden Wendungen ihrer Karriere begann ausgerechnet mit einem Song, von dem Thomas und Peter überzeugt waren, einen großen Hit produziert zu haben. Sie gingen damit zu Hitradio Ö3. Der Titel: „Flying Is Better Than Sex“.

Der erhoffte Durchbruch blieb aus. Außer ein bisschen Gelächter bekamen sie zunächst nicht sonderlich viel Resonanz. Doch jemand beim Sender hörte offenbar genauer hin. Sinngemäß bekamen die beiden zu hören: Den Song werde man wahrscheinlich nicht spielen, aber der Sound sei ziemlich gut. Ob sie nicht einmal versuchen wollten, etwas für den Sender zu produzieren?

Damit veränderte eine Ablehnung ihre Richtung. Thomas und Peter waren zum Radio gegangen, weil sie wollten, dass dort ihr Pop-Song gespielt wird. Stattdessen öffnete ihnen genau dieser Song die Tür zur Produktion für das Radio.

Es wurde ihr Einstieg in Radiojingles und Audio Branding und damit in ein Geschäft, von dem sie Jahrzehnte später noch immer leben. Rückblickend gehört die Geschichte zu Thomas' Lieblingsgeschichten. Sie zeigt zugleich etwas, das sich durch seinen musikalischen Weg zieht: Nicht immer führt der ursprünglich geplante Weg zum entscheidenden Ziel.

DAS GEHEIMNIS HINTER EINEM GROSSEN SOUND

Seine erste eigene Produktion erinnert Thomas ebenfalls sehr genau. Er war großer Fan des Films „La Boum“ und besonders des Songs „Reality“. Er wollte unbedingt eine eigene Version davon aufnehmen.

Seine Vorstellung von Musikproduktion war zu diesem Zeitpunkt noch relativ einfach: Wenn genügend gute Musiker zusammenspielen, müsste das Ergebnis doch automatisch genauso großartig klingen wie das Original.

Also organisierte Thomas einen Geiger, weil er im Original irgendwo eine Geige gehört hatte. Dazu kamen Schlagzeug und Bass, Thomas selbst spielte Klavier.

Am Abend hörte er sich die Aufnahme an und musste feststellen, dass das Original um Welten besser klang.

Diese Erkenntnis wurde für ihn zu einem wichtigen Moment. Gute Musiker allein reichten offensichtlich nicht aus. Hinter dem Klang großer Produktionen musste noch etwas anderes stecken. Etwas, das Thomas zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstand.

Und genau das wollte er herausfinden.

Für Thomas begann damit im Grunde seine eigentliche Reise als Musikproduzent.

WENN SCHLECHTES EQUIPMENT ERFINDERISCH MACHT

Eine weitere prägende Erfahrung entstand ausgerechnet durch technische Einschränkungen. Während viele Kollegen später von Analogtechnik schwärmten und davon, wie viel wärmer und besser analog grundsätzlich klinge, hatten Thomas und Peter zunächst eine völlig andere Erfahrung gemacht.

Der Grund war einfach: Die Analogtechnik, die sie sich leisten konnten, war nicht besonders gut. Die Bandmaschine leierte, das Mischpult rauschte. Das sauberste Gerät in ihrem Studio war ausgerechnet ein digitaler ADS-Sampler von Dynacord.

Also begannen sie, immer mehr Material direkt in den Sampler aufzunehmen. Der Klang gefiel ihnen besser und gleichzeitig bot die Technik einen entscheidenden Vorteil. Ein aufgenommener Sound konnte auf eine Taste gelegt und anschließend an jeder beliebigen Stelle im Song wieder abgerufen werden.

Im Prinzip bauten sie sich damit eine Art Harddisk-Recording-System, lange bevor Harddisk Recording für sie überhaupt verfügbar war.

Jahre später hörte Thomas ein Interview mit den Produzenten von Snap!, die beschrieben, wie sie bei „The Power“ mit einer ganz ähnlichen Technik gearbeitet hatten und wie wesentlich dieser Workflow für den Sound des Hits gewesen sei.

Thomas erkannte darin seine eigene Arbeitsweise wieder.

Für ihn steckt darin bis heute eine wichtige Erkenntnis: Innovation entsteht nicht zwangsläufig dadurch, dass jemand das beste Equipment besitzt. Manchmal entsteht sie gerade deshalb, weil Einschränkungen dazu zwingen, erfinderisch zu werden.

AUS EINEM KINDHEITSTRAUM WIRD EIN BERUF

Thomas war nach eigener Aussage bereits als kleines Kind überzeugt davon, dass Musik sein Beruf werden würde. Einen wirklichen Plan B gab es nicht.

Mit Anfang zwanzig wurde aus dieser Überzeugung Realität. Thomas und Peter lieferten ihre ersten Produktionen für Ö3 ab und verdienten tatsächlich Geld damit. Plötzlich war Musik nicht mehr nur der Traum zweier Menschen, sondern eine berufliche Grundlage.

Lange befand sich ihr Studio im Haus von Thomas' Eltern. Irgendwann war die Arbeit erfolgreich genug, um dort auszuziehen und ein eigenes professionelles Studio zu bauen, genau so, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Für Thomas war dieser Moment besonders. Nicht, weil ein Studio an sich Erfolg bedeutet, sondern weil diese Räume sichtbar machten, dass ihre Musik inzwischen tatsächlich ein Leben finanzieren konnte.

Der verrückte Plan funktionierte.

MUSIK, DIE MILLIONEN MENSCHEN BEGLEITET

Heute produziert Thomas Musik für Radio- und Fernsehstationen auf der ganzen Welt. Nach seinen Angaben läuft seine Musik beispielsweise jeden Abend bei RTL Aktuell, bei NewsNation in den USA und beim New Yorker Radiosender 1010 WINS, dort teilweise alle zwanzig Minuten.

Zu den besonderen Stationen seiner Karriere gehört auch Musik für die österreichische „Zeit im Bild“. Wenn Musik täglich im Fernsehen läuft und praktisch jeder im Land ihren Klang kennt, bekommt eine Produktion eine Dimension, die weit über das eigene Studio hinausreicht.

Thomas beschreibt dieses Gefühl dennoch nicht ausschließlich über große Zahlen. Als junger Musiker ging er gerne in Lokale, in denen irgendwo ein Klavier stand. Dann spielte er, irgendwann sang das ganze Lokal mit und gemeinsam wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Auch das konnte für ihn ein unglaublich intensives musikalisches Erlebnis sein.

Natürlich ist es trotzdem etwas Besonderes zu wissen, dass mehr als eine Million Menschen am Abend Nachrichten schauen und dabei die eigene Musik hören. Für Thomas bedeutet das auch, etwas geschaffen zu haben, das über das eigene Studio hinaus Bedeutung bekommen hat.

ERFOLG ERZÄHLT NUR DIE HALBE GESCHICHTE

Zu Thomas Fosters Karriere gehören nicht nur Produktionen, die funktionieren. Mindestens genauso prägend waren für ihn die Projekte, die ihre Erwartungen nicht erfüllten.

Ein Beispiel ist das Album „Two Seconds to Eternity“. Zwölf Songs, zahlreiche internationale Sänger und viel Energie flossen in ein großes Projekt, an das die Beteiligten glaubten. Der erhoffte große Erfolg blieb trotzdem aus.

Thomas betrachtet solche Erfahrungen heute anders. Im ersten Moment tun sie weh. Rückblickend lernt man seiner Erfahrung nach aus Projekten, die nicht funktionieren, häufig mehr als aus solchen, bei denen alles glattläuft.

Das wirtschaftlich stabile Fundament bildete über die Jahre die Musik für Radio, Fernsehen, Medienhäuser und Werbeagenturen. Daneben probierten Thomas und seine Partner vieles aus: Bands, Musicals, Soloprojekte und Produktionen anderer Künstler. Dabei gab es nach seiner eigenen Einschätzung erheblich mehr Misserfolge als Erfolge.

Einen Fehler erkennt Thomas rückblickend darin, manche Dinge zu schnell wieder aufgegeben zu haben. Funktionierte ein Projekt nicht sofort, wartete bereits die nächste Idee. Dadurch bekamen manche Projekte möglicherweise nie die Chance, wirklich zu wachsen.

DIE NACHT, IN DER ARIANE ROTH ZU SINGEN BEGANN

Zu Thomas' persönlicher und musikalischer Geschichte gehört auch Ariane Roth. Ihre erste Begegnung beschreibt er selbst als ziemlich kurios. Beide waren auf einer Party in Salzburg eingeladen und kannten sich nicht.

Irgendjemand wusste offenbar, dass Thomas gut Klavier spielte, jemand anderes kannte Arianes Stimme. Also wurden zwei Menschen, die sich noch nie gesehen hatten, kurzerhand zum gemeinsamen Musizieren gebracht.

Nur hatten sie zunächst ein Problem: Sie fanden keinen Song. Thomas kam stärker aus der Popmusik, Ariane eher aus der Musical-Welt. Nach längerem Überlegen einigten sie sich auf „I Don’t Know How to Love Him“ aus „Jesus Christ Superstar“.

Auf der Party waren ungefähr 50 Menschen und es war entsprechend laut. Thomas und Ariane gingen davon aus, ein bisschen zu spielen, ohne dass es groß jemand bemerken würde. Doch als Thomas die erste Taste seines Fender Rhodes anschlug, wurde es plötzlich still.

Was dann geschah, hat er bis heute nicht vergessen.

„Ich hatte das Gefühl, noch nie in meinem Leben so gut Klavier gespielt zu haben.“

Ariane sang und Thomas hatte den Eindruck, dass ihre Stimme ihn beim Spielen regelrecht führte. Für ihn entstand etwas, das sich kaum erklären ließ.

„Ich saß selbst mitten in dieser Performance und dachte gleichzeitig: Wie kann ich eigentlich Teil von etwas sein, das gerade so unglaublich schön klingt?“

Aus dieser musikalischen Begegnung entstand auch eine Beziehung. Thomas beschreibt diese gemeinsame Zeit als eine längere Phase, in der beide sehr glücklich miteinander waren.

Einige Wochen später stellte Thomas außerdem fest, dass er Arianes Vater längst kannte: Ron Williams, mit dem er bereits zuvor im Studio gearbeitet hatte.

EIN R&B-ALBUM, DAS NIE ERSCHIEN

Auch musikalisch arbeiteten Thomas und Ariane in dieser Zeit intensiv zusammen. Thomas produzierte mit ihr ein komplettes R&B-Album. Veröffentlicht wurde es allerdings nie.

Rückblickend glaubt Thomas, dass sie mit dieser Musik ihrer Zeit einige Jahre voraus gewesen seien. Irgendwann entschieden sie sich, etwas anderes zu machen und das fertige Album blieb unveröffentlicht.

Heute findet Thomas das schade. Aus seiner Sicht hätten sie mit diesem Sound möglicherweise genau vor der großen R&B-Welle liegen können.

Die Beziehung zwischen Thomas und Ariane hielt schließlich nicht. Danach hatten die beiden nach seiner Erinnerung ein oder zwei Jahre kaum Kontakt.

Damit hätte ihre gemeinsame Geschichte enden können.

Tat sie aber nicht.

EIN LEUCHTENDER KASTEN UND DIE GEBURT VON iVOTION

Irgendwann trafen sich Thomas und Ariane wieder. Thomas zeigte ihr ein elektronisches Instrument, von dem er damals begeistert war: das Yamaha TENORI-ON, ein ungewöhnliches Gerät mit 16 mal 16 leuchtenden Tasten.

Thomas spielte etwas darauf, Ariane begann spontan dazu zu singen und meinte schließlich, dass sie genau das einmal live auf einer Bühne machen müssten.

Ariane trat damals häufiger im Nectar auf und nahm Thomas irgendwann mit. Damit standen die beiden wieder gemeinsam auf einer Bühne.

Bei diesen Auftritten war öfter ein Freund von Ariane, der Gitarrist Tom Huber, dabei. Irgendwann entstand die Idee, seine akustische Gitarre hinzuzunehmen.

So trafen drei sehr unterschiedliche Klangwelten aufeinander: Arianes große emotionale Stimme, Tom Hubers akustische Gitarre und Thomas mit dem futuristischen TENORI-ON und weiteren digitalen Instrumenten.

Daraus entstand schließlich iVotion.

Das Projekt lebte gerade von diesem Gegensatz aus akustischen und elektronischen Elementen. Thomas erzählt, dass sie iVotion über viele Jahre intensiv betrieben, ein komplettes Album produzierten und auf großen Bühnen spielten, unter anderem in München, Graz und auf Mallorca.

Offiziell aufgelöst wurde die Band nach seiner Darstellung eigentlich nie. Mit Corona fielen Auftritte weg und das Projekt schlief zunehmend ein.

Eine Sache schlief allerdings nicht ein: die Freundschaft zwischen Thomas und Ariane.

VIELE JAHRE SPÄTER STEHEN IHRE NAMEN WIEDER NEBENEINANDER

Thomas und Ariane trafen sich weiterhin und nahmen später erneut gemeinsam Musik auf. Im November 2024 veröffentlichten sie ihre Version von „Everybody’s Got to Learn Sometime“.

Im April 2026 folgte „We Can Take Our Time“.

Damit schließt sich für Thomas ein bemerkenswerter Kreis. Kennengelernt hatten sie sich nur deshalb, weil zwei Menschen auf einer Party unabhängig voneinander entschieden hatten, dass diese Sängerin und dieser Pianist unbedingt gemeinsam Musik machen müssten.

Viele Jahre später tun sie genau das noch immer.

Heute verbindet Thomas und Ariane nach seinen eigenen Worten eine sehr tiefe Freundschaft. Und die Freude daran, gemeinsam Musik zu machen, ist noch immer vorhanden.

THOMAS FOSTER ENTSCHEIDET SICH FÜR THOMAS FOSTER

Vor einigen Jahren traf Thomas für seine eigene Künstlerkarriere eine wichtige Entscheidung. Statt immer wieder neue Projekte zu beginnen, wollte er sich auf seinen eigenen Namen konzentrieren.

Dinge, die die Karriere von Thomas Foster weiterbringen, macht er. Andere Projekte brauchen inzwischen einen anderen sehr guten Grund.

Und plötzlich begann sich etwas aufzubauen. Aus wenigen hundert monatlichen Spotify-Hörern wurden nach Thomas' Angaben innerhalb relativ kurzer Zeit mehr als 100.000, zeitweise sogar rund 200.000.

Er weiß selbst, dass solche Zahlen schwanken und allein das Halten einer Reichweite schwierig ist. Trotzdem hatte er erstmals das Gefühl, dass daraus langfristig etwas Substanzielles entstehen könnte.

Auch 2026 setzt Thomas diesen Weg fort. Im August erschien „Viva La Vida“, eine gemeinsame Veröffentlichung mit Uwe Ochsenknecht und dem Inselradio Mallorca. Thomas selbst verbindet mit dem Song Sommer, Freiheit, Lebensfreude und das besondere Mallorca-Gefühl.

Damit stehen heute verschiedene Seiten seines musikalischen Lebens nebeneinander: der Produzent, dessen Musik ein Millionenpublikum in Radio und Fernsehen erreicht, und Thomas Foster als Künstler, der bewusst daran arbeitet, auch seinen eigenen Namen mit seiner Musik zu verbinden.

WENN DIE EIGENE MUSIK EINEN SELBST NOCH BERÜHRT

Wer professionell Musik produziert, arbeitet häufig auch mit der Frage, was erfolgreich sein könnte. Was funktioniert? Was passt zum Markt? Was könnte im Radio laufen?

Viele Jahre später sind es deshalb für Thomas nicht zwangsläufig die kommerziell erfolgreichsten Produktionen, die ihn emotional am stärksten erreichen. Oft sind es Balladen oder Stücke, die vielleicht kaum kommerzielle Chancen hatten.

Als zwei aktuelle Beispiele nennt er „In the Sky“ und „Deep Inside the Blue“, die er gemeinsam mit Thomas Lemmer produziert hat.

Seine eigene Musik hört Thomas erstaunlich selten. Manchmal jedoch laufen diese Stücke am Abend in seiner Playlist, vielleicht bei einem Glas Wein. Dann dreht er sie laut auf und sie erzeugen in ihm ein besonderes Gefühl.

Vielleicht liegt darin eine sehr persönliche Form von Erfolg: Musik erschaffen zu haben, die den eigenen Schöpfer selbst noch berühren kann.

WARUM EIN GROSSARTIGER SONG NICHT AUTOMATISCH GEWINNT

Thomas hat die Musikbranche lange vor Streaming, Social Media und generativer KI erlebt. Seine Sicht auf das heutige Geschäft ist entsprechend von vielen unterschiedlichen Phasen geprägt.

Musiker leben für ihn in einem Spannungsfeld. Sie wollen großartige Musik machen und gleichzeitig erfolgreich sein. Nur ist das nicht automatisch dasselbe.

Der Sänger mit der besten Stimme gewinnt nicht zwangsläufig. Marketing, Strategie und vorhandene Reichweite können ebenso entscheidend sein.

Thomas bezeichnet sich musikalisch selbst als Chamäleon. In seinem Beruf hat er gelernt, sich zu fragen, was ein Kunde benötigt, was die Hörer einer Radio- oder Fernsehstation fühlen sollen und wie Musik gestaltet werden muss, damit genau diese Emotion entsteht.

Er fragte sich deshalb häufig weniger: „Was fühle ich?“, sondern vielmehr: „Was sollen die Hörer fühlen?“

Auch die Vorstellung vom einen fantastischen Song, der automatisch eine Weltkarriere auslöst, betrachtet Thomas heute anders als in jungen Jahren. Eine Karriere hat für ihn sehr viel mit Strategie zu tun: Zeitpunkt einer Veröffentlichung, Zusammenarbeit mit anderen, Label, Genre, Zielgruppe, die Geschichte hinter einem Projekt und der Aufbau von Reichweite.

Seine Einschätzung formuliert er deutlich: Es sei wahrscheinlich leichter, mit fantastischem Marketing einen mittelmäßigen Song groß zu machen, als ohne Marketing einen fantastischen Song.

Das mag ernüchternd klingen. Für Thomas bedeutet das Verständnis dieser Realität aber auch, gezielter mit ihr umgehen zu können.

MEHR MÖGLICHKEITEN, MEHR MUSIK, MEHR KAMPF UM AUFMERKSAMKEIT

Gleichzeitig sieht Thomas viele Entwicklungen der modernen Musikbranche positiv. Künstler können ihre Musik heute selbst veröffentlichen, über Instagram Promotion betreiben und auf YouTube ihre eigene kleine TV-Show rund um ihre Musik aufbauen.

Ein Laptop ermöglicht Dinge, für die früher ein komplettes Team benötigt wurde.

Künstliche Intelligenz erweitert diese Möglichkeiten für ihn noch einmal.

Künstler sind dadurch wesentlich weniger abhängig von Plattenfirmen, Studios oder anderen Musikern. Die Kehrseite ist die enorme Menge an Musik, die veröffentlicht wird. Thomas verweist darauf, dass täglich weit über 100.000 neue Songs auf Streamingplattformen erscheinen und KI diese Zahl zusätzlich erhöht hat.

Für Newcomer wird es dadurch extrem schwierig, überhaupt sichtbar zu werden.

Die Möglichkeiten waren noch nie größer. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ebenfalls nicht.

WISSEN, DAS WEITERLEBT

Neben Produzent und Künstler ist Thomas längst auch Lehrer und Wissensvermittler geworden. Irgendwann stellte er fest, wie viel es anderen Menschen bedeutet, wenn er seine Erfahrungen weitergibt und wie glücklich ihn selbst genau das macht.

Musik zu hinterlassen ist für Thomas schön. Wissen zu hinterlassen, mit dem andere Menschen anschließend selbst Musik erschaffen können, besitzt für ihn eine zusätzliche Dimension.

Sein YouTube-Kanal „Thomas Foster – Sound & Vision“ hat inzwischen mehr als 90.000 Abonnenten und umfasst weit über 1.000 Videos.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Reichweite seiner Inhalte ist eine mehrteilige Tutorial-Reihe zu FL Studio 21. Ausgerechnet FL Studio gehört nach Thomas' eigener Aussage nicht einmal zu den Programmen, mit denen er besonders viel arbeitet. Trotzdem wurde dieses Tutorial fast eine Million Mal angesehen.

Für Thomas steckt hinter solchen Zahlen mehr als Reichweite. Die Vorstellung, dass irgendwo Menschen Musik produzieren, weil sie möglicherweise mit seinen Videos angefangen haben, bedeutet ihm viel.

Besonders schön sind für ihn Begegnungen mit DJs oder Produzenten, die inzwischen selbst bekannt sind und ihm sagen:

„Thomas, von dir habe ich Musikproduzieren gelernt.“

Durch YouTube und seine Community wurde Thomas gleichzeitig als Person sichtbarer. Ein Produzent kann im Hintergrund arbeiten, während Millionen Menschen seine Musik kennen, ohne seinen Namen zu kennen.

Heute interessieren sich Menschen nicht nur dafür, was Thomas produziert, sondern auch dafür, wie er arbeitet, warum er bestimmte Dinge tut und wie er über Entwicklungen innerhalb der Musik denkt.

DIE ACADEMY UND DAS BESTE AUS ZWEI WELTEN

Gemeinsam mit seiner Tochter begann Thomas bereits vor vielen Jahren, eine Plattform aufzubauen, auf der Menschen Musikproduktion lernen können. Damals nannten sie sie Music Production Academy.

Mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz stellte Thomas zunehmend fest, dass viele klassische Institute, Studiengänge und Ausbildungsangebote KI eher als zusätzliches Spezialthema behandeln. Vielleicht kommt einmal ein Gastdozent und spricht darüber, während der eigentliche Unterricht anschließend weiterläuft wie zuvor.

Thomas glaubt nicht, dass diese Trennung der heutigen Produktionsrealität noch gerecht wird.

Viele professionelle Produzenten, mit denen er spricht, verwenden nach seiner Erfahrung inzwischen in irgendeiner Form KI. Das bedeutet keineswegs, dass sie komplette Songs generieren lassen. KI kann Inspiration liefern, bei Soundgestaltung oder Editing helfen und Arbeitsschritte beschleunigen.

Sein Ansatz verbindet deshalb klassische Musikproduktion in Logic, Ableton, FL Studio, Cubase und anderen DAWs mit den Möglichkeiten künstlicher Intelligenz.

Nicht entweder oder.

Das Beste aus beiden Welten.

KI: WERKZEUG, RISIKO UND EINE NEUE STUFE DER MUSIKPRODUKTION

Thomas betrachtet künstliche Intelligenz weder ausschließlich euphorisch noch grundsätzlich ablehnend. Für ihn ist KI eine enorm mächtige Technologie, die das Leben verbessern kann und gleichzeitig Risiken mit sich bringt.

Auch in der Musik sieht er diese Ambivalenz. KI kann Menschen helfen, kreativer zu arbeiten und bessere Musik zu produzieren. Gleichzeitig könnte sie theoretisch dazu führen, dass irgendwann ein großer Teil der konsumierten Musik vollständig maschinell erzeugt wird und menschliche Künstler noch stärker um Aufmerksamkeit kämpfen müssen.

Im Moment sieht Thomas diese Entwicklung allerdings nicht.

Das große Potenzial liegt für ihn an einer anderen Stelle.

Er beschreibt das Beispiel eines Singer-Songwriters, der fantastische Songs am Klavier schreibt und großartig singt, aber nie gelernt hat, Drums zu programmieren, Arrangements zu bauen, einen Equalizer einzustellen oder eine professionelle Produktion zu mischen.

Früher brauchte dieser Mensch dafür Produzenten, Tontechniker und Musiker. Heute kann er eine einfache Demo aufnehmen, verschiedene Produktionsideen mithilfe einer KI ausprobieren, anschließend beispielsweise das Instrumental exportieren und seinen eigenen Gesang erneut aufnehmen.

Thomas stellt dazu eine interessante Frage: Was hat dieser Künstler grundsätzlich anders gemacht als ein Weltstar, der sich von Produzenten, Arrangeuren und Tontechnikern unterstützen lässt?

Der Unterschied liegt darin, dass die Unterstützung diesmal von einer KI kommt.

Genau darin sieht Thomas eine große Chance. KI kann Sänger, Musiker, DJs und Songwriter dabei unterstützen, ihre Ideen auf ein Niveau zu bringen, das ihnen vorher möglicherweise verschlossen war.

WENN TECHNOLOGIE EINEM MENSCHEN DIE MUSIK ZURÜCKGIBT

Besonders berührt hat Thomas die Nachricht eines Musikers, der ihm schrieb, dass er seine Gitarre aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr halten könne. Musik war zuvor ein wichtiger Teil seines Lebens gewesen und plötzlich war dieser Teil verschwunden.

Durch KI konnte er wieder Songs machen.

Der Musiker schrieb Thomas, dass dadurch eine große Lücke in seinem Leben wieder gefüllt worden sei.

Für Thomas zeigt gerade eine solche Geschichte, warum die Diskussion über künstliche Intelligenz mehr Facetten besitzt als die einfache Einteilung in „KI gut“ und „KI schlecht“.

Technologie verändert Arbeitsweisen. Das geschieht nicht zum ersten Mal. Thomas erinnert daran, dass auch die DAW traditionelle Studiojobs verändert oder teilweise überflüssig gemacht hat.

Trotzdem würde heute kaum jemand ernsthaft verlangen, deshalb wieder vollständig zur Bandmaschine zurückzukehren.

Für Thomas steht fest: KI ist da.

Und sie wird nicht wieder verschwinden.

DIE ZUKUNFT GEHÖRT FÜR IHN NICHT DER REINEN PROMPT-MASCHINE

Für die kommenden fünf bis zehn Jahre erwartet Thomas dennoch keine Musikwelt, in der erfolgreiche Songs überwiegend dadurch entstehen, dass jemand auf einen Knopf drückt und fertige Musik generieren lässt.

Das Modell, komplette KI-Songs zu erzeugen und damit automatisch erfolgreich zu werden, funktioniert seiner Beobachtung nach für die allermeisten Menschen nicht.

Thomas verweist auf Geschichten über vermeintlich riesige KI-Musikerfolge, bei denen sich später herausgestellt habe, dass Streams manipuliert, Bots eingesetzt oder eigene Tonträger gekauft worden seien.

Auch das Verhältnis zwischen der enormen Menge KI-generierter Uploads und deren vergleichsweise kleinem Anteil am tatsächlichen Konsum deutet für ihn darauf hin, dass Menschen nicht automatisch massenhaft anonyme KI-Musik hören wollen.

Eine größere Gefahr sieht Thomas darin, dass Streamingplattformen irgendwann selbst große Mengen Musik mithilfe von KI produzieren könnten, um weniger Einnahmen mit Labels und Rechteinhabern teilen zu müssen.

Für die großen Hits erwartet er dagegen ein anderes Szenario.

Die größten Hits der Zukunft werden seiner Meinung nach weiterhin von Menschen gemacht, nur von Menschen, die sich von KI helfen lassen.

WARUM KI NICHT HEIMLICH STATTFINDEN SOLLTE

Thomas erlebt gleichzeitig, dass professionelle Produzenten bereits mit KI arbeiten, darüber aber nicht unbedingt öffentlich sprechen möchten.

Große Produzenten erzählen ihm nach seinen Angaben begeistert, was sie mit KI ausprobiert haben und bitten ihn gleichzeitig darum, öffentlich nicht darüber zu sprechen, weil sie negative Kommentare befürchten.

Diese Entwicklung hält Thomas für problematisch.

Er wünscht sich einen offenen Umgang mit der Technologie und Regeln, die eine vernünftige Nutzung ermöglichen. In einigen Jahren, davon ist er überzeugt, wird KI ein selbstverständlicher Bestandteil des Produktionsworkflows sein.

Vor allem als Werkzeug, das Menschen unterstützt und weniger als reine Prompt-Maschine, die den kreativen Menschen vollständig ersetzt.

„MENSCHEN FOLGEN MENSCHEN“

Bei allem technischen Wandel bleibt Thomas bei einer Überzeugung, die gerade für junge Künstler entscheidend ist:

„Menschen folgen Menschen.“

Er hält es weiterhin für unschlagbar, wenn ein Künstler wirklich etwas kann. Wer großartig singt, ein Instrument beherrscht, Songs schreibt und damit Menschen berühren kann, besitzt etwas Wertvolles.

Ob anschließend bei der Produktion KI eingesetzt wird oder nicht, wird seiner Einschätzung nach in einigen Jahren wahrscheinlich wesentlich weniger wichtig sein als heute.

Menschen schauen zu anderen Menschen auf, weil diese etwas können, weil ihre Persönlichkeit interessant ist, weil ihre Geschichte berührt oder weil ihre Musik etwas auslöst.

Deshalb gibt Thomas jungen Künstlern im Kern zwei Dinge mit: Sie sollen ihr Instrument lernen. Und wenn ihre Stimme ihr Instrument ist, sollen sie lernen, diese Stimme zu beherrschen.

Gleichzeitig sollten sie so früh wie möglich beginnen, ihr eigenes Publikum aufzubauen.

Nicht darauf warten, dass irgendwann eine Plattenfirma kommt und sie entdeckt. Labels achten heute längst nicht ausschließlich auf den Künstler mit dem besten Song oder der besten Stimme. Sie schauen auch darauf, ob jemand bereits bewiesen hat, dass er Menschen erreichen kann und ob auf Spotify, Instagram, YouTube oder anderen Plattformen bereits eine Community entstanden ist.

Gut werden in dem, was man tut und gleichzeitig die Menschen finden, für die man es tut.

DER TRAUM, DER NICHT VERSCHWINDET

Nach all den Jahren, Erfolgen, Misserfolgen und Veränderungen besitzt Thomas noch immer einen bemerkenswerten Antrieb. Er weiß selbst nicht genau, woher dieser beinahe unerschütterliche Glaube kommt, musikalisch noch etwas Großes erreichen zu können.

Als junger Mensch denkt man vielleicht, man werde einmal der größte Musiker der Welt. Mit zunehmender Lebenserfahrung verändert sich diese Vorstellung. Thomas sagt selbst, dass er wahrscheinlich nicht mehr der nächste David Guetta werden wird.

Interessanterweise verändert diese Erkenntnis seinen Antrieb kaum.

Er arbeitet weiter.

Und irgendwann verstand Thomas, dass darin überhaupt nichts Tragisches liegt. Vielleicht erreicht er diesen großen Traum niemals. Aber das Arbeiten an diesem Traum macht ihn glücklich.

Solange er körperlich und geistig dazu in der Lage ist, möchte er deshalb Musik machen, neue Projekte beginnen und versuchen, immer noch ein Stück weiterzukommen.

Damit führt seine Geschichte zurück zu jenem fünf- oder sechsjährigen Jungen, der zwischen den Platten seines Vaters bei den Beatles hängen blieb.

Damals wusste Thomas nichts von Audio Branding, internationalen Radio- und Fernsehsendern, Streaming, YouTube, DAWs oder künstlicher Intelligenz.

Aber eines wusste er offenbar ziemlich genau.

Er wollte sein Leben mit Musik verbringen.

Heute tut er genau das.

THOMAS FOSTER IM NETZ

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